Thementag von MentalGestärkt widmet sich einem wichtigen Thema
Verletzungen im Sport sind nicht nur ein körperliches oder medizinisches Phänomen. Auch die Psyche ist teils stark betroffen. Forschungen der letzten Jahrzehnte zeigen, dass bei ca. 5-10% der verletzten Athlet:innen depressive Symptome so stark sind, dass sie behandelt werden müssten. Glücklicherweise verbessert sich die Stimmungslage der Sportler:innen häufig auch ohne Behandlung wieder, jedoch nicht immer. Daher vermittelt bei starken Symptomen die Initiative MentalGestärkt sportpsychologische, psychotherapeutische oder psychiatrische Hilfe.
Neben depressiven Verstimmungen sind auch andere psychische Probleme typisch nach Verletzungen. So zeigen viele Sportler:innen Befürchtungen und Unsicherheit hinsichtlich der eigenen Fitness und sportlichen Fähigkeit. Nicht selten sind auch Ängste, sich wiederzuverletzen. Und auch Zweifel und Unsicherheit an der eigenen Identität als Sportler:in treten auf.
Insbesondere bei schweren Verletzungen benötigen Athlet:innen daher Unterstützung nicht nur im medizinischen, sondern auch im psychologischen Bereich. Besonders wichtig ist es hierbei, Vertrauen in den eigenen Körper wiederzuerlangen. Es reicht daher nach einer Verletzung nicht aus, körperlich wieder fit zu sein, sondern sich im Kopf auch wieder „fit zu fühlen„. Um dieses Körpervertrauen herzustellen, muss die Sportpsychologie mit der Sportmedizin, Physiotherapie und der:dem Trainer:in zusammenarbeiten. Therapie und Training müssen so gestaltet werden, dass neben dem Körper sich auch das Körpergefühl der Athlet:innen verbessert.

Weiterhin ist es wichtig, frühzeitig zu erkennen, wenn Athlet:innen nach einer Verletzung depressive Verstimmungen oder starke Unsicherheit oder Ängste zeigen. Hinweise ergeben sich aus Gesprächen oder aus dem Verhalten der Athlet:innen. Ein erstes Symptom können auch Schlafstörungen sein.
Nach Sportverletzungen mental wieder fit und bereit zu sein, hilft letztlich auch dabei, Wiederverletzungen zu vermeiden. Athlet:innen, die unsicher und ängstlich sind, tragen unter Umständen ein höheres Risiko sich wiederzuverletzen als psychisch stabile Sportler:innen.
Aufgrund der hohen Bedeutung des Themas richten die Initiative MentalGestärkt und die Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie einen Thementag „Verletzungen und Psyche“ aus. Interessierte Trainer können sich hier anmelden.
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Literatur:
Kleinert, J. (2002). Das Stress-Wiederverletzungs-Modell: Psychologische Ansätze zur Erklärung und Vermeidung von Wiederverletzungen Sport. Schweizerische Zeitschrift für Sportmedizin, 50(2), 49–57.
Kleinert, J. (2003). Verletzungspech: Wenn nicht nur der Körper streikt. In J. Kleinert (Hrsg.), BLV Sportwissen. Erfolgreich aus der sportlichen Krise: Mentales Bewältigen von Formtiefs, Erfolgsdruck, Teamkonflikten und Verletzungen (S. 55–92). BLV. Verletzung als komplexes Phänomen.
Kleinert, J., Belz, J., Sulprizio, M. & Watson, M. (2020). Depression and other mental health problems following sport injuries. In U. Johnson & A. Ivarsson (Hrsg.), Psychological Bases of Sports Injuries (4. Aufl., S. 243–264). FiT Publishing Podlog, L., Dimmock, J. A. & Miller, J. (2011). A review of return to sport concerns following injury rehabilitation: Practitioner strategies for enhancing recovery outcomes. Physical Therapy in Sport, 12(1), 36–42. https://doi.org/10.1016/j.ptsp.2010.07.005