Landessportbünde

LSVBW: Spitzensport Symposium – Forschung für den Traineralltag

April 2026

Als Schnittstelle zwischen Forschung und Praxis bot das Spitzensport Symposium am 27. und 28. März vielfältiges Wissen zu alltäglichen Fragen des Leistungssports. Neben internationalen Forschern aus Kanada, Dänemark und der Schweiz kamen dafür auch die Mannschaftsärzte von VfB Stuttgart und TSG 1899 Hoffenheim nach Stuttgart.

Im traditionsreichen Ambiente des Kleinen Kursaals in Stuttgart Bad Cannstatt traf am vergangenen Wochenende historische Kulisse auf neueste Wissenschaft. Von Relativem Energie Defizit war die Rede, Hitzemanagement und Return to Sports. Der Rahmen der verschiedenen Themen: Das erste Spitzensport Symposium Baden-Württembergs, das zum Austausch über die weltweite Sportforschung lud.

„Um im Leistungs- und Spitzensport nachhaltig erfolgreich zu sein ist es für Trainerinnen und Trainer sowie das betreuende medizinische Personal entscheidend, ein breites und wissenschaftlich fundiertes Wissen zu besitzen. Das Symposium beleuchtet deshalb gezielt unterschiedliche Aspekte des Leistungs- und Spitzensports, welche in der praktischen Arbeit angewendet werden können“, erklärt LSVBW-Wissenschaftskoordinator Prof. Stefan Grau den Anlass des Symposiums.

Von links: Dr. Gaby Resmark, Prof. Katharina Hall, Dr. Christine Kopp, Prof. Johanna Kubosch und Dr. Trent Stellingwerff – Quelle: LSVBW

Auswirkungen von REDs und Hitze auf Leistung

Eines dieser Themen, das Trainern und Betreuer in ihrem Alltag mit Athletinnen und Athleten begegnet, ist das Relative Energie Defizit (REDs). In seiner Keynote erklärte Dr. Trent Stellingwerff vom Kanadischen Institut für Sport in Vancouver, dass den Symptomen von REDs eine niedrige Energieverfügbarkeit durch ein Kaloriendefizit zugrunde liegt, sodass Energie für das Training und die Regeneration fehlt. Er erläuterte die langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Sportlerinnen und Sportler sowie Präventionsmöglichkeiten. In Kombination mit der psychosomatischen Perspektive von Dr. Gaby Resmark, dem gynäkologischen Blick von Prof. Katharina Rall (beide Universitätsklinik Tübingen) und der orthopädischen Sicht von Prof. Johanna Kubosch (Universitätsklinik Freiburg) ergab sich für die Teilnehmenden ein umfassendes Bild von REDs und seinen diversen Folgen. REDs sollte daher stets interdisziplinär behandelt werden. Die Universitätsklinik Tübingen hat dafür eigens eine REDs-Ambulanz eingerichtet, deren Aufbau Dr. Christine Kopp und Dr. Daniel Haigis vorstellten.

Ebenso wichtig für die Gesundheit der Sportlerinnen und Sportler ist das Thema Hitze. Diese hat aufgrund des Klimawandels und in Hinblick auf die Olympischen Spiele in Los Angeles 2028 an Bedeutung gewonnen. Prof. Carsten Lundby (Universität Süd-Dänemark) und Dr. Lee Taylor (Loughborough Universität Vereintes Königreich) veranschaulichten die Auswirkungen von Wärmetraining sowie erfolgreiche Wärmeakklimatisierung auf die Leistungen von Athletinnen und Athleten. Prof. Juliane Heydenreich von der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig gab zudem Tipps zu Möglichkeiten des Hitzemanagements im Training und Wettkampf.

Nachhaltigkeit im Nachwuchssport und bei Verletzungen

Im Themenblock „Verletzungen und Return to Sport“ stand ebenfalls das Training im Fokus. Stefan Grau präsentierte zwei Studien mit Läuferinnen und Läufern des Göteborg Halbmarathons, die die positiven Effekte von Kraftübungen und Faszientraining auf die Vorbeugung von Laufverletzungen belegen. Einen Blick auf die Prävention im Profifußball warf Prof. Yannic Bangert, Teamarzt der TSG 1899 Hoffenheim. Passiert trotzdem eine Verletzung, steht schnell die Frage nach dem Comeback im Raum. Die fünf „Return to“-Schritte auf diesem Weg – Activity, Sports, Play, Competition und Performance – erklärte Prof. Raymond Best, Mannschaftsarzt beim VfB Stuttgart. Dabei betonte er nachdrücklich die große Rolle der sogenannten psychologischen Einsatzbereitschaft bei der Rückkehr.

Ein anderer Schwerpunkt des Symposiums beschäftigte sich mit dem nachhaltigen Nachwuchsleistungssport. Welche unterstützenden Faktoren und Barrieren es für einen erfolgreichen nachhaltigen Nachwuchsleistungssport für Athletinnen und Athleten, ihr Umfeld und die Organisation des Sports gibt, berichtete Prof. Astrid Schubring (Deutsche Sporthochschule Köln). Auf dem Podium diskutierten anschließend LSVBW-Geschäftsführer Ulrich Derad und Tim Lamsfuß, Leiter des Olympiastützpunkt Stuttgart, mit Stefan Grau über die Rahmenbedingungen des Nachwuchsleistungssport in Baden-Württemberg. Ulrich Derad betonte, dass der Sport in Baden-Württemberg mit dem neuen Solidarpakt gut aufgestellt sei. Nun müsse die sportartenübergreifende Talententwicklung angegangen werden, um Kinder, die Spaß am Sport haben, auch eine gute Erfahrung anzubieten. „Wir müssen Mittel in die Menschen im Sport investieren. Das Spitzensport Symposium ist ein Ergebnis dessen: Wir bringen Trainer zusammen, bilden sie fort und schaffen Diskussionen über die wichtigen Themen“, so Ulrich Derad zum Publikum. Letztlich funktioniere die Weiterentwicklung nur gemeinsam mit allen Beteiligten, darin sind sich Tim Lamsfuß und Ulrich Derad einig.

Wissenstransfer in die Praxis gelungen

In den weiteren Keynotes des Symposiums stellte Dr. Natalie Barker-Ruchti von Swiss Olympic den Schweizer Ethikkompass mit einem „Universum des wertvollen Sports“ vor. Prof. Patrick Wahl (Deutsche Sporthochschule Köln) präsentierte außerdem vier strategische Anwendungsfelder von Künstlicher Intelligenz (KI) im Spitzensport, um neue Möglichkeiten der Analyse und Individualisierung zu nutzen.

Doch auch die praktische Anwendung kam nicht zu kurz: Am Ende der beiden Tage gab es vertiefende Workshops zu REDs, KI, Ethik und nachhaltigem Nachwuchsleistungssport. Anhand von Fallbeispielen bearbeiteten die Teilnehmenden die Themen und konnten im direkten Austausch mit den Referenten letzte Fragen klären. „Uns ist es gelungen, dass wissenschaftliche Know-how der verschiedenen Disziplinen in die Praxis zu transferieren und Ärzte, Trainer, Wissenschaftler und Physiotherapeuten in den Austausch zu bringen. Damit haben wir das Ziel der Veranstaltung erreicht“, zog Stefan Grau ein zufriedenes Fazit.

Hintergrund

Das Spitzensport Symposium transferiert als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis wissenschaftliche Erkenntnisse aus unterschiedlichen Disziplinen und Sportarten in die praktische Anwendung und macht sie für den Spitzensport verständlich zugänglich. Es wird von der Abteilung Sportmedizin des Universitätsklinikums Tübingen in Zusammenarbeit mit dem Landessportverband Baden-Württemberg und dem Olympiastützpunkt in Stuttgart veranstaltet.

Quelle: www.lsvbw.de