Götzis (SID) Zehnkampf-Weltmeister Leo Neugebauer (Stuttgart) hat einen starken Saisonstart hingelegt. Der deutsche Rekordhalter sammelte beim traditionellen Mehrkampf-Meeting in Götzis/Österreich 8730 Punkte und musste sich nur dem Schweizer Simon Ehammer (8778) geschlagen geben.

Neugebauer legte bei seinem Auftritt einen super ersten Tag hin. Am Sonntag verhinderten aber besonders für ihn schwache 50,77 m mit dem Diskus und lediglich 58,46 im Speerwurf eine bessere Punktzahl. Dennoch war es der fünftbeste Zehnkampf in der Karriere des 25 Jahre alten Olympia-Zweiten von Paris, für die Europameisterschaft in Birmingham (10. bis 16. August) gilt Neugebauer als Topfavorit.
Im Vorjahr war Neugebauer in Götzis mit 8555 Punkten und Platz fünf in die Saison gestartet, am Ende krönte sich der Strahlemann der deutschen Leichtathletik in Tokio zum König der Athleten (8804 Punkte). Seine Bestleistung liegt bei 8961 Zählern. Der ehemalige Welt- und Europameister Niklas Kaul (Mainz) landete hinter Neugebauer auf Rang drei (8528). Top-Talent Amadeus Gräber (8345/Frankfurt) wurde Neunter.
Neugebauer strotzte im legendären Möslestadion vor Tatendrang. „Ich habe einfach nur Bock, zu competen“, hatte der Zehnkampf-Weltmeister vor seinem Saisondebüt im „Mehrkampf-Mekka“ dem SWR gesagt. Das „ganze Training“ in der Vorbereitung sei schließlich „dazu da, dass man bei einem Wettkampf viel Spaß hat. Ich mache mein Ding und habe Spaß.“
Und Spaß hatte Neugebauer zuletzt ja immer reichlich bei seinen Auftritten. Zwei deutsche Rekorde, Olympia-Silber, der WM-Titel in Tokio – der 25-Jährige ist der Strahlemann der deutschen Leichtathletik. Und natürlich zählt Neugebauer in diesem Jahr auch zu den heißesten Anwärtern auf Gold bei der Europameisterschaft im Sommer (10. bis 16. August).

Und Götzis war auf seinem Weg eine wichtige Standortbestimmung. Was läuft schon gut? An welchen Schwächen muss vor der EM in Birmingham noch gearbeitet werden? Neugebauer erhielt bei seinem ersten Zehnkampf nach Tokio im beschaulichen Vorarlberg wichtige Antworten, genauso wie der ehemalige Welt- und Europameister Niklas Kaul. „Es sind noch nicht alle Disziplinen so, dass ich sagen könnte, ich kann auf Bestleistungskurs performen“, sagte der Mainzer: „Deswegen will ich einfach locker in den Zehnkampf gehen und Spaß haben“.
Auf dem Papier sind Hallen-Weltrekordler Simon Ehammer aus der Schweiz und Kanadas Tokio-Olympiasieger Damian Warner – einer von nur vier Athleten in der Geschichte mit mehr als 9000 Punkten – die größten Konkurrenten für das deutsche Top-Duo.
Neugebauer, der nach seinem College-Abschluss nach wie vor in Austin (USA) lebt und trainiert, hofft, dass er bald als Nummer fünf in diesen erlauchten Kreis aufsteigt. „Irgendwann fallen die noch“, ist er sich sicher: „Ob es dieses Jahr, nächstes Jahr oder Olympia ist – irgendwann kommen die noch.“