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Februar 2024

Sport-Informations-Dienst (SID)

Köln (SID) Fortuna Düsseldorf will mit freiem Eintritt für alle den Fußball revolutionieren. Das Konzept ist spannend, wirft aber auch einige Fragen auf.

„Stadion-Revolution“, „Welt-Sensation“, „Fußball-Feiertag“: Die Reaktionen überschlugen sich. Als Alexander Jobst schließlich die spektakulären Ticket-Pläne von Fortuna Düsseldorf näher erläuterte, wählte auch der Vorstandschef große Worte. „Wir öffnen den Fußball für alle“, kündigte Jobst vollmundig an und sorgte in der Szene damit für einen echten Paukenschlag.

Der Zweitligist will künftig allen Zuschauern freien Eintritt zu seinen Heimspielen gewähren und schlägt damit einen weltweit einmaligen Weg ein. „Wir sind nicht die besseren Menschen oder Wohltäter“, betonte Sportvorstand Klaus Allofs: „Wir haben klare Ziele: Wir wollen die Fortuna stärker aufstellen.“ 

Das Projekt mit dem Namen „Fortuna für alle“ soll auch als gesellschaftliches Engagement in der Stadt Düsseldorf verstanden werden. Nicht weniger als eine „Fußball-Revolution“ sei ihm versprochen worden, als ihm das erste Mal die Pläne vorgestellt wurden, berichtete Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller.

Ein Dutzend Kamerateams und knapp 40 Medienvertreter hatten sich in der letzten Aprilwoche im kleinen Presseraum in der Düsseldorfer Arena versammelt, um die Hintergründe des Projekts zu erfahren. Vieles ist noch unklar, sicher ist: Das Projekt wird in einer Pilotphase in der kommenden Saison mit mindestens drei Partien im eigenen Stadion umgesetzt.

Schon in der übernächsten Spielzeit, so die Vision, sollen dann alle Heimspiele „gratis“ sein. „Wann wir letztendlich 17 Spiele freien Eintritt gewähren, hängt davon ab, wie sich die Dinge entwickeln. Wir haben jetzt ein Fundament gelegt“, sagte Finanzvorstand Arnd Hovemann. Heißt: Weitere Geldgeber werden benötigt. Der Plan sieht vor, dass die entgangenen Einnahmen durch Sponsoren aufgefangen werden.

Laut Jobst stehen bislang drei Unternehmen sowie die Initiative Common Goal hinter dem neuen Projekt. Demnach erhält die Fortuna für die nächsten fünf Jahre ein „wirtschaftliches Fundament“ in Höhe von rund 45 Millionen Euro. Die künftig über das neue Projekt erzielten Sponsoring-Einnahmen sollen nach einem bestimmten Schlüssel verteilt werden.

Neben Investitionen in den Profikader sollen 20 Prozent in den Nachwuchs und den Frauenfußball fließen. Weitere 20 Prozent sind für die digitale Infrastruktur und die Arena, in der 2024 auch EM-Spiele stattfinden, vorgesehen. Mit zehn Prozent sollen der Breitensport in der Stadt und Nachhaltigkeitsprojekte gefördert werden.

Vor allem soll jedoch die Profiabteilung profitieren. „Wir wollen den Fortuna-Fans wieder Erstliga-Fußball präsentieren. Es ist unser Antrieb, wieder bei den Großen mitspielen zu können“, bekräftigte Allofs. Ein „Weiter so“ habe es nicht geben können. „Die Schere ging immer weiter auseinander.“ Also: Die Einnahmen wurden geringer, die Ausgaben größer.

Die meisten Bundesliga-Klubs wollten sich auf Anfrage zunächst nicht zu den Plänen äußern – und wenn doch, dann hieß es, dass die Situation mit Interesse verfolgt werde. Der 1. FC Köln schloss einen ähnlich radikalen Ansatz für sich aus: „Ohne die Ticketeinnahmen unserer großartigen Fans“ sei die Finanzierung des Profifußballs in Köln nicht möglich, sagte Geschäftsführer Markus Rejek dem SID.

Dennoch: Hat Fortunas Plan Erfolg, setzt er die anderen 35 Profivereine unter Druck, dem Beispiel des zweimaligen Pokalsiegers zu folgen. „Mein Handy ist explodiert“, berichtete Jobst über die ersten Reaktionen auf das Projekt. Näher darauf eingehen wollte er nicht. Die Deutsche Fußball Liga sei in die Pläne von Beginn an involviert gewesen.

Das Fanbündnis „Unsere Kurve“ bewertet die Pläne positiv – und warnt zugleich. „Wir vertreten seit Jahren die Auffassung, dass Fußball für alle da sein soll. Da geht es natürlich auch um Eintrittspreise. Nach derzeitigem Stand der Faktenlage ist die Idee von Fortuna daher zu begrüßen“, sagte Sprecher Thomas Kessen dem SID. Es bleibe „abzuwarten, ob und welchen Einfluss Sponsoren durch das Engagement bekommen.“ Schade sei zudem, „dass die Idee bei einem Verein entsteht, dessen Stadion nur selten voll ist“.

Der Zuschauerschnitt in der laufenden Zweitliga-Saison liegt bei rund 29.000. Zuletzt war die Arena beim Heimspiel gegen den Hamburger SV am 31. März mit 52.200 Besuchern ausverkauft.