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Olympia-Bilanz des DOSB: „Freude, Stolz – und eine Prise Ernüchterung“

Februar 2026

Mailand/Cortina d’Ampezzo (SID) Der DOSB zieht sein Fazit. Bei den Goldmedaillen zeigt der Trend nun auch bei Winterspielen nach unten.

Der doppelte Sturz von Kombinierer Vinzenz Geiger, einige Schießfehler beim Biathlon oder der umstrittene Jury-Entscheid zuungunsten von Philipp Raimund und Andreas Wellinger beim Skispringen – Olaf Tabor konnte spontan einige Beispiele nennen. Mehr, als ihm lieb waren. „Die extrem vielen vierten Plätze schmerzen mich“, bekannte der Leistungssportvorstand des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Im höchst inoffiziellen Nationenranking der „Blechmedaillen“ belegt das deutsche Team bei den Spielen von Mailand/Cortina den ersten Platz: Zwölfmal an den ersten 14 Wettkampftagen ganz knapp am Podium vorbei. Auch vierte Plätze seien „weltklasse“ betonte Tabor. Doch in Summe verspürte auch der Chef de Mission beim deutschen Team vor dem Schlusswochenende neben „Freude“ und „Stolz“ eine „kleine Prise Ernüchterung“.

Der angestrebte dritte Platz im Nationenvergleich ist frühzeitig außer Reichweite geraten, bei der Gesamtzahl der Medaillenzahl bestehe zumindest die Hoffnung, die Marke von 27 wie 2022 in Peking zu erreichen. Damals war Deutschland mit zwölfmal Gold die zweiterfolgreichste Nation hinter Norwegen.

Quelle: AFP

Nach 14 von 16 Wettkampftagen in Norditalien stand der deutsche Wintersport bei sechsmal Gold. Die vier Erfolge im Eiskanal waren durchaus vorhersehbar, die Siege von Raimund von der Normalschanze sowie von Skicrosserin Daniela Maier fielen eher in die Kategorie Überraschung. Andere verfehlten allerdings ihre Ziele, teils deutlich.

Seit der Wiedervereinigung liegt der deutsche Minus-Rekord bei Winterspielen bei neun Olympiasiegen: 1994 in Lillehammer und 2014 in Sotschi – wobei bei den Spielen von vor zwölf Jahren das neunte Gold erst kürzlich dazugekommen ist: Die Biathlon-Staffel der Männer profitierte von einem Dopingfall in der russischen Goldstaffel und rückte auf die mittlere Stufe des Treppchens. Die Medaillen gab es am ersten Wettkampf-Sonntag in Antholz.

Die Sportwelt habe sich in den vergangenen Jahren verändert, betonte Tabor. Realität sei, dass „die Weltspitze weiter zusammenrückt und dass da oben Kleinigkeiten entscheiden, nicht nur, was die Medaillen angeht, sondern dann auch, was die Nationenplätze angeht“.

Norwegen, das am Freitag mit der 17. Goldmedaille einen Rekord für Winterspiel-Editionen aufgestellt hat, und die USA „gehen mit ihren Medaillenpotenzialen sorgsamer um“, erklärte Tabor: „Bei uns ist die Quote der potenziellen Umsetzung kleiner.“ Dies gelte es gemeinsam mit den deutschen Fachverbänden nach zwei, drei Wochen der Ruhe und Reflexion zu analysieren. Wie so vieles. 

Denn der deutsche Sport wird in der Öffentlichkeit und auch vom Geldgeber an Ergebnissen gemessen. Medaillen seien „die Währung im Leistungssport“, betonte Staatsministerin Christiane Schenderlein stets.

Der Eiskanal war mehr denn je Garant für Medaillen. Rodler, Skeletonis und Bobfahrer lieferten. An anderer Stelle ist die Bilanz aber arg ausbaufähig. „Wir haben Nachwuchsthematiken in unterschiedlichen Sportarten“, sagte Tabor und nannte konkret Ski- und Snowboard-Freestyle: „Viele machen es in der Freizeit, aber es ist ein Unterschied, das auf Wettkampfniveau zu tun.“

Quelle: AFP

Die öffentliche Debatte in Deutschland hat derweil bereits begonnen. Der frühere Skistar Christian Neureuther zeigte sich in der Münchner Abendzeitung bissig: Der Medaillenspiegel müsse den finanziell üppig ausgestatteten deutschen Wintersport „wachrütteln“, doch in der Pflicht seien auch andere: „Die Politik ist sehr träge und reagiert nur auf Vier-Jahres-Zyklen.“