Sport-Informations-Dienst (SID)

Florian Lipowitz vor Tour-Rückkehr: Mit neuer Reife nach Paris

Juni 2026

Berlin (SID) Florian Lipowitz trägt die deutschen Hoffnungen bei der Tour de France. Von der großen Erwartungshaltung will sich der Vorjahresdritte nicht treiben lassen.

Mit der Ruhe ist es für Florian Lipowitz vorerst vorbei. Der Countdown zur Tour de France läuft, und der deutsche Radsport-Star steckt längst in der finalen Vorbereitung. In knapp vier Wochen wird mit dem Grand Départ in Barcelona die Jagd nach dem Gelben Trikot eröffnet – mit Lipowitz im erweiterten Favoritenkreis. 

Quelle: AFP

Ein Jahr nach seinem Traumdebüt und der Fahrt aufs Podium in Paris startet der 25-Jährige unter veränderten Vorzeichen in die 113. Frankreich-Rundfahrt (4. bis 26. Juli). Bei seiner zweiten Tour-Teilnahme hat Lipowitz plötzlich etwas zu verlieren. Ein Underdog wie 2025 ist er nicht mehr, die Erwartungshaltung insbesondere in Deutschland ist enorm gestiegen.

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Lipowitz weiß das – und fühlt sich der Situation gewachsen. „Ich glaube, dass ich als Fahrer dieses Jahr reifer bin und besser mit dem Druck umgehen kann“, sagte Lipowitz dem SID aus dem Höhentrainingslager in der spanischen Sierra Nevada. Der Shootingstar des Teams Red Bull-Bora-hansgrohe tritt mit gewachsenem Selbstvertrauen auf, auf und neben dem Rad. Treu bleibt er sich trotzdem, auf großspurige Töne und Kampfansagen verzichtet Lipowitz weiterhin.

Er sei im Vorjahr ohne große Erwartungen in die Tour gegangen. „Das versuche ich dieses Jahr genauso“, sagte Lipowitz: „Ich will mich einfach gut vorbereiten und nach der Tour sagen können, dass ich mein Bestes gegeben habe. Was am Ende dabei herauskommt, wird sich zeigen.“

Ob es beim Tour-Finale in knapp zwei Monaten wieder für einen Podestplatz reicht, hängt auch von der Konkurrenz ab. Lipowitz hat ein starkes Frühjahr hinter sich, bei drei einwöchigen Rundfahrten erzielte er ein Top-3-Ergebnis. Zur Wahrheit gehört aber auch: Gewonnen hat der Deutsche keine.

„Wenn man die Rennen dieses Jahr anschaut, gibt es drei Fahrer, die definitiv besser waren“, räumte Lipowitz ein. Jedem der drei Hauptrivalen Tadej Pogacar (Tour de Romandie), Jonas Vingegaard (Katalonien-Rundfahrt) und Paul Seixas (Baskenland-Rundfahrt) musste er sich geschlagen geben.

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Vielversprechend war dabei aber der zu erkennende Formanstieg. In der Schweiz bot Lipowitz Anfang Mai Tour-Titelverteidiger Pogacar Paroli, wagte sogar Attacken auf den Weltmeister. Den Scheitelpunkt der Formkurve will Lipowitz, der als Vorbereitung noch die Slowenien-Rundfahrt (ab 17. Juni) bestreitet, in der harten Tour-Schlusswoche erreichen. Dann wartet unter anderem der spektakuläre Doppelpack in Alpe d’Huez. „Die Tour wird in der dritten Woche entschieden“, sagte Lipowitz: „Ich hoffe, dass wir bis dahin gut durchkommen und dann noch die nötige Kraft haben.“

Als Helfer könnte ihm dann Remco Evenepoel zur Seite stehen. Der belgische Doppel-Olympiasieger bildet beim Red-Bull-Team eine Doppelspitze mit Lipowitz. Einen Interessenskonflikt fürchtet dieser nicht. „Wenn ich mir die Strecke anschaue, können wir uns gut ergänzen. Wir sind unterschiedliche Fahrertypen“, sagte Lipowitz: „Die ersten Tage und Etappen liegen Remco, da wird der Fokus sicher mehr auf ihm liegen. Für mich wird eher die letzte Woche interessant mit den harten Etappen und langen Anstiegen.“