Sport-Informations-Dienst (SID)

Nach Hamburger Olympia-Knall: Trio wittert neue Chancen

Juni 2026

Hamburg (SID) Nach dem Scheitern von Hamburgs Olympia-Plänen ist aus dem deutschen Vier- ein Dreikampf geworden.

Am Tag nach dem Hamburger Olympia-Knall witterten Deutschlands neue Favoriten ihre plötzlich gestiegenen Chancen. Aus dem Quartett war über Nacht ein Bewerber-Trio geworden – jetzt beginnt die heiße Phase bis zum Tag der Entscheidung. Die Aussichten der Kampagne Münchens sind zwangsläufig besser geworden. Gleiches gilt für die Bewerbungen Berlins und von Köln/Rhein-Ruhr.

Als „schade, aber auch ehrlich“ bezeichnete die für Sport zuständige Staatsministerin der Bundesregierung, Christiane Schenderlein (CDU), das Ergebnis in der Hansestadt. Trotz des Ausgangs des Referendums lebe „der Traum“ von den Olympischen und Paralympischen Spielen in Deutschland weiter. Es gelte nun, im weiteren Prozess „das Konzept mit den größten Erfolgschancen“ zu finden, fügte sie hinzu.

Bis zum 04. Juni müssen die Konzepte nun digital beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) eingereicht werden. Auf der Mitgliederversammlung des Dachverbands am 26. September wird schließlich der nationale Vertreter gekürt, der beim IOC ins internationale Rennen geht. „Wir müssen uns ab dem 4. Juni genau anschauen: Was sind die Angebote, die uns gemacht werden“, sagte der DOSB-Vorstandsvorsitzende Otto Fricke dem NDR.

Während im Hamburger Rathaus am 01. Juni im edlen Ambiente des Kaisersaals (Bürgermeister Peter Tschentscher: „Wir bleiben mit und ohne Olympia die schönste Stadt der Welt.“) die Scherben aufgekehrt wurden, versuchte man beim DOSB Ruhe auszustrahlen. Präsident Thomas Weikert wertete das Hamburger Ergebnis jedenfalls nicht als Rückschritt: Es ändere „nichts an der Tatsache, dass die Menschen bundesweit mehrheitlich für Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland sind“.

Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause bedauerte offiziell zwar das klare „Nein“ als Ergebnis der Bürgerbefragung im Norden, insgeheim dürfte sich der Grünen-Politiker aber ins Fäustchen gelacht haben. „Gerade bei einer Olympiabewerbung ist entscheidend, dass sie von den Bürgern mitgetragen wird“, betonte Krause auf SID-Anfrage – ein Satz, der getrost auch als Spitze gegenüber den Mitbewerbern interpretiert werden kann. Denn München habe ja „mit seinem Bürgerentscheid“ gezeigt, „wie wichtig diese breite Legitimation ist“. Im Gegensatz zu Hamburg hatten Münchens Bürgerinnen und Bürger wie auch in Nordrhein-Westfalen mit einem klaren „Ja“ votiert, in Berlin wurden die Menschen erst gar nicht gefragt.

Der nächste wichtige Stichtag steht nun am Donnerstag bevor. Bis 23.59 Uhr müssen die verbliebenen drei Bewerber ihre finalen Konzepte vorlegen, die dann von einer Evaluierungskommission mit Vertretern aus organisiertem Sport und Politik – letztere vertreten durch Sportministerin Schenderlein – bewertet werden. Dieses Gremium soll den DOSB-Delegierten vor der entscheidenden Mitgliederversammlung Ende September in Baden-Baden eine Empfehlung an die Hand geben. Dass diese Empfehlung nun nicht mehr Hamburg heißen kann, wurde beim DOSB halbwegs gelassen hingenommen. 

So verwies der frühere Bundestagsabgeordnete Fricke (60), der in Hamburg laut Umfragen ein „Zustimmungspotenzial von 60 Prozent“ erwartet hatte, auf die Bilanz von „19 positiven Ergebnissen“ bei Referenden (17 NRW-Kommunen plus Kiel sowie München) gegenüber diesem einen negativen Votum. Das Nein aus Hamburg sei Teil des demokratischen Prozesses, die Aussichten auf den Zuschlag durch das IOC für 2036, 2040 oder 2044 sieht Fricke als „recht gut an“.

Die Unterstützung der Bevölkerung ist bei der Entscheidung ein wichtiger Faktor – neben einigen anderen wie internationale Strahlkraft oder Infrastruktur. Bei der öffentlichen Rückendeckung schlägt das Pendel klar Richtung München und NRW, die ihre Referenden jeweils mit Zwei-Drittel-Mehrheiten gewannen.

Berlin führt zwar keine Bürgerbefragung durch, laut aktuellen Daten befürwortet die Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner aber eine Bewerbung der Hauptstadt um Olympische und Paralympische Spiele. Das geht aus der zweiten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts dimap im Auftrag des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hervor, deren Ergebnisse am 03. Juni bekannt wurden. Zwar wuchs das Lager der Olympia-Gegner, doch insgesamt 56 Prozent der Befragten befürworten weiterhin eine Austragung der Spiele in Berlin.

Kaweh Niroomand, Olympiabeauftragter des Landes Berlin, sprach von einem „starken Ergebnis“. Es zeige, „dass die Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner die Chancen einer Olympiabewerbung erkennt. Besonders freut mich, dass die Unterstützung parteiübergreifend hoch ist.“