Mailand (SID) Die deutsche Olympiamannschaft soll bei den Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo wieder in die Top drei im Medaillenspiegel. Wer sind die heißesten Eisen im Ringe-Feuer? Welche Athletinnen und Athleten gilt es zu beachten? Ein Überblick:
EMMA AICHER (SKI ALPIN)
Emma Aicher umkurvt die Medaillen-Frage so locker wie eine Slalom-Stange. Ihr Olympia-Wunsch? „Gut Skifahren“, sagt sie und lacht. Aicher zählt längst zum Favoritenkreis, in gleich drei Einzel-Disziplinen. „Ihre größte Qualität ist, dass sie so viel Spaß am Skifahren hat“, sagt Alpinchef Wolfgang Maier. Diese Unbekümmertheit kann zur Schwäche werden, wenn Aicher als „Susi Sorglos“ über die Piste wedelt. „Mir taugt der Hang“, sagt sie über die Strecke in Cortina d’Ampezzo, „wenn ich normal tu, könnte es ganz gut werden.“ Wenn.
LEON DRAISAITL (EISHOCKEY)
Das erste Highlight steht für den NHL-Star weit vor seinem ersten Einsatz auf olympischem Eis an: Als Fahnenträger führt der Torjäger der Edmonton Oilers die deutsche Mannschaft am Freitag bei der Eröffnungsfeier im Stadion von San Siro an. Wenn am 12. Februar das Eishockey-Turnier mit dem Spiel gegen Dänemark beginnt, soll der erste Schritt auf dem Weg zur erhofften Medaille gemacht werden – im Idealfall mit vielen Draisaitl-Scorern.
FINN SONNEKALB (EISSCHNELLLAUF)
Nach drei Winterspielen ohne Medaille für die einst erfolgsverwöhnten deutschen Kufenflitzer ruhen die Hoffnungen auf dem 18 Jahre alten Top-Talent aus Erfurt. Beim Weltcup-Auftakt raste er aufs Podest, pulverisierte den deutschen Rekord und verbesserte den Junioren-Weltrekord. Der Wettkampf auf seiner Spezialstrecke 1500 m steht am 19. Februar an. Die 1000 m sind für den 11. Februar angesetzt – dann will auch sein Vater Gerrit Schädler angekommen sein, der den langen Weg nach Mailand mit dem Rad zurücklegt und damit ein Wettversprechen einlöst.
FELIX LOCH (RENNRODELN)
Der Altmeister erlebt in diesem Winter seinen zweiten Frühling und zählt wieder zur absoluten Weltspitze. Für den 36-Jährigen werden es bereits die fünften Olympischen Spiele, im Einsitzer greift er nach seiner dritten Goldmedaille. „Es passt einfach alles. Mir geht’s gut, ich fühle mich so gut wie lange nicht mehr“, sagt Loch. 16 Jahre nach seinem ersten Olympiasieg in Vancouver kann der Rekordweltmeister seine beeindruckende Karriere krönen.
MINERVA-FABIENNE HASE/NIKITA VOLODIN (EISKUNSTLAUF)
In der Saison der Vize-Weltmeister verlief nicht alles nach Plan, sowohl beim Grand-Prix-Finale als auch bei der EM als Olympia-Generalprobe konnten die beiden 26-Jährigen ihren Titel nicht verteidigen. Dass sie das Potenzial auf Edelmetall und sogar Gold haben, zeigten Hase/Volodin Anfang Dezember, als sie mit einer Weltklasse-Kür aufhorchen ließen. In einem engen Spitzenfeld muss für den ganz großen Sprung am 15. und 16. Februar aber sowohl im Kurzprogramm als auch der Kür alles passen.
FRANZISKA PREUSS (BIATHLON)
Deutschlands Sportlerin des Jahres beendete frühzeitig das große Rätselraten, spätestens zum Saisonende wird die Bayerin ihre Karriere beenden. Nach einem bislang schwierigen Winter will sie sich nun ihren letzten großen Traum erfüllen und eine olympische Einzelmedaille gewinnen. „Man kann nur alles geben, die bestmögliche Leistung an einem Tag abrufen“, sagte die Gesamtweltcupsiegerin: „Dann muss man schauen, was es wert ist.“ Für Preuß wäre es der perfekte Abschied.
VINZENZ GEIGER (NORDISCHE KOMBINATION)
Der „Vinz“ holte 2018 Gold mit dem Team, 2022 nach einer furiosen Aufholjagd im eiskalten China auch im Einzel. Doch satt ist der in der Loipe bärenstarke Oberstdorfer noch lange nicht. „Wenn ich die besten Sprünge zeige und einen super Lauf, dann ist in Italien alles möglich“, sagt der 28-Jährige. Gold bei drei verschiedenen Winterspielen hat bislang nur Ulrich Wehling für die DDR (1972, 1976, 1980) geholt.
KATHARINA SCHMID (SKISPRINGEN)
Für die Rekordweltmeisterin werden die vierten Winterspiele ihre letzten, nach der Saison hört sie auf. Aber sie beginnen bestmöglich: Schmid wurde zur Fahnenträgerin gekürt. Sie spüre „nur Vorfreude“, keine Wehmut, sagt die 29-Jährige. Olympia-Gold fehlt Schmid noch, 2018 und 2022 holte sie jeweils Silber. Klappt es diesmal? „Wenn ich einen guten Tag und etwas Glück habe, dann kann ich das schaffen“, sagt sie. In schlechter Erinnerung ist Schmid ihre Disqualifikation vor vier Jahren im Mixed. „Ich habe noch eine Rechnung offen“, sagt sie.
FRANCESCO FRIEDRICH und JOHANNES LOCHNER (BOB)
Jahrelang fuhren beide gemeinsam in der Weltspitze, jahrelang gingen die wichtigsten Titel stets an Friedrich. 2018 und 2022 holte der Sachse jeweils Gold im Zweier und Vierer, ein solches Double-Double hatte es nie zuvor gegeben. In Italien kann er sich nun auch im Medaillenranking zum erfolgreichsten Bob-Sportler bei Olympia aufschwingen. Doch auf der Zielgeraden der Karriere scheint Lochner tatsächlich an Friedrich (beide 35) vorbeizuziehen. Im Weltcup-Winter zumindest hatte er in beiden Schlitten die Nase überraschend (weit) vorn – und könnte nach seinen beiden Silbermedaillen aus Peking doch noch das erste Olympia-Gold abräumen.