Baden-Baden (SID) Der Deutsche Behindertensportverband wurde in die Entscheidung über den nationalen Bewerber beim IOC nicht eingebunden. Dennoch sieht der Para-Sport in Spielen im eigenen Land eine riesige Chance.
Josia Topf stand im Moment des großen Sieges direkt neben Markus Söder, als Botschafter Münchens war der Paralympics-Champion bei der feierlichen Zeremonie in Baden-Baden mittendrin. Bei der Wahl des nationalen Bewerbers blieb der Para-Sport allerdings außen vor, der Deutsche Behindertensportverband (DBS) hatte im Duell der bayerischen Landeshauptstadt mit Köln/Rhein-Ruhr kein Stimmrecht – obwohl Olympische und Paralympische Spiele bereits seit 1988 ein Gesamtpaket sind.
Dies habe er als „sehr schwierig empfunden“, sagte Topf dem SID: „Da fand ich auch, dass es in gewisser Weise transparenter vom DOSB hätte sein können und dass man den DBS mehr hätte einbeziehen können.“ Die große Beachtung des Para-Sports habe er als Faustpfand der Münchner Bewerbung gesehen. „Obwohl der Behindertensportverband nicht mitstimmen durfte, wurde er mitgenommen auf verschiedenste Art und Weise, was das Konzept angeht, was die Vorstellung angeht“, lobte der Schwimmer.

Klar ist: Im kniffligen Rennen gegen die internationale Konkurrenz um Sommerspiele 2036, 2040 und 2044 will nun auch der Para-Sport mithelfen. „Es ist unsere klare Erwartung, dass wir konsequent in Entscheidungen eingebunden werden und dass wir Olympische und Paralympische Spiele gleichwertig denken“, forderte Idriss Gonschinska als Vorstandsvorsitzender des DBS: „Ich gehe fest davon aus, dass unsere Stimme gehört wird.“
Paralympische Spiele seien eine riesige Chance für den Behindertensport in Deutschland und böten ein enormes Potenzial beim Thema Inklusion. „Wenn wir die Spiele haben, bin ich davon überzeugt, dass wir natürlich auch mit dem besten Team aller Zeiten die Spiele bestreiten möchten“, betonte Topf. Zudem glaube er, dass es „gesellschaftlich die Menschen mit Behinderung nochmal pushen wird, weil es danach eine andere Akzeptanz geben wird“.
Er könne aus eigener Erfahrung sagen, erklärte Gonschinska, „dass Olympische Spiele Menschen begeistern – Paralympische Spiele inspirieren und verändern Menschen.“ Man sehe die Entscheidung für München nun als „Startpunkt“ und „Aufbruch“.
Der Status quo in Sachen Barrierefreiheit sei in der bayerischen Landeshauptstadt „überraschend positiv“, lobte Topf: „Sie müssen gar nicht mal so viel Neues machen.“ Dennoch werde es Verbesserungen brauchen.
Ein Zuschlag für Olympia und Paralympics in München würde Prozesse wie den Ausbau des barrierefreien öffentlichen Nahverkehrs oder barrierefreier Trainings- und Sportstätten beschleunigen und die Chance auf Teilhabe für alle vereinfachen. „Das ist ein großartiges Ziel, das wir über den Sport in die Gesellschaft transportieren können“, betonte Gonschinska. Diesbezüglich habe man „noch einige Schritte zu gehen und zu lernen“.
Aus der fehlenden Einbeziehung des Behindertensportverbandes in die nationale Entscheidung sollte auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) seine Lehren ziehen. Er habe den entsprechenden Teil der eigenen Satzung „nicht auf dem Schirm gehabt“, rechtfertigte sich DOSB-Präsident Thomas Weikert am Samstagabend im ZDF. Das fehlende Stimmrecht für den DBS sei „nicht optimal“ gewesen. Denn schließlich geht es nun mit München in den internationalen Wettstreit um Olympische UND Paralympische Spiele.
Auch wenn er glaube, so Topf, dass die besondere Beachtung der Paralympics für die internationale Entscheidung „leider keinen Ausschlag“ geben werde.