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Februar 2023

Sport-Informations-Dienst (SID)

Frankfurt/Main (SID) Fünfeinhalb Wochen nach der Trennung von Geschäftsführer Oliver Bierhoff hat der DFB noch keinen Nachfolger präsentiert. Rudi Völler soll ein Kandidat sein.

Rudi Völler war nicht immer gut auf seinen früheren Schützling zu sprechen. „Brasilianische Spielweise einfordern mit Füßen aus Malta – das geht eben nicht“, schimpfte der frühere Nationalmannschafts-Teamchef vor Jahren über Oliver Bierhoff, mit dem er sich damals im Clinch befand. Nun soll ausgerechnet Völler zu den Kandidaten auf die Bierhoff-Nachfolge beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) gehören.

„Grundsätzlich sieht meine Lebensplanung anders aus“, kommentierte Völler den Bericht der Bild-Zeitung, wonach er den Ex-Geschäftsführer beim Verband beerben könnte. Der Begriff „grundsätzlich“ kann als Hinweis darauf verstanden werden, dass sich der 62-Jährige fünfeinhalb Wochen nach der Trennung zwischen DFB und Bierhoff tatsächlich im Rennen befindet.

Sky berichtete am 11. Januar über ähnliche Informationen. Völler, der am Ende der vergangenen Saison seinen Job als Sport-Geschäftsführer beim Bundesligisten Bayer Leverkusen aufgegeben hat, ließ dem SID über den Werksklub ausrichten, dass es „keine weiteren Einlassungen“ geben werde.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Völler dem krisengeplagten DFB aus der Patsche hilft. Schließlich sprang der gebürtige Hesse schon im Jahr 2000 als Teamchef ein und führte die Nationalmannschaft bei der WM 2002 ins Finale. Nach dem Vorrunden-Aus bei der EM 2004 nahm der Weltmeister von 1990 seinen Hut.

Nun sollte Völler den Bierhoff-Nachfolger aber eigentlich „nur“ suchen. Der einstige Torjäger sitzt wie Karl-Heinz Rummenigge, Matthias Sammer, Oliver Mintzlaff und Oliver Kahn im externen Expertenrat des DFB.

Die Gruppe soll dafür sorgen, dass sich der Verband und die Nationalmannschaft um Bundestrainer Hansi Flick mit Blick auf die Heim-EM 2024 aus ihrem Tief befreien. Die Suche eines Bierhoff-Erben steht dabei ganz oben auf der Agenda des Gremiums, das mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Vize Hans-Joachim Watzke vor Weihnachten seine Arbeit aufgenommen hat. Am 19. Januar soll die nächste Sitzung anstehen.

Watzke selbst lobte Völler am Mittwoch in höchsten Tönen, meinte aber auch: „Die Entscheidung trifft nicht die Taskforce, sondern am Ende das DFB-Präsidium. Die Taskforce macht maximal einen Vorschlag. Das ist alles noch hochspekulativ.“

Der DFB und Bierhoff hatten sich als Folge des erneuten Scheiterns der Nationalmannschaft in der WM-Vorrunde nach 18 Jahren getrennt. Über einen möglichen Nachfolger wird seitdem heftig spekuliert. Namen wie Fredi Bobic, Philipp Lahm, Sammer, Ralf Rangnick oder Per Mertesacker wurden und werden genannt.

Bevor ein Nachfolger installiert wird, soll allerdings eine interne DFB-Arbeitsgruppe mit Generalsekretärin Heike Ullrich an der Spitze im Zusammenspiel mit den Experten klären, wie der Arbeitsbereich des Neuen aussehen sollen. Für Rummenigge ist die Suche eines Geschäftsführers und/oder Sportdirektors ohnehin nur ein Teilaspekt der Problembewältigung.

„Es wäre viel zu kurz gesprungen, wenn wir einfach nur eine Personalie diskutieren würden“, sagte der langjährige Vorstandsboss von Rekordmeister Bayern München zuletzt: „Das wird der Sache nicht gerecht.“ Ähnlich sieht es sein Nachfolger Kahn: „Wir müssen definieren, welches die Handlungsfelder sind, bevor wir über genaue Stellenbeschreibungen und nachfolgend über Kandidaten sprechen.“

Laut Rummenigge habe der DFB eineinhalb Jahre vor sich, „in denen gut gearbeitet werden muss, um die Voraussetzungen für eine Atmosphäre bei der EM zu schaffen, die eine ganz andere ist als zuletzt.“ Diese Aufgabenstellung würde zum früheren Publikumsliebling Völler passen. Kritik an der ausbleibenden personellen Erneuerung beim DFB wäre allerdings programmiert.

Doch Schelte wäre für Völler nichts Neues. „Mal ist man Rudi Riese in dem Job“, sagte er einmal während seiner Teamchef-Zeit, „mal der Anführer von Rumpelfüßlern.“