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Februar 2024

Landessportbünde

Frankfurt/Main (SID) Rudi Völler startet beim DFB. Auf den neuen Direktor der Nationalmannschaft wartet bis zur Heim-EM 2024 jede Menge Arbeit.

Der Asphalt der A3 leidet seit Anfang Februar noch mehr als ohnehin schon. Die schwere Nobelkarosse von Rudi Völler malträtiert die Fahrbahn bei ihrem „Rettungsdienst“-Einsatz zwischen Leverkusen und Frankfurt/Main. „Ich werde viel pendeln und Präsenz auf dem DFB-Campus zeigen“, sagte der neue Direktor der Nationalmannschaft, der seinen Job beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) angetreten hat: „Es ist mein Anspruch, die Aufgabe in den nächsten eineinhalb Jahren zu 100 Prozent zu erfüllen.“

Der volle Einsatz wird nötig sein, wenn der Niedergang der Nationalelf nach drei desaströsen Turnieren in den knapp 500 Tagen bis zur EM 2024 gestoppt werden soll. Trotz der Skepsis im Umfeld glaubt Völler an den Erfolg seiner Mission. „Wir haben den Heimvorteil, den wir zu einem echten Vorteil machen wollen“, sagte der Hoffnungsträger der Sport Bild: „Ich bin überzeugt davon, dass wir eine Mannschaft haben, die um den Titel mitspielen kann.“

Damit dieses ambitionierte Ziel erreicht werden kann, will Völler die Vereine bei der Aufarbeitung sportlicher Defizite einbinden. „Der DFB ist nicht an allem schuld“, äußerte der 62-Jährige im Kölner Stadt-Anzeiger: „Dafür, dass wir heute einen Mangel an Mittelstürmern beklagen oder aktuell über zu wenige Außenverteidiger verfügen, tragen auch die Klubs eine Verantwortung, denn sie bilden die Spieler mit aus.“

Um den Finger in die Wunden zu legen und die Klubs mit ins Boot zu holen, will Völler ständigen Kontakt zu den Cheftagen halten. „Ich sehe es als meine Aufgabe an, mit den Managern und Vorständen, wie Oliver Kahn und Aki Watzke und vielen anderen, regelmäßig zu sprechen. Deswegen werde ich häufig in die Stadien gehen“, sagte der Weltmeister von 1990: „Es reicht nicht, davon zu reden, dass alle enger zusammenrücken. Wir müssen es leben.“

Die bessere Zusammenarbeit zwischen Verband und Vereinen möchte Völler auf dem Weg zur EM für alle Fans ersichtlich machen. Deshalb sollen die Testspiele bis zur Endrunde von den Klubs trotz möglicher anderer Interessen „als Pflichtspiele“ betrachtet werden. „Wir müssen loyal zueinander sein und uns gegenseitig unterstützen“, äußerte Völler: „Allen muss klar sein, dass die Nationalmannschaft wichtig ist. Nicht nur für den DFB, sondern auch für die Vereine.“

In die Pflicht nimmt Völler auch die Spieler. Sie sollen „leidenschaftlichen Fußball spielen, damit wir wieder ganz Deutschland hinter uns versammeln“, sagte der Sportchef: „Wir wollen alle dafür sorgen, dass wir wieder die Nähe zu den Menschen aufbauen. Dafür müssen wir aber auch mit gutem Fußball begeistern und Spiele gewinnen.“

Völler ist davon überzeugt, dass dies trotz der offenkundigen Schwächen des Teams von Bundestrainer Hansi Flick auch gegen hochkarätige Gegner möglich ist: „Abgesehen von Lionel Messi, der herausragend ist und dem jeder diesen WM-Titel gegönnt hat, soll mir doch keiner sagen, dass die Argentinier besser sind als wir.“

Um das Niveau der Argentinier zu erreichen, braucht Völler Unterstützung. Noch ist allerdings offen, wer den Posten des gesuchten Direktors für die administrativen Aufgaben übernehmen soll. Gehandelt werden vor allem Sami Khedira und Per Mertesacker. Den beiden Weltmeister von 2014 wird das Fachwissen attestiert – und für das mögliche Pendeln können sie sich Tipps bei Völler holen.