Sport-Informations-Dienst (SID)

Basketball WM der Frauen – Marie Gülich: Wenn das „Thermometer“ regelt

September 2026

Berlin/Köln (SID) Als Kapitänin führt Marie Gülich die deutschen Basketballerinnen in die Heim-WM. Ihre Mission ist nicht einfach. 

Nach einem langen Weg plagten Marie Gülich Sorgen. Hält mein Knie? Kann ich meinem Team helfen?, fragte sich die Kapitänin, doch der Kopf war schnell wieder frei. „Sobald ich auf dem Spielfeld war, hat es klick gemacht„, sagt die Basketballerin zu ihrem Comeback im Nationalteam, keine drei Wochen vor der Heim-WM war das. Jetzt ist Gülich „fit wie noch nie„, rechtzeitig für das Highlight in Berlin. 

Im ersten Vorbereitungsspiel gegen Spanien war Gülich zuletzt zurückgekehrt, nach mehr als 14 Monaten Pause und einer „Achterbahnfahrt„. Ein Kreuzbandriss, erlitten Ende Mai 2025 im Nationaltrikot, hatte sie gestoppt, ein Wechsel nach Frankreich war dadurch geplatzt, auch die EM-Teilnahme. Dass die frühere WNBA-Spielerin nun wieder dabei sein kann, ist wichtig. 

Marie ist unser Thermometer, Marie ist unser emotionaler Rückhalt„, betont Bundestrainer Olaf Lange in der ZDF-Doku „Macherinnen“, „wenn wir es brauchen, erhöht sie die Temperatur.“ Sie nehme „das Kompliment an„, sagte die 32-Jährige angesprochen auf die Aussage im Sportstudio.

Ihre Mission ist nicht einfach, denn die Erwartungshaltung ist groß. Einerseits, weil zu Hause gespielt wird, andererseits, weil der Trend zuletzt stimmte. Bei Olympia in Paris gelang vor zwei Jahren der Viertelfinaleinzug, im Vorjahr gab es EM-Platz fünf. „Das ist das beste Team, das wir je hatten„, meint Gülich

Doch es gibt arge Verletzungssorgen, so fällt etwa Starspielerin Satou Sabally aus. „Das tut mir weh für sie und das tut uns als Team natürlich auch weh„, sagt Gülich, „weil sie eine Persönlichkeit ist, die auf dem Spielfeld viel Power hat.“ Saballys jüngere Schwester Nyara bangt noch um ihren Einsatz, Leonie Fiebich kommt aus einer langen Verletzungspause. Beide sind Schlüsselspielerinnen. Es könnte besser aussehen.

Niemand geht in so ein Turnier rein und sagt: Ich möchte die Medaille gar nicht„, sagt Gülich. Doch dafür müssten eben „so viele Dinge“ passen, „wir kontrollieren das, was wir kontrollieren können.“ Das Podium bleibe dennoch das Ziel, das Team werde „natürlich alles dafür tun, an diesem Punkt anzukommen„.

Vor ihrer schweren Verletzung spielte Gülich in Taiwan, nach der WM geht es für sie in Australien beim Meister Townsville Fire weiter. Ab Freitag (17.45 Uhr/ProSieben und MagentaTV), wenn Deutschland zum WM-Auftakt wieder auf Spanien trifft, gilt aber erst einmal die ganze Konzentration der Nationalmannschaft.  

Gülich wird viel kommunizieren, das ist ihre Aufgabe, ihre Qualität. „Ich habe einfach ein gutes Gefühl für Menschen„, sagt die Centerspielerin selbst, Lange sieht es genauso: „Ihre emotionale Führungsfähigkeit ist das, was sie außerhalb des Basketballs am meisten auszeichnet.

Die Atmosphäre stimmt vor dem Turnier (4. bis 13. September), auch wegen des Thermometers. „Mit diesem Team fühlt man sich nie allein„, sagt Gülich. „Das ist wie so eine Sisterhood.

Quelle: AFP

Fragen und Antworten zur Basketball-WM der Frauen

Was steht an?

Die 20. Basketball-Weltmeisterschaft der Frauen beginnt am Freitag in Berlin. Es ist die zweite Heim-WM für eine deutsche Mannschaft nach 1998 (Bremen, Berlin, Dessau, Karlsruhe, Münster, Wuppertal). Der Titel wird am 13. September ausgespielt.  

Wo wird gespielt?

In der großen Uber Arena (14.500 Plätze), während des Turniers Berlin Arena genannt, und der etwas kleineren Max-Schmeling-Halle (11.900).  

Wie läuft der Ticketverkauf?

Ausgezeichnet. Am vergangenen Wochenende wurde die Marke von 200.000 Karten durchbrochen, die Zahl vom vorherigen Turnier in Australien 2022 schon überboten. „Das zeigt, dass Berlin und Deutschland ready sind“, sagte DBB-Kapitänin Marie Gülich. 

Wie sieht der Modus aus?

16 Teams spielen in vier Viererstaffeln gegeneinander, die Gruppensieger der Vorrunde ziehen direkt ins Viertelfinale ein. Die Teams auf den Plätzen zwei und drei kämpfen in einer Qualifikationsrunde überkreuz um die vier offenen Plätze. 

Wie sieht die Terminplanung aus? 

Die Vorrunde läuft vom 4. bis 7. September, die Qualifikationsrunde geht am 8. und 9. über die Bühne. Es folgen die Viertelfinals (10.), Halbfinals (12.), das kleine Finale und das Endspiel (beide 13.).

Wann spielt die deutsche Mannschaft?

Zum Auftakt trifft das Team von Bundestrainer Olaf Lange am 4. September (Freitag, 17.45 Uhr) in der Gruppe A auf Vize-Europameister Spanien. Es folgt das Duell mit Japan (Samstag, 5./18.00), zum Abschluss der Vorrunde geht es gegen Mali (Montag, 7./17.50).

Wie stehen die Chancen?

Wären alle fit, gäbe es eine Medaillenchance. Aber Starspielerin Satou Sabally (Gehirnerschütterung) fällt aus, ihre jüngere Schwester Nyara (Wade) muss stark um ihren Einsatz bangen und Leonie Fiebich (Knöchel) kommt gerade erst aus einer wochenlangen Verletzungspause. Unter diesen Voraussetzungen käme der Sprung aufs Podium fast einer Sensation gleich. Tendenz: Spätestens im Viertelfinale ist Schluss.

Wer ist Favorit?

Die USA. Der Rekordweltmeister kommt mit „voller Kapelle“, hat alle Topspielerinnen dabei. Caitlin Clark, A’ja Wilson, Breanna Stewart, Napheesa Collier, Kelsey Plum, und, und, und. Der elfmalige Champion muss sich schon selbst schlagen. Am gefährlichsten dürften für den Olympiasieger noch Frankreich (Silbergewinner von Paris) und Australien (Bronze) sein.  

Wer überträgt?

MagentaTV zeigt (kostenpflichtig) 23 Spiele live, dazu gehören alle mit deutscher Beteiligung (kostenfrei), zwei internationale Partien pro Spieltag sowie die gesamte Finalrunde. Alle Begegnungen mit dem DBB-Team laufen zudem im Free-TV bei ProSieben bzw. ProSieben MAXX.

Was noch zu sagen wäre…

„Das Ziel ist die Medaille und wir werden natürlich alles dafür tun, an diesem Punkt anzukommen.“ (DBB-Kapitänin Marie Gülich im ZDF-Sportstudio)