Frankfurt/Main (SID) Jürgen Klopp holt Niclas Füllkrug zurück in die Nationalmannschaft. Der 17-jährige Wael Mohya ist überraschend erstmals dabei.

Im Seminarraum „Kabine“ öffnete Jürgen Klopp dem Rückkehrer Niclas Füllkrug die Tür zur Nationalmannschaft mit einem breiten Grinsen. „Es war eine Freude, die Entscheidung zu treffen und ihm mitzuteilen“, berichtete Klopp auf dem DFB-Campus über sein intensives Gespräch mit dem aktuellen Top-Torjäger der Fußball-Bundesliga. Füllkrug habe „nicht nur durch seine Tore einen unglaublichen Einfluss auf das Bremer Spiel“, betonte Klopp, und er kam zu dem Schluss: „Manchmal schlägt Form alles andere.“
Daher hat Klopp auch überraschend den erst 17-jährigen Wael Mohya von Borussia Mönchengladbach erstmals in sein auf Normalmaß gestutztes 24-köpfiges Aufgebot für den Vorrundenabschluss in der Nations League in Serbien und gegen den Erzrivalen Niederlande berufen. „Ich habe Bock, die Zukunft mit solchen Jungs anzugehen, ohne Versprechungen zu machen“, sagte Klopp. Das gelte auch für „Straßenfußballer und Zocker“ Brajan Gruda, der wie Mohya und Innenverteidiger Finn Jeltsch noch ohne Länderspiel ist.
Ansonsten setzt Klopp für die Spiele am 13. November in Belgrad und drei Tage später in Berlin auf „einen bunten Mix aus sehr jung und durchaus erfahren“. Jonas Urbig, Philipp Treu und Derry Scherhant sind nach ihren überzeugenden Auftritten bei Klopps Premiere erneut dabei, doch der Bundestrainer musste nach seinem ungewöhnlichen XXL-Casting mit 44 Nominierungen im September/Oktober zwangsläufig den Rotstift ansetzen.
Es sei „schwer“ gewesen, „diese Auswahl zu treffen“, betonte Klopp, denn es hätten „wieder mehr Spieler verdient, dabei zu sein“. Doch zum Leben eines Bundestrainers gehören auch harte Entscheidungen. Nick Woltemade, Nadiem Amiri, David Raum, Karim Adeyemi oder auch Yann Aurel Bisseck sind nicht dabei. Ebenso haben es zahlreiche Debütanten aus Klopps erstem Kader wie Hennes Behrens, Vitaly Janelt, Felix Keidel und Mika Baur nicht geschafft. Jamal Musiala und Serge Gnabry fehlen verletzt, auf Deniz Undav und Leroy Sané verzichtete Klopp erneut freiwillig.
Abschreiben will er aber niemanden. „Wir wären ja verrückt, würden wir irgendwelche Türen schließen“, sagte der 59-Jährige, der mit Marc-André ter Stegen erwartungsgemäß „als Nummer eins in die Spiele“ gehen wird. Um doch noch das Viertelfinale in der Nations League zu erreichen, sind zwei Siege beim Geisterspiel in Serbien und beim stimmungsvollen Kracher gegen die Niederlande Pflicht.
Nach vier Spielen belegt die DFB-Auswahl mit fünf Punkten nur Platz drei hinter den Niederlanden und Griechenland (je 8). Nur die ersten beiden Teams ziehen in die K.o.-Phase ein und haben dadurch vermutlich einen leichteren Weg zum großen Fernziel EM 2028.
Wenn die Endrunde schon morgen wäre, würde Klopp den 33-jährigen Füllkrug „natürlich mitnehmen“. Dieser habe sich „mit unterschiedlichsten Toren beworben“. Und gerade im Offensivspiel offenbarte der viermalige Weltmeister zuletzt die größten Probleme. Gerade einmal drei Tore brachte das DFB-Team in der Nationenliga bisher zustande, Füllkrug hat in 24 Länderspielen (das letzte im Juni 2025) beachtliche 14 erzielt.
Daher setzt Klopp auch auf vermeintlich eingespielte Kräfte mit Kai Havertz und Florian Wirtz, dahinter vertraut er trotz aller Debatten Kapitän Joshua Kimmich. „Das Zentrum wird unser Maschinenraum sein“, legte sich Klopp fest.
Der Bundestrainer geht die nächsten Aufgaben mit großer Euphorie an. Besonders auf das Heimspiel in Berlin vor vollen Rängen verspüre er „eine Riesenlust“. Im Olympiastadion wird dann auch der langjährige Leistungsträger Antonio Rüdiger verabschiedet.
Doch die Zukunft hat längst begonnen. Klopp will immer mal wieder junge Spieler wie jetzt Mohya („Es gibt nicht viele 17-Jährige, die in der Bundesliga spielen, das allein ist schon ein herausragendes Merkmal“) dazuholen, „um zu experimentieren“. Gespräche gab es schon mit Paris Brunner und Nicolò Tresoldi, der sich aber erst nach der U21-EM im kommenden Jahr für Deutschland oder Italien entscheiden will.
Klopp hat sich jetzt erst einmal für 24 Namen entschieden – mit Füllkrug und Mohya.