sid

Februar 2024

Sport-Informations-Dienst (SID)

Köln (SID) Das zyklusbasierte Training spielt eine immer wichtigere Rolle im Sport. Der SID hat mit Professor Patrick Diel über das Thema gesprochen.

Für Diel ist es höchste Zeit, dass das Tabu endgültig fällt. „Natürlich wurde es verschlafen“, sagt der Professor der Deutschen Sporthochschule Köln zum vielschichtigen Thema Zyklus im Spitzensport, das sich psychisch und körperlich auf die Leistungsfähigkeit der Athletinnen auswirken kann. Auch bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Australian und Neuseeland.

„Leider wird ein offener Umgang mit dem Thema noch oft gehemmt“, sagte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg der Neuen Westfälischen. Doch es kommt Bewegung in den Diskurs. Der DFB hatte im Juni mit einem Sponsor die Kampagne #LetsTalkPeriods ins Leben gerufen. Und auch Diel, der sich schon vor 20 Jahren mit dem Bereich beschäftigt hat, aber damals keine Gelder für die Forschung generieren konnte, nimmt eine spürbare Entwicklung wahr.

Wie wichtig diese ist, zeigen die Aspekte, die mit der Periode in Verbindung stehen. „Wir wissen, dass es abhängig von der Zyklusphase theoretisch sein könnte, dass Frauen ein unterschiedliches Verletzungsrisiko haben. Das bezieht sich vor allem auf den Bänder- und Sehnenapparat“, sagt der Forscher im SID-Gespräch. Die Frage, ob die Vielzahl von Kreuzbandverletzungen im Frauenfußball mit einem stärker zyklusbasierten Training reduziert werden könnte, kommt da automatisch auf.

Diel nimmt genau dies in den Blick und will das gewonnene Wissen dann nutzen, um ein optimales Training zu ermöglichen, das es bisher so noch nicht gebe. In die Richtung zumindest tendiert bereits der FC Chelsea mit der deutschen Nationaltorhüterin Ann-Katrin Berger. In einer App wird beim englischen Serienmeister nicht allein der individuelle Zyklus dokumentiert, sondern auch das damit verbundene Befinden.

Ob es Schlafstörungen gibt, muskuläre Probleme, Schmerzen oder auch Heißhunger? Die medizinische Abteilung der Blues wertet die erfassten Daten aus und stimmt sich mit dem Ernährungsberater und dem Trainerstab ab.

Beim DFB erfragt das Trainerteam während der WM täglich, ob die Spielerinnen ihre Tage haben und ob sie sich in irgendeiner Art und Weise eingeschränkt fühlen. „Wenn das der Fall ist, sprechen wir mit ihnen und schauen, wo wir sie reduzierter trainieren lassen können“, erklärt Athletiktrainer Julius Balsmeier.

Er stellt Fragen wie: „Was ist das Problem an dem Tag, wie denkt die Spielerin darüber?“ Für Balsmeier ist klar: „Die Spielerinnen wissen genau, was sie können und was nicht.“

Bundestrainerin Voss-Tecklenburg zeigt sich stets offen dafür, neue Erkenntnisse in ihre Arbeit einfließen zu lassen. „Wir wachsen bei dem Thema mit, weil es immer noch viel Potenzial birgt in der Wissenschaft – obwohl es eigentlich schon immer ein Thema im Leistungssport hätte sein müssen“, sagt die 55-Jährige.

Als Spielerin habe sie einst noch selbst schauen müssen, wie sie klar kam. Diese Zeiten scheinen immer mehr der Vergangenheit anzugehören – und das Thema zyklusbasiertes Training langsam aber sicher die Beachtung zu bekommen, die es verdient.