Malaika Mihambo jagt längst nicht mehr nur Medaillen und Rekorde, sie setzt sich auch für Nachhaltigkeit im Sport und damit für die nachfolgenden Generationen ein. Im Interview verrät die Weitsprung-Olympiasiegerin, warum es ihr so wichtig ist, einen großen „Klima-Handabdruck“ zu hinterlassen – mit vielfältigem Engagement für nachhaltige Botschaften, Initiativen und Projekte. Als Botschafterin von KILANA® unterstützt sie auch ein Programm des Badischen Leichtathletik-Verbandes, das im Januar mit dem LSVBW-Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet wurde.
Malaika Mihambo, Sie engagieren sich als KILANA®-Botschafterin für ein Programm, das Grundschulkindern abwechslungsreiche Ferientage voller Bewegung, Naturerfahrung und Gemeinschaft ermöglicht. Was hat Sie dazu motiviert?
Dieses Projekt verbindet genau die zwei Themen, die mir sehr am Herzen liegen: Leichtathletik und Nachhaltigkeit. Ich finde es schön, diese miteinander zu verknüpfen und zusammen zu denken. Dadurch können viele Synergien entstehen. Bewegung ist für Kinder unheimlich wichtig. Leider reichen die Sportstunden in den Grundschulen meist nicht aus, um Bewegungsdefizite der Kinder auszugleichen. Dabei werden gerade im Grundschulalter wichtige Grundlagen für die Bewegungsentwicklung gelegt – und zugleich für den verantwortungsbewussten Umgang mit der Umwelt.

Wie kann insbesondere der Sport das Bewusstsein für Nachhaltigkeit stärken?
Es ist wichtig, dass wir immer wieder neue Wege finden, uns Gedanken über Nachhaltigkeit zu machen und diese in unseren Alltag zu integrieren. Der Sport ist ein Weg – auch wenn er noch nicht allzu oft gegangen wird. Er eignet sich ideal dafür, besonders den gesundheitlichen Aspekt von Nachhaltigkeit aufzugreifen: Wenn Kinder in der Leichtathletik oder in anderen Sportarten in Bewegung kommen, lernen sie parallel dazu, einen Grundstein für die Zukunft zu legen – wie man besser miteinander und mit der Umwelt umgeht. Das mitzugeben ist mein Ziel.
Wann sind Sie selbst auf das Thema Nachhaltigkeit und Umwelt aufmerksam geworden?
In meiner Grundschulzeit war ich Mitglied einer Umweltgruppe, von der ich viel mitnehmen konnte. Dieses Angebot gibt es allerdings nicht an allen Schulen. Daher finde ich es wichtig, dass wie im Beispiel von KILANA® Ideen umgesetzt werden, aus denen die Schulen eigene Projekte entwickeln und in den Schulalltag integrieren können.
Sie studieren parallel zu Ihrer sportlichen Karriere Umweltwissenschaften. Wie lässt sich Ihr Wissen aus Ihrem Studium auf Ihr Leben als Leistungssportlerin übertragen?
Im Hinblick auf den internationalen Wettkampfkalender ist nachhaltige Planung schwierig. Aber die Hallensaison bestreite ich schon seit vielen Jahren so gut wie nur in Deutschland. Zu diesen Wettkämpfen fahre ich mit der Bahn oder in Fahrgemeinschaften. Das ist ein Weg, auf dem ich persönlich etwas machen kann. Natürlich würde ich mir wünschen, dass sich das grundsätzlich so gestalten lässt. Die Leichtathletik ist jedoch eine Sportart, die global betrieben wird, weite Reisen lassen sich nicht gänzlich vermeiden.
Mir geht es zusätzlich aber auch darum, wie man seinen Klima-Handabdruck groß machen kann – das kommt mir oft zu kurz.

Was versteht man unter dem Klima-Handabdruck?
Beim Fußabdruck geht es darum, ihn möglichst klein zu halten. Den Handabdruck möchte man möglichst groß machen. Das heißt: Wie kann ich mich mit anderen Menschen zusammenschließen, um mehr zu erreichen, als ich es alleine könnte? Das betrifft viele Ebenen: Wie kann ich mich mit Impulsen in die Nachhaltigkeitskultur meines Arbeitgebers einbringen? Wie kann ich für nachhaltige Ernährung sensibilisieren? Wie kann ich in meinem Umfeld Denkprozesse oder Projekte anstoßen?
Ich begleite das Programm KILANA® mit meiner Uni durch eine Forschungsarbeit. Auf diesem Weg versuche ich, viel zu lernen und zu schauen, wie man Erkenntnisse in die Anwendung und an die Menschen bringen kann.
In Ihrem Verein „Malaikas Herzsprung“ setzen Sie sich darüber hinaus für benachteiligte Kinder ein, ermöglichen ihnen zum Beispiel eine Vereinsmitgliedschaft. Wie ist dazu gekommen?
Der Verein ist 2020 recht kurzfristig während Corona entstanden. Zuerst war es ein Online-Projekt, dann haben wir es weiterentwickelt zu einem Verein. Es war klar, dass ich nicht mehr selbst jeden Tag Kurse geben kann. Wichtig war mir, dranzubleiben an dem Ziel, Kinder zu bewegen oder ihnen Bewegung zu ermöglichen.
Sie sind Olympiasiegerin, haben je zweimal Gold sowie einmal Silber bei Welt- und Europameisterschaften gewonnen. Was treibt Sie noch an?
Ganz einfach die Frage: Wie weit kann ich noch springen? Was kann ich noch erreichen? Kann ich meine Grenzen weiter verschieben? Ich empfinde den Leistungssport als ein schönes Feld, das einen immer fordert, an sich selbst zu arbeiten. Zum anderen begeistert mich noch immer das Soziale am Sport und die Gemeinschaftlichkeit. Dafür setze ich mich gerne ein, indem ich meine Plattform als Sportlerin nutze. Über Emotionen, gemeinsame Projekte und Spaß an der Bewegung möchte ich Menschen verbinden.
Das Gespräch führte Klaus-Eckhard Jost.
Hintergrund:
Mit dem Projekt KILANA® (Kinderleichtathletik und Nachhaltigkeit) erleben Kinder im Grundschulalter abwechslungsreiche und sinnvolle Ferientage voller Bewegung, Naturerfahrung und Gemeinschaft. Das Programm des Badischen Leichtathletik-Verbands (BLV) verbindet kindgerechte Leichtathletik mit spielerischen Zugängen zu Themen wie Umweltschutz, Ernährung oder sozialem Miteinander. Dabei steht der Spaß immer im Vordergrund, denn Kinder lernen am besten, wenn sie sich wohlfühlen und frei entfalten können. Ob beim Sprinten, Springen, Basteln, Forschen oder in kleinen Naturprojekten: Die Kinder werden ganzheitlich gefördert; motorisch, sozial und mit Blick auf ein verantwortungsvolles Miteinander.
Mehr auf der Webseite: https://www.kilana-feriencamp.de/
Quelle: www.lsvbw.de