Sport-Informations-Dienst (SID)

Olympia-Boom? Eishockey-Frauen hoffen auf „Leuchtturmspiele“

April 2026

Köln (SID) Bei Olympia sahen den deutschen Eishockeyspielerinnen Millionen zu. Wie lässt sich diese Aufmerksamkeit in den Alltag hinüberretten?

Die Rückkehr in den Alltag war ernüchternd. Noch nicht einmal 50 Fans wollten das erste Spiel der Nationalmannschaftskapitänin Daria Gleißner und ihrer Memminger Indians nach Olympia in Mannheim sehen. Dabei hatten doch vorher noch Millionen vor den Fernsehern gesessen, als die deutschen Eishockeyfrauen in Mailand ins Viertelfinale vorgestoßen waren.

Quelle: AFP

„Die Leute haben ja nicht eingeschaltet, um ausschließlich Frauen-Eishockey zu gucken“, sagt die ehemalige Nationalspielerin Ronja Jenike im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID), „sie wollten Olympia sehen, aber sie sind halt da geblieben, sie sind nicht weggegangen. Das ist die Message, die wir nutzen müssen.“ Sogar mehr als vier Millionen Sportinteressierte sahen beim Vorrundenspiel gegen Frankreich zu, als die ARD zwischen Skispringen und Rodeln immer wieder zum Eishockey schaltete. 

Wie sich diese große Aufmerksamkeit bei der ersten Olympiateilnahme seit zwölf Jahren in den Liga-Alltag hinüberretten lässt, ist eine der Aufgaben der 36-Jährigen. Sie ist seit September 2024 Leistungssportreferentin für die Frauen im Deutschen Eishockey-Bund (DEB) und war bei den Winterspielen als ZDF-Expertin vor Ort. Dort hat sie festgestellt: „Die Mädels waren total begeistert, dass sie stattfinden dürfen, dass wirklich gefragt ist, was sie da tun.“ 

Das sei „ein Riesenmehrwert für uns“. Doch bei den letzten Hauptrundenspielen nach der Rückkehr aus Italien war zunächst nichts davon zu spüren. Zweistellige Besucherzahlen in Mannheim und Budapest – so wenig wie vorher. Als die Playoffs begannen, kamen mehr, zumindest in Memmingen, wo Gleißner mit der halben Nationalmannschaft spielt, und in Berlin im altehrwürdigen Wellblechpalast, im ersten Finale sogar knapp 500.

Im dritten und entscheidenden Endspiel am vergangenen Samstag in Memmingen waren dann Olympia-Nachwehen spürbar: 2679 Fans füllten die Eishalle am Hühnerberg, nur 122 fehlten zum Ligarekord, den die Eisbären Berlin im November 2023 in der Uber Arena des Männerteams aufgestellt hatten. Mehr wäre möglich, glaubt Jenike, wenn sich die Klubs aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) verstärkt engagieren würden.

Denn beim gemeinsamen Deutschland Cup in Landshut in den vergangenen Jahren schauten mehr als 3000 Fans Gleißner und Co. zu. Auch im April spielen die Frauen in Kaufbeuren und Augsburg jeweils vor den WM-Tests der Männer. „Wir müssen diese Leuchtturmspiele auf den Ligaspielbetrieb ausweiten, damit wir die Aufmerksamkeit, die wir bekommen haben, hochhalten“, sagt Jenike und schlägt vor, das Ligaspiel Berlin gegen Ingolstadt sollte vor dem gleichen Duell der Männer in der DEL-Arena ausgetragen werden. Auch gemeinsame Medientage oder die Nutzung der DEL-Infrastruktur würden helfen – und wenig kosten.

Bislang haben nur die Eisbären Berlin und der ERC Ingolstadt Frauen-Erstligisten, sie sind aber dem Stammverein und nicht der DEL-GmbH angegliedert. In Mannheim haben die Mad Dogs als selbständiger Klub noch nicht mal eine eigene Kabine in der Arena der Adler. Memmingen, zum siebten Mal in den vergangenen elf Jahren Meister, hat den Standortvorteil der Nähe zur DEB- und Bundeswehrlehrgangsstätte Füssen – und damit den besten Zugriff auf die Sportsoldatinnen, die einen Großteil der Nationalmannschaft ausmachen. 

Neben den vier deutschen Vereinen füllt HK Budapest die Liga auf, nachdem der Rekordmeister ESC Planegg und die Bergkamener Bären in den letzten Jahren ausgestiegen sind. Im Vergleich zu Schweden oder der Schweiz ist die DFEL klein, aber Jenike meint: „So schlecht kann die Qualität nicht sein.“ Immerhin spielt der Großteil des DEB-Teams und der U18-Juniorinnen, die im Januar bei der WM in die Top Division aufgestiegen sind, hier.