Landessportbünde

Postolympischer Blues: Wenn das Ziel erreicht ist – und dann?

März 2026

Die sogenannte Post-Olympia-Depression beschreibt einen psychischen Zustand, der nach dem Ende eines lange vorbereiteten sportlichen Großereignisses auftreten kann. Dieses Phänomen kann entstehen, wenn Athletinnen und Athleten nach einem Höhepunkt ihrer Karriere plötzlich ohne klares Ziel und ohne gewohnte Trainings- und Wettkampfstruktur dastehen. Außerdem zeigen Berichte der Betroffenen, dass die veränderte öffentliche Wahrnehmung und eine Veränderung der sozialen Situation eine Rolle spielen könnten. Bei der Post-Olympia-Depression handelt es sich nicht zwangsläufig um eine klinische Depression, sondern häufig eher eine depressive Verstimmung oder einen „mentalen Blues“.

Die Post-Olympia-Depression ist wissenschaftlich kaum erforscht. In einer dänischen Studie (s. Quelle) wurden 49 olympische und paralympische Sportler:innen einen Monat nach den Olympischen Spielen befragt. Ungefähr ein Viertel hatten ein merklich beeinträchtigtes Wohlbefinden oder depressive mittlere bis schwere Symptome – bei 19% kam beides vor; Frauen litten häufiger unter Symptomen als Männer. Letztlich lässt sich jedoch nur sagen, dass derartige Stimmungsstörungen nach großen Events nicht selten sind und genauer erforscht werden muss, von was sie abhängig sind und wie sie verlaufen.

Quelle: Deutsche Sporthochschule Köln

Im Einzelfall können die Erscheinungsformen jenen einer Depression ähneln: ein Gefühl der innerer Leere, starke Erschöpfung und Antriebslosigkeit und auch der Rückzug von körperlicher Aktivität und die Wahrnehmung von Ziellosigkeit. Die betroffenen Sportlerinnen und Sportler berichten von Identitätsunsicherheit („Wer bin ich ohne Wettkampf?“). Ein bekanntes Beispiel ist der ehemalige Schwimmer Michael Phelps, der öffentlich über seine Schwierigkeiten nach wichtigen Wettkämpfen sprach und seine Ziellosigkeit zeitweise mit Alkohol und Drogen zu kompensieren versuchte. Auch Anna Maria Wagner, deutsche Judo-Weltmeisterin, war betroffen und sprach öffentlich über diese „dunkle Phase“ in ihrem Leben, in der ihr jede Energie fehlte.

Prävention statt Nachsorge sollte daher die Devise sein. Athletinnen und Athleten sollten bereits vor dem Wettkampf oder Karriereende auf die Zeit danach vorbereitet werden. Wichtig ist vor allem eine mentale Vorbereitung auf die Phase nach dem Event, das heißt die Entwicklung konkreter Pläne für die wettkampffreie Zeit und Festlegung neuer, realisierbarer Ziele. Trainerinnen und Trainer, aber auch die sportpsychologische Betreuung übernehmen dabei eine zentrale Rolle der Prävention: Sie können Gespräche über Ziele jenseits des Sports anstoßen. Sie sollten Athletinnen und Athleten ermutigen, ihr Leben und ihre Rollen jenseits des Sports zu entwickeln oder zu stärken (z. B. Student, Auszubildende, Familienmitglied). Und sie können die Inanspruchnahme sportpsychologischer Unterstützung aktiv fördern. Gerade bei Sportlerinnen und Sportlern, deren Alltag üblicherweise vollständig durch Training und Wettkampf strukturiert ist, besteht ein erhöhtes Risiko, dass sie Schwierigkeiten mit darüber hinausgehender, selbstständiger Lebensplanung haben.

Eine besondere Rolle besitzt in diesem Zusammenhang die sportpsychologische Unterstützung, im besten Fall bereits im Jugendalter. Dort werden Grundlagen gelegt, damit die Persönlichkeit im und außerhalb des Sports gestärkt wird. Bislang sind Angebote jedoch nicht flächendeckend, sondern beschränken sich auf einzelne Initiativen (z. B. mentaltalent in NRW) und auf bestimmt Sportarten (z. B. die Fußball-Nachwuchsleistungszentren).

Fazit für die Trainingspraxis: Trainerinnen und Trainer sollten die Post-Olympia-Depression ihrer Schützlinge als mögliches Risiko nach Wettkampfhöhepunkten ernst nehmen. Durch frühzeitige Planung, klare Zielperspektiven und die Einbindung sportpsychologischer Angebote können sie dazu beitragen, dass Athletinnen und Athleten Übergangsphasen stabil und gesund bewältigen. Prävention, Identitätsarbeit und realistische Zukunftsplanung sind dabei zentrale Bausteine.

Wenn Athletinnen und Athleten jedoch bereits von einem solchen Blues betroffen sind, bietet die Initiative MENTAL GESTÄRKT eine wichtige Anlaufstelle, die bei Bedarf an psychotherapeutische oder psychiatrische Fachstellen vermittelt. Sich Hilfe zu holen ist ein wichtiger Schritt – auch im Leistungssport.

Links:

MentalGestärkt
Instagram
Newsletter MentalGestärkt 

mentaltalent

Quellen:

Diment, G. & Küttel, A. (2023). What is this thing called ‘Post-Olympic Blues’? An Exploratory Study Among Danish Olympic Athletes. Scandinavian Journal of Sport and Exercise Psychology, 5, 21–30. doi: 10.7146/sjsep.v5i.134527