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Juli 2024

Sport-Informations-Dienst (SID)

Bern (SID)  Der von Mythen umrankte WM-Triumph von 1954 wirkt auch nach 70 Jahren nach. In Bern, Spiez – und vielleicht sogar bei der EM 2024.

Bernd Neuendorf spürte den Geist von Spiez schon nach einer Stunde. „Der See, die Berge, der Schnee ganz oben. Das hier ist eine idyllische Atmosphäre“, sagte der DFB-Präsident, als er im Juni mit einer Delegation des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) jenen Ort besuchte, von dem aus vor genau 70 Jahren das „Wunder von Bern“ seinen Lauf nahm. Sein Urteil: „Ich kann gut nachvollziehen, dass man sich hier sehr konzentriert auf so ein Turnier vorbereitet.“

Als studierter Historiker war die Reise in die Schweiz für Neuendorf auch eine Art Quellenstudium, zumal Zeitzeugen wie der damalige Balljunge Heinz Minder gekommen waren. Auch Michael Herberger, Ur-Großneffe von Trainer Sepp Herberger, schaute vorbei. Immer wieder ging es um jenen 4. Juli 1954, als Helmut Rahn aus dem Hintergrund schoss und Deutschland durch das 3:2 gegen die übermächtigen Ungarn erstmals Weltmeister wurde.

Neuendorf wurde erst sieben Jahre später geboren, doch schon als Kind erlebte er den Zauber, der von jenem Tag ausging. In den Fußball-Büchern, die er als Junge geschenkt bekommen habe, habe er „so viel gelesen, dass die Seiten nachher zerfleddert waren“, sagte er der DFB-Stiftung Sepp Herberger. Namen wie Herberger, Rahn oder Fritz Walter seien für ihn bis heute „mit diesem Spiel verbunden“.

Und mit der Erfolgsgeschichte des deutschen Fußballs. Denn Neuendorf ist sich sicher, dass die 1954 entstandene Begeisterung bis heute nachwirkt. „Dieser Titelgewinn hat auch dazu geführt, dass wir tolle Turniere wie 1966 und 1974 gespielt haben“, sagt er: „Ich glaube schon, dass dieses Turnier für die Menschen damals so kurz nach dem Krieg eine unglaubliche Bedeutung hatte. Deutschland hatte viele Probleme, so ein Erfolg hat die Menschen aus dem Alltag herausgerissen und sicher ein Stück Identität gestiftet.“

Termine wie in Spiez sind wegen dieser Bedeutung auch für den DFB-Boss ganz besondere. Der damalige Balljunge Minder erzählte auf dem Rasen des ehemaligen Wankdorf-Stadions vom WM-Finale, als sei dieses gestern gewesen. „Ich haben nie etwas vergessen von diesem Spiel“, sagte er und erzählte am Strafraum stehend von Rahns goldenem Tor: „Der Rasen war nass, der Ball hatte Fahrt aufgenommen – der Torhüter hatte keine Chance.“

Worte, bei denen auch Michael Herberger ergriffen lauschte: „Ich bin froh und dankbar, dass die Sepp-Herberger-Stiftung so Events auf die Beine stellt“, sagt er. Bruno Affentranger, Besitzer jenes Hotel Belvedere, in dem die deutsche Elf während der WM seinerzeit wohnte, betonte: „Der Geist von Spiez hat für uns eine riesengroße Bedeutung. Für uns ist es eine Ehre und Pflicht, diesen Geist zu bewahren.“

Das gilt freilich auch für den DFB, schließlich strahlt der WM-Triumph noch immer nach. Ob denn im Juli 2024 nicht eine Art Wiederholung möglich wäre, quasi das „Wunder von Berlin“, wurde Neuendorf in Spiez gefragt. Seine Antwort: „Wir sind auf dem richtigen Weg – und ich bin sehr zuversichtlich, dass der Weg noch weit führen kann“, sagte er und schob nach: „Warum nicht auch ein Wunder?“

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