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Februar 2023

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Barsinghausen (SID) Übergangsturnier? Von wegen. Ein Jahr vor der Heim-EM ist die WM für den deutschen Handball von großer Bedeutung.

Die WM? Ein Übergangsturnier? Alfred Gislason schüttelt vehement den Kopf. „Wir sehen die WM auf keinen Fall als Vorbereitungsturnier für die Heim-EM“, sagt der Bundestrainer der deutschen Handballer und betont: „Wir haben eine Mannschaft zusammen, die Erfolg haben kann und will. Schon jetzt.“

Gislason befindet sich vor dem anstehenden Saison-Höhepunkt im Tunnel. Die gelungene Generalprobe gegen Island (33:31) schürt Hoffnungen auf ein erfolgreiches Turnier, es könnte – so wünscht man es sich jedenfalls beim Deutschen Handballbund (DHB) – der perfekte Startschuss für tolle Handball-Jahre werden.

Die Liste an Handball-Höhepunkten im Sportkalender der kommenden Jahre ist lang. Erstes Highlight der vom Verband als „Jahrzehnt des Handballs“ ausgerufenen Epoche wird die Junioren-Weltmeisterschaft im Sommer sein, deren Ausrichtung Deutschland sich mit Griechenland teilt. 2024 folgt die Europameisterschaft der Männer, 2025 gemeinsam mit den Niederlanden die Weltmeisterschaft der Frauen, und 2027 findet hierzulande quasi als krönender Abschluss die Weltmeisterschaft der Männer statt.

„Handball soll in den kommenden Jahren das Gesprächsthema schlechthin sein, der Sport soll mehr gesellschaftliche Relevanz gewinnen, mit Kindern und Jugendlichen, die in die Vereine kommen und sich für Handball begeistern“, schrieb DHB-Präsident Andreas Michelmann in einem Gastkommentar für den Weserkurier.

In dieser Gemengelage kommt die WM in Polen und Schweden gerade recht. Seit über zweieinhalb Jahren treibt Gislason die Verjüngung des deutschen Teams voran. Mit Blick auf die Turniere im eigenen Land gilt es nun, bei den Menschen eine neue Liebe für die Nationalmannschaft zu entfachen – ganz im Gegensatz zu den Fußballern.

„Unser Ziel ist es, durch Erfolg die Leute zu begeistern. Das zieht am Ende“, sagte DHB-Kapitän Johannes Golla im SID-Gespräch: „Die Leute sollen sagen: Diese Mannschaft repräsentiert uns gut, und wir schauen denen gerne zu. Es ist unser Anspruch, mehr Aufmerksamkeit in Deutschland auf den Handball zu lenken.“

Der Zeitpunkt dafür könnte kaum besser sein. Nachdem das DFB-Team mit dem Vorrunden-Aus bei der WM in Katar zuletzt erneut enttäuschte, können die Handballer in eine Lücke stoßen und Boden zum großen Bruder gutmachen. Vor allem aber wollen sie sich vor ihrem Großevent im eigenen Land besser präsentieren, als es die Fußballer taten.

„Natürlich hoffe ich, dass unsere Nationalmannschaft sportlich begeistert, die Vorrunde gut übersteht und in der Hauptrunde die Chance nutzen kann, das Viertelfinale zu erreichen“, sagte Michelmann auf SID-Anfrage: „Das wäre weitere Werbung für den Handballsport und natürlich auch für die Heim-EM ab24.“

Dem kann Gislason nur beipflichten. Man habe zwar eine „recht unerfahrene“ Mannschaft im Vergleich zu anderen Teams, „aber das ist kein Übergangsturnier. Wir haben jetzt nur die WM im Kopf und alle Möglichkeiten, uns dort gut zu präsentieren und Erfolg zu haben.“