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„Tourcelona“ strahlt wie 1992 – und setzt Maßstäbe für Deutschland – Spektakel von Tag eins an: Der Etappen-Guide der Tour de France

Juli 2026

Barcelona (SID, 06.07.2026) Barcelona feierte bei der Tour ein prächtiges Radsport-Fest. Eine deutsche Bewerbung für den Grand Départ muss sich daran messen lassen.

Quelle: AFP

Tadej Pogacar in Popstar-Pose vor der Sagrada Familia, Florian Lipowitz im Tiefflug auf Barcelonas Küstenallee, Jonas Vingegaard als strahlender Gelb-Held am berühmten Montjuic – und die ganze Stadt proppevoll von Fanmassen. Der Grand Départ der Tour de France lieferte exakt die prächtigen Bilder, welche die Herrscher über die Frankreich-Rundfahrt erhofft hatten. Und die sie auch von künftigen Auftakt-Gastgebern einfordern. Die Macher einer deutschen Bewerbung für den Tour-Start 2029 sollten beim Vorbild Barcelona ganz genau hingeschaut haben.

„Wir sind begeistert und überglücklich“, sagte Bürgermeister Jaume Collboni ach dem Schlussakt in Barcelona: „Das war unser größten Sportereignis seit Olympia 1992.“ Die Sport-Postille El Mundo Deportivo hob „Tourcelona“ gar auf eine Stufe mit dem Sommermärchen vor 34 Jahren: „Diese stets pulsierende Stadt hat geglänzt wie damals.“ Und im Hinterkopf meinte man Montserrat Caballé und Freddie Mercury ihr „Barcelona“ schmettern zu hören. 

Seit der Teampräsentation trahlte die Stadt als Dauerwerbesendung in die Welt, Ramblas hier, Mittelmeer da, Picasso dort, Miro daneben. Eine schiere Gaudí-Gaudi, Barcelona überall. Zehn Millionen Lizenz-Euro soll die Stadt an die Tour-Organisationen gezahlt haben, und auch wenn der wirklich Unkosten-Betrag deutlich höher gelegen haben sollte, übersteigen ihn die Folgeeinnahmen bei weitem: Barcelonas Stadtrat rechnet mit einem Erlös von über 120 Millionen Euro.

Der Grand Départ als Marketing-Maßnahme ist unübertroffen, das erlebten auch Bilbao (2023) oder Florenz (2025), selbst das im Regen versunkene Düsseldorf (2017) zog dereinst ein positives Fazit: Von einer „großen Sympathiewerbung“ sprach der damalige Oberbürgermeister Thomas Geisel.

2027 startet die Tour in Edinburgh, Liverpool und Cardiff. Nach der Champagne 2028 ist 2029 wieder ein Auslandsauftakt vorgesehen – und diesen will Deutschlands ausrichten. 42 Jahre nach dem Grand Départ im Westen des geteilten Berlins könnte die Hauptstadt wieder Schauplatz werden. Wie sehr der Schwerpunkt auf Berlin liegt, ist die entscheidende Frage.

„Die Bewerbung ist eingereicht“, sagte Rudolf Scharping, früherer Bundesminister und Ex-Chef des deutschen Radsport-Verbandes, damals BDR, in Barcelona der ARD. Es gehe dabei um Berlin, aber „auch um Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Eine Riesenchance, um die Geschichte der Freiheit und den Fall der Mauer zu erzählen.“

Quelle: AFP

Es ist kein Geheimnis, dass die Tour-Macher der französischen A.S.O. mit Boss Christian Prudhomme diese Geschichte vornehmlich an Berlin erzählt wissen wollen – Deutschlands Welt(geschichts)-Metropole im Mittelpunkt eines knackigen Wochenendes, so wie jetzt Barcelona. Doch wie viel Platz darf und kann da für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bleiben? Zumal in Prag und der Pogacar-Heimat Slowenien attraktive Konkurrenten mitbieten?

„Die Strahlkraft hat Berlin, das weiß die A.S.O. ganz genau“, sagte Radsport-Manager Jörg Werner im ARD-Podcast Tourfunk: „Die haben total Bock auf Berlin.“ Für Thomas Hofmann vom Verein Grand Départ Allemagne, gleichsam Sachsens Rad-Präsident, ist indes die „3+1“-Lösung unverhandelbar: „Berlin wird dabei sein. Aber wir werden natürlich nicht von der ursprünglichen Idee abgehen, die drei Etappen hier in Ostdeutschland in den drei Bundesländern durchzuführen.“

Es ist das Kernproblem: Eine Bewerbung mit dem Zentrum Berlin – einem potenziellen „Tourlin“ wie „Tourcelona“ – besitzt die besten Erfolgsaussichten. Die Idee, den ganzen Südosten mitzunehmen, ist zwar nachvollziehbar, der A.S.O. aber womöglich zu unsexy. Und wie eine gut gemeinte Bewerbung in Provinzialität ertrinken kann, weiß Sportdeutschland seit der grandios gescheiterten Olympia-Bewerbung Leipzig 2012.

Spektakel von Tag eins an: Der Etappen-Guide der Tour de France

5. Etappe (Mittwoch, 8. Juli): Lannemezan – Pau (158,3 km)

Endlich die erste große Chance für die Sprinter, die sich schon dutzende Male im Tour-Traditionsort Pau gemessen haben. Bis auf eine Bergwertung der 3. Kategorie rund 25 km vor dem Ziel fehlen am Rande der Pyrenäen die nennenswerten Schwierigkeiten.

6. Etappe (Donnerstag, 9. Juli): Pau – Gavarnie-Gèdre (186,2 km)

Die einzige klassische Pyrenäen-Etappe führt über die mythischen Tour-Denkmäler Col d’Aspin und Col du Tourmalet und endet mit einer Neuheit: Der lange, aber nicht schwierige Schlussanstieg nach Gavarnie-Gèdre steht erstmals auf dem Programm.

7. Etappe (Freitag, 10. Juli): Hagetmau – Bordeaux (175,1 km)

Bordeaux ist eine klassische Sprinterstadt der Tour. Angesichts des unschwierigen Tagesprogramms ist in der Gironde erneut ein Massensprint wahrscheinlich.

8. Etappe (Samstag, 11. Juli): Périgueux – Bergerac (180,4 km)

Etwas hügeliger als die Etappe des Vortags, dennoch wohl eine Sache für die Sprinter. Die Favoriten können in der Dordogne erneut Kräfte sparen.

9. Etappe (Sonntag, 12. Juli): Malemort – Ussel (185,5 km)

Vor dem ersten Ruhetag wartet harte Arbeit. Viele mittelschwere und kleine Anstiege bieten Ausreißern in der Auvergne Perspektiven, die Favoritenteams müssen auf der Hut sein.

1. Ruhetag im Département Cantal (Montag, 13. Juli)

10. Etappe (Dienstag, 14. Juli): Aurillac – Le Lioran (166,6 km)

Eine gewohnt spektakuläre Nationalfeiertags-Etappe. Alleine in der zweiten Rennhälfte haben die Organisatoren sechs Bergwertungen eingebaut, unter anderem wartet der Puy Mary (1589 m) auf dem Weg nach Le Lioran, wo zuletzt Tadej Pogacar 2024 siegte.

11. Etappe (Mittwoch, 15. Juli): Vichy – Nevers (161,3 km)

In der strukturschwachen und weitgehend flachen Mitte Frankreichs sollten wieder die Sprinter die Hauptrolle spielen – die zwei kleinen Bergwertungen des Tages sind ohne großen Belang.  

12. Etappe (Donnerstag, 16. Juli): Circuit Nevers Magny-Cours – Chalon-sur-Saone (179,1 km)

Auf der früheren Formel-1-Strecke von Magny-Cours, wo die Königsklasse zuletzt 2008 zu Gast war, startet eine wahrscheinlich schnelle Etappe. Trotz drei kleiner Bergwertungen ist ein Massensprint das wahrscheinlichste Szenario. 

13. Etappe (Freitag, 17. Juli): Dole – Belfort (205,8 km)

Auf weniger als 50 km nähert sich die Tour der deutschen Grenze. Für die Fahrer beginnt der Tag gemächlich und nimmt dann nach einer 150 km langen Geduldsprobe Fahrt auf: Der Aufstieg zum Ballon d’Alsace (1. Kategorie) in den Vogesen ist fordernd, die Abfahrt danach ins Ziel aber lang.

14. Etappe (Samstag, 18. Juli): Mülhausen – Le Markstein Fellering (183 km)

Ein hammerharter Tag in den Vogesen mit drei Bergwertungen der 1. Kategorie und dem Finale am Markstein. Der letzte Anstieg zum Col du Haag ist brutal.

15. Etappe (Sonntag, 19. Juli): Champagnole – Plateau de Solaison (183,9 km)

Vor dem letzten Ruhetag geht es im Jura zur Sache. Der Schlussanstieg ist lang und findet auf einer engen Straße statt, ein gutes Terrain für Attacken der Klassementfahrer.

2. Ruhetag in der Département Haute-Savoie (Montag, 20. Juli)

16. Etappe (Dienstag, 21. Juli): Évian-les-Bains – Thonon-les-Bains (26,1 km/Einzelzeitfahren)

Die letzte Tourwoche wird am Genfer See mit einem Rennen gegen die Uhr eröffnet, das jedem etwas zu bieten hat – langer Anstieg, lange Abfahrt und schließlich eine lange Rollpassage.

17. Etappe (Mittwoch, 22. Juli): Chambery – Voiron (174,7 km)

Vor dem bergigen Tour-Finale gibt es nur eine etwas ruhigere Etappe – wobei dies mit vier Bergwertungen auf den ersten 65 km auch relativ ist. Sprinter haben am Alpenrand zumindest nichts zu melden.

18. Etappe (Donnerstag, 23. Juli): Voiron – Orcières-Merlette (185,2 km)

Die erste Bergankunft in den Alpen ist noch vergleichsweise harmlos. Die Fahrt vorbei an der Olympiastadt Grenoble könnte einen Ausreißer als Sieger haben.

19. Etappe (Freitag, 24. Juli): Gap – Alpe d’Huez (127,9 km)

Alpe d’Huez, die Erste: Die Anfahrt zum berühmtesten Anstieg der Alpen ist diesmal relativ unspektakulär und nicht allzu schwierig, hinauf geht es dann aber auf der klassischen Route über die legendären 21 Kehren.

20. Etappe (Samstag, 25. Juli): Le Bourg d’Oisans – Alpe d’Huez (170,9 km)

Alpe d’Huez, die Zweite: Die Entscheidung über den Toursieg 2026 fällt auf einer epischen Etappe mit dem Glandon, dem Col de la Croix de Fer, dem Télégraphe, dem 2642 m hohen Galibier, dem Col de Sarenne und schließlich Huez – diesmal von der „anderen“, selten befahrenen Seite. Härter war selten eine Touretappe.

21. Etappe (Sonntag, 26. Juli): Thoiry – Paris/Champs Elysees (133 km)

Happy End für den Toursieger, kein Happy End für die Sprinter: Die letzte Etappe führt traditionell nach Paris, im Finale aber wieder und wiederholt den Montmartre hinauf. Dies wird den lange Jahre obligatorischen Massenspurt verhindern.

Gesamtlänge: 3333 km