Landessportbünde

Gegenseitige Anerkennung der Präventionsarbeit – Kirche und Sport bringen gemeinsam Erleichterungen für das Ehrenamt voran

Juni 2026

Der Landessportverband Baden-Württemberg und die drei Sportbünde in Baden-Württemberg sowie die beiden großen Kirchen im Land haben im Mai bei einem Spitzentreffen in Stuttgart die wechselseitige Anerkennung der Qualifizierung zur Prävention sexualisierter/ interpersoneller Gewalt vereinbart.

Eine Kooperationsvereinbarung zwischen Kirche und Sport setzt beim vorbeugenden Vorgehen gegen sexualisierte/interpersonelle Gewalt künftig auf gemeinsam festgelegte Standards und entlastet die Ehrenamtlichen, die oft sowohl im Sport als auch in der Kirche engagiert sind: Sie benötigen für die Anerkennung nur noch eine Präventionsschulung. Die Vereinbarung, die im Mai beim 3. Spitzentreffen von Kirche und Sport in Stuttgart unterzeichnet wurde, hält in einer Checkliste die Mindestanforderungen für die wechselseitige Anerkennung von Schulungen fest.

Die Spitzenvertreter von Kirche und Sport nach der Vertragsunterzeichnung in Stuttgart: (v. l. n. r.) Gert Rudolph, Ernst-Wilhelm Gohl, Stephan Burger, Jürgen Scholz, Prof. Dr. Heike Springhart, Andreas Felchle, Dr. Klaus Krämer, Gundolf Fleischer. Copyright: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Jerabek

Zu den verpflichtenden Inhalten zählen neben Sachinformationen zu Formen und Ausmaß von sexualisierter Gewalt sowie über Täterstrategien und Risikofaktoren insbesondere Verhaltensregeln und eine „Sensibilisierung für eine Kultur des Miteinanders“ mit Übungen zu Nähe/Distanz. Außerdem müssen die Schulungen über Handlungsmöglichkeiten bei Vermutungen sowie Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten informieren. Die Vertragspartner können für ihren Regelungsbereich über den Mindeststandard hinaus weitergehende Anforderungen an ihre haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden stellen.

Auf Seiten des Sports unterzeichneten der Präsident des Landessportverbandes Baden-Württemberg Jürgen Scholz, der Präsident des Badischen Sportbundes Freiburg Gundolf Fleischer, der Präsident des Badischen Sportbundes Nord Gert Rudolph sowie Andreas Felchle, Präsident des Württembergischen Landessportbundes, die Vereinbarung. Die Unterschriften für die Kirchen setzten für die Evangelische Landeskirche Baden Landesbischöfin Prof. Dr. Heike Springhart, für die Diözese Rottenburg-Stuttgart Bischof Dr. Klaus Krämer, Ernst-Wilhelm Gohl, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg sowie der Erzbischof der Erzdiözese Freiburg Stephan Burger.

Ehrenamt stärken, Bürokratie abbauen

Kurz vor Beginn der neuen Wahlperiode des Landtages von Baden-Württemberg stellte LSVBW-Präsident Jürgen Scholz fest: „Die evangelischen und katholischen Landeskirchen in Baden und Württemberg zusammen mit dem organisierten Sport im Land gehen mit der Unterzeichnung ihrer Kooperationsvereinbarung mit gutem Beispiel voran. Durch die gegenseitige Anerkennung der Qualifizierung ihrer Präventionsmaßnahmen stärken sie das ehrenamtliche Engagement in Kirchengemeinden und Sportvereinen vor Ort. Und verhindern dabei bürokratischen und zeitlichen Doppelaufwand der Engagierten.“

Der Gastgeber des Spitzentreffens von Kirche und Sport, Bischof Dr. Klaus Krämer, unterstrich die Bedeutung von Kirche und organisiertem Sport als „tragende Kräfte unserer Zivilgesellschaft“. Nachdem die Kirche die verbindende Kraft des Sports lange unterschätzt habe, „nehme ich mit großem Respekt wahr, wie kontinuierlich und verbindlich der Dialog zwischen Kirche und Sport gewachsen ist“, sagte er im Haus „Stella Maris“, dem Stuttgarter Dienstsitz des Bischofs.

Gemeinsam mit starker Stimme

Seit 2019 pflegen Sportpräsidenten und Bischöfe ökumenische Spitzentreffen. Stark im Fokus steht, was Kirche und Sport für das gesellschaftliche Miteinander leisten können. Entstanden ist daraus unter anderem die Kampagne „gemeinsam-zeichen-setzen.de“.

Die erarbeiteten Positionen zum Abbau von Bürokratie im Bereich des Ehrenamtes wurden bereits in einem persönlichen Gespräch an den Vorsitzenden des Normenkontrollrats Baden- Württemberg, Dieter Salomon, sowie in einem Brief an die politisch Verantwortlichen im Land herangetragen.

Die Vertreter von Kirche und Sport waren sich beim Treffen in Stuttgart einig: Als zentrale gesellschaftliche Akteure im Land wollen sie den eingeschlagenen Weg der Stärkung und Würdigung des ehrenamtlichen Engagements gemeinsam weiter gehen. Ein wesentlicher Schritt ist dabei nach wie vor der Bürokratieabbau, bei dem sie auch die neue Landesregierung auf Basis des neuen Koalitionsvertrags in die Pflicht nehmen.

Quelle: lsvbw.de