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Die Flamme brennt: 50 Jahre Winter-Paralympics – eine fortlaufende Erfolgsgeschichte? – Fragen & Antworten

Februar 2026

Stoke Mandeville/Frankfurt (SID) In Stoke Mandeville wurde die Flamme für die Paralympics entzündet. 50 Jahre nach der Premiere der Winterspiele soll die positive Entwicklung trotz des Wirbels um die Russen-Rückkehr weitergehen.

Das Feuer brennt wieder, nach Olympia ist vor den Paralympics: Die britische Skifahrerin Millie Knight entzündete in einer feierlichen Zeremonie in Stoke Mandeville die Paralympics-Flamme und gab damit den Startschuss für den Fackellauf. Vom Ursprungsort der Spiele für Menschen mit Behinderung wurde das Feuer nach Italien transportiert, wo 501 Läuferinnen und Läufer die Fackel auf einer Strecke von 2000 Kilometern zur Eröffnungsfeier tragen. Die Winterspiele von Mailand und Cortina d’Ampezzo werden dabei eine ganz andere Welt als noch die Premiere vor exakt 50 Jahren im schwedischen Örnsköldsvik.

Die paralympische Bewegung ist mit der Zeit enorm gewachsen – und der steile Aufschwung soll sich trotz weiter greifbarer Hürden mit den Spielen in Norditalien fortsetzen. „Uns ist bewusst, dass noch viele Barrieren aus dem Weg geräumt werden müssen“, sagte DBS-Präsident Hans-Jörg Michels dem SID: „Aber es lohnt sich, gemeinsam zu kämpfen für mehr Teilhabe, Inklusion und Chancengleichheit im Sport. Die Strahlkraft der Paralympics wird uns zum Erreichen der Ziele helfen.“

Strahlkraft hatte die historisch erste Medaillenjagd von Wintersportlern mit Behinderung kaum. In der schwedischen Kleinstadt Örnsköldsvik trafen sich Ende Februar 1976 zwar 198 Athletinnen und Athleten, doch nur sechs davon kamen nicht vom europäischen Kontinent. Außerdem waren in den zwei ausgetragenen Sportarten lediglich 37 Frauen dabei. Deutschland stellte mit 32 Teilnehmenden die größte Mannschaft und gewann den Medaillenspiegel.

Quelle: AFP

Wenn nun am 6. März die 14. Winterspiele im historischen Amphitheater von Verona eröffnet werden, treten über 650 Athletinnen und Athleten aus rund 50 Nationen in sechs Sportarten und insgesamt 79 Wettbewerben gegeneinander an. Dabei wird es nicht nur in Deutschland eine umfassende mediale Beachtung geben – im Gegensatz zu den Anfängen: „Wenn man in der Presse vorkommen wollte, musste man das auf eigene Initiative anstoßen“, sagte Alexander Spitz, einer der erfolgreichsten Para-Alpinfahrer der Geschichte.

Es sei anfangs gar „schwierig“ gewesen, „überhaupt an aktuelle Ergebnisse von den Paralympics zu kommen“, erzählte der langjährige DBS-Sportdirektor Frank-Thomas Hartleb. Mittlerweile sind ganz andere Dimensionen erreicht. Deutsche Paralympics-Medaillengewinner erhalten dieselben Prämien wie die olympischen Athleten, es gibt professionellere Strukturen, viel mehr öffentliches Interesse und eine nachvollziehbarere Klassifizierung durch das Prozentsystem. Auch die finanzielle Förderung hat sich verbessert, obwohl es weiter Nachholbedarf gibt.

Die Spiele in Norditalien sollen dem Parasport als Leuchtturmveranstaltung ungeachtet der umstrittenen Rückkehr von Russland und Belarus unter eigener Flagge einen weiteren Schub geben. „Die Paralympics haben schon eine gewisse Kraft, um die Einstellung in der Gesellschaft und generell Barrieren zu überwinden“, betonte Michels. Das im ewigen Medaillenspiegel immer noch auf Rang eins liegende Team D solle diese enorme „Strahlkraft des Parasports mit mitreißenden Leistungen entfalten“.

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Fragen und Antworten zu den 14. Paralympischen Winterspielen

Am Freitag werden die 14. Winter-Paralympics im römischen Amphitheater von Verona eröffnet. Die Spiele erstrecken sich über Norditalien. Neben den Hauptstandorten in Mailand und Cortina d’Ampezzo wird auch Tesero Gastgeber der Wettkämpfe sein. Die Veranstaltung endet am 15. März.

Quelle: AFP

Wie viele Athletinnen und Athleten nehmen teil?

Insgesamt werden 665 Sportlerinnen und Sportler aus rund 50 Nationen an den Start gehen. Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) schickt das zweitgrößte Aufgebot der Geschichte ins Rennen. Insgesamt reisen 40 Athletinnen und Athleten sowie acht Guides nach Norditalien, nur in Lillehammer 1994 waren es noch mehr (43).  

Welche Wettbewerbe gibt es?

Es finden 79 Medaillenentscheidungen in sechs Sportarten statt. Am Hauptstandort in Mailand wird lediglich das paralympische Eishockey-Turnier ausgespielt. Die meisten Entscheidungen fallen mit 40 im rund 400 km nordöstlich gelegenen Cortina d’Ampezzo, wo es im Ski alpin (30), mit dem Snowboard (8) sowie im Rollstuhlcurling (2) zur Sache geht. Die Nordischen kämpfen in Tesero um Medaillen im Skilanglauf (20) und Biathlon (18).

Was ist mit Russland und Belarus?

Die Nationalflaggen und -hymnen der beiden kriegstreibenden Länder kehren auf die Weltbühne des Sports zurück. Gut zwei Wochen vor dem Start der Spiele erhielten sechs Russen und vier Belarussen bei der Vergabe sogenannter Bipartite-Plätze Wildcards. Da die Generalversammlung des IPC Ende September mehrheitlich für die Aufhebung der Suspendierung von Russland und Belarus gestimmt hatte, dürfen diese anders als bei Olympia sogar mit nationalen Emblemen starten.

Wie reagiert die Ukraine?

Das ukrainische Team wird aus Protest die Eröffnungsfeier boykottieren. Außerdem kündigten ukrainische Regierungsvertreter ihr Fernbleiben von sämtlichen offiziellen Veranstaltungen der Paralympics an. Man fühle sich vom Internationalen Paralympischen Komitee (IPC) verraten, teilte die Ukraine mit. Das IPC verwies derweil auf den „demokratischen Prozess“ beim Zustandekommen der Entscheidung.

Wie verhalten sich Deutschland und andere Nationen?

Der DBS kritisierte den Vorgang mehrfach deutlich. Dies widerspreche „unserer moralisch-ethischen Grundhaltung, unseren sportlichen Wertvorstellungen – und ist aus unserer Sicht insbesondere für die Teilnehmenden aus der Ukraine unzumutbar“, sagte DBS-Vorstand Idriss Gonschinska. Am 03. März teilte der Verband mit, dass er sich dem Boykott anderer Länder wie Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Polen, Niederlande und Tschechien anschließen und nicht am Einmarsch der Nationen bei der Eröffnungsfeier teilnehmen werde. Gastgeber Italien drückte bezüglich der Zulassung von Russen und Belarussen seine „strikte Ablehnung“ aus.

Wie sind die deutschen Medaillenchancen?

Die Bilanz von Peking mit viermal Gold, achtmal Silber sowie siebenmal Bronze und dem siebten Platz im Medaillenspiegel dürfte erreichbar sein. Anna-Lena Forster könnte der Star der Spiele werden, die Monoskifahrerin ist bei all ihren fünf Starts eine der Topfavoritinnen. Bei den Nordischen sind die Sehbehinderten Leonie Walter, Johanna Recktenwald, Lennart Volkert und Nico Messinger ebenso wie Anja Wicker oder Marco Maier heiße Podestkandidaten. Im Snowboard und Eishockey dürfte für Deutschland nichts zu holen sein, im Curling sind keine Teams am Start.

Wie kommen möglichst faire Leistungsvergleiche zustande?

Die Sportler werden in unterschiedliche, international anerkannte Kategorien eingeteilt. Im Ski alpin, Skilanglauf und Biathlon werden die Sportler in folgende Gruppen klassifiziert: stehend (LW 1-9), sitzend (LW 10-12) und visuell beeinträchtigt (B1, B2 und B3). Um die Zahl der Entscheidungen zu reduzieren, wurde das Prozentsystem eingeführt, sodass die Leistungen innerhalb der drei Kategorien vergleichbar sind. Die Laufzeit eines jeden Sportlers wird entsprechend seiner Behinderung mit einer Prozentzahl multipliziert, wodurch sich die Endzeit ergibt.

Wer überträgt?

Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ARD und ZDF wechseln sich bei der Übertragung ab. Vom 7. bis 10. März gibt es im linearen Fernsehen Live-Strecken im ZDF, ab dem 11. März übernimmt die ARD. Zudem sind 100 weitere Stunden im Livestream geplant. Auch bei Eurosport gibt es Highlights und Live-Streaming.

Mehr Infos zum Team D Paralympics sind hier zu finden.