Landessportbünde

LSV Baden-Württemberg: Trainerinnen als Leistungsressource – Internationale Forschung zur Qualifizierung von Frauen für den Trainerberuf

August 2026

Frauen sind im Trainerberuf unterrepräsentiert. Das Projekt „QualiFT“, für das sich auch der Landessportverband Baden-Württemberg (LSVBW) engagiert, will hier gegensteuern. Ein Projektbaustein war Ende Juni das Trainerinnen- Symposium in Köln.

In vielen Fachverbänden sind im Spitzensport weniger als 15 Prozent der Trainerpositionen oder -ausbildungsplätze von Frauen besetzt. Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) hat dieses Geschlechtergefälle zum Anlass genommen, Fördermittel für ein auf 24 Monate angelegtes Forschungsprojekt bereitzustellen: Warum ergreifen weniger Frauen Trainertätigkeiten? Wie kann man sie dazu befähigen und ermutigen? Und welche Strukturen unterstützen langfristig dabei, attraktive Arbeitsbedingungen für Trainerinnen zu schaffen? Diesen Fragen, zusammengefasst unter dem Titel „QualiFT – Qualifizierung von Frauen für den Trainerberuf“, geht seit Ende 2024 eine siebenköpfige Arbeitsgruppe an der Deutschen Sporthochschule Köln auf den Grund.

Prof. Dr. Karen Petry, Prof Dr. Astrid Schubring und Moderatorin Julia Kleine (v. l. n. r.) beim Symposium. Foto: wolterfoto

Mit Projektleiterin Prof. Dr. Astrid Schubring, Leiterin der Abteilung für Sportsoziologie, Dr. Karen Petry, Professorin am Institut für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung, sowie der Schweizerin Dr. Natalie Barker-Ruchti, Associate Professorin an der Universität Örebro (Schweden) und Fachspezialistin Ethik bei Swiss Olympic, erhielten drei renommierte Wissenschaftlerinnen den Zuschlag für das BISp-Projekt. Sie werden unterstützt von einer Projektmitarbeiterin sowie drei studentischen Mitarbeiterinnen.

„Im Sport hat sich auf Ebene der Mitglieder sowie Athletinnen und Athleten schon sehr viel getan, zum Beispiel wenn wir uns die Teilnehmenden an Olympischen Spielen anschauen. Das muss sich auch auf den Führungsebenen abbilden“, sagt Astrid Schubring und führt dafür gleich mehrere Gründe an: „Das Bedürfnis von Mädchen und Athletinnen nach Trainerinnen ist ein Faktor. Zum anderen wissen wir aus der Forschung aus anderen Berufsfeldern, dass diverse Teams bereichern und innovativer machen. Daher sind gemischtgeschlechtliche Trainerteams im Leistungssport auch eine Leistungsressource. Und nicht zuletzt gibt es insgesamt einen Trainermangel, dem man mit dem Talentpool an Trainerinnen entgegenwirken kann.“

Von der Erkenntnis zur Umsetzung

Bei der Frage nach den Gründen für die geringe Anzahl an Trainerinnen kann die „QualiFT“-Arbeitsgruppe bereits auf umfangreiche, überwiegend internationale Forschungsergebnisse zurückgreifen. Mithilfe der Auswertung von Trainerlizenzen sowie Fragebögen und Interviews sammelten die Forscherinnen in Deutschland weitere Erkenntnisse. Neben der männlich dominierten Kultur im Leistungssport tragen auch die Arbeitsbedingungen im Trainerberuf allgemein sowie die Herausforderungen in der Vereinbarkeit von Familie und Traineramt dazu bei, dass sich weniger Frauen für den Trainerberuf entscheiden.

Vielmehr noch als die Ursachen stehen jedoch bei „QualiFT“ die Lösungsansätze im Vordergrund. „Wir reden zu viel – wir müssen endlich ins Tun kommen!“ benennt Astrid Schubring die einhellige Meinung aus zahlreichen Gesprächen und kann dazu positive Signale geben: „Es gibt keinen magischen Zauberstab, der das Problem auf einmal löst, dafür ist die Gemengelage viel zu komplex. Aber es gibt viele tolle Beispiele und verschiedene Instrumente, die als Vorbild dienen können – sei es für das nötige organisationale Changemanagement oder die Trainerinnenförderung.“

Die Forschungsgruppe verfolgt einen internationalen Ansatz, bei dem Modelle zur Stärkung und Förderung von Frauen im Trainerberuf verschiedener Länder analysiert werden. Insbesondere Australien und Neuseeland, aber auch Finnland, Kanada und die Schweiz haben in dieser Hinsicht erfolgreiche Maßnahmen ergriffen. Für „QualiFT“ gilt es nun, diese gesammelten Erkenntnisse zu dokumentieren und Verbänden und Vereinen in Form eines Toolkits zur Verfügung zu stellen.

LSVBW berät und unterstützt

LSVBW-Leistungssportreferent Linus Armbruster im Gespräch mit LSVBW-Wissenschaftskoordinator Stefan Grau. Foto: wolterfoto

In regelmäßigen Transferveranstaltungen haben die Forscherinnen im Verlauf des Projekts auch den Austausch mit Trainerinnen sowie Verantwortlichen aus den Sportorganisationen gesucht – unter anderem mit dem Landessportverband Baden-Württemberg (LSVBW), der „QualiFT“ als Kooperationspartner unterstützt. Den Abschluss dieser Netzwerktreffen bildete Ende Juni das Trainerinnen-Symposium im RheinEnergie Stadion in Köln, bei dem zentrale Forschungsergebnisse präsentiert wurden. Eingeladen waren auch die Landestrainerinnen und -trainer aus Baden-Württemberg. LSVBW-Leistungssportreferent Linus Armbruster stellte dort in einem Impulsvortrag Baden-Württembergs „Berufsbild für Leistungssportpersonal“ vor.

„Der Anteil von Frauen in Trainerpositionen und relevanten Ämtern wird nicht allein durch Qualifizierung steigen. Ebenso wichtig sind Strukturen in Verbänden und Vereinen, die Zugänge ermöglichen und Entwicklung fördern“, stellt er fest. „Davon profitieren nicht nur die Trainerinnen selbst, sondern vor allem auch unsere Athletinnen und Athleten im (Nachwuchs-) Leistungssport. Das Berufsbild für Trainer des LSVBW schafft hierfür wichtige Orientierung und Standards und trägt dazu bei, den Trainerberuf nachhaltig zu professionalisieren und zu stärken.“

Quelle: lsvbw.de