Sport-Informations-Dienst (SID)

Comeback nach Babypause: „Mama“ Semechin greift wieder an

Mai 2026

Berlin (SID) Nach ihrer Babypause kehrt Elena Semechin ins Schwimmbecken zurück. Das Comeback ist der Start einer Reise mit großen Zielen.

Klaus Phillip ist direkt mittendrin. Ob im Gym, im Schwimmbad oder im Trainingslager fern der Heimat. „Er ist jetzt schon überall mit dabei. Es ist quasi ein Sprung ins kalte Wasser mit uns“, sagt Elena Semechin. Mit knapp acht Monaten hat ihr Sohn schon viel erlebt, nun sieht er seine erfolgreiche Mama erstmals Rennen schwimmen.

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Die Paralympicssiegerin springt zum ersten Mal seit der Geburt im vergangenen September in einem Wettkampf ins Wasser. In der Weltserie gibt die 32-Jährige ihr Comeback, ausgerechnet zu Hause in Berlin. Der kleine Klaus wird am 8. Mai mit Papa Phillip zuschauen, wenn Semechin über ihre Goldstrecke 100 m Brust in der Klasse der Sehbehinderten am Startblock steht.

„Er wird beim Finale kurz dabei sein“, sagt Semechin im SID-Gespräch, „aber ich möchte ihn nicht quälen. Es ist auch immer laut und tropisch in so einem Schwimmbad.“ Ob der Sohnemann seine Mutter auch gleich siegen sehen wird? „Mein Ziel ist es erstmal, überhaupt in meinen Schwimmanzug reinzukommen“, erklärt Semechin und lacht.

Eine Zeit habe sie sich nicht gesetzt, so die gebürtige Kasachin: „Es wäre natürlich schön, wenn ich die Norm für die EM schwimme. Das ist schon mein Ziel dieses Jahr.“ Noch bleiben Semechin knapp vier Monate bis zum EM-Start in der Türkei. Dann soll „auf jeden Fall“ eine Medaille her: „Ich denke, das ist auch möglich. Das ist dann genau ein Jahr nach der Entbindung.“

Noch aber macht sie sich keinen Druck. Sie sei „immer noch im Aufbau. Deswegen ist es so spannend, herauszufinden, auf welchem Stand mein Körper gerade ist. Es wird wie ein Neustart sein auf dem Weg bis nach L.A., die große Reise, die jetzt vor mir liegt.“

Bei den Sommerspielen in Los Angeles in zwei Jahren will sie unbedingt dabei sein, dann erstmals als Mutter. Sie habe „alle Ziele schon erreicht“, sagt Semechin: „Ich muss mir nichts mehr beweisen. Aber ich habe jetzt eine neue Challenge: Als Mama zu performen mit einem komplett neuen Leben, mit einem komplett neuen Menschen an meiner Seite, der mich auch zu 100 Prozent braucht.“

Schon sieben Wochen nach der Geburt begann Semechin wieder mit dem Training – das Comeback war eigentlich schon im März in der Weltserie in Barcelona geplant. Krankheitsbedingt musste Semechin allerdings absagen, auch kurz vor der Station in Berlin (7. bis 9. Mai) und den anschließenden Internationalen Deutschen Meisterschaften (10. bis 12. Mai) musste sie kurz aussetzen.

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Schon einmal war Semechin ein wundersames Comeback gelungen. Nach ihrem ersten Paralympics-Gold in Tokio 2021 war bei ihr ein Hirntumor festgestellt worden. Nachdem der Krebs besiegt war, schwamm Semechin zu Titeln bei WM und EM, bei den Spielen in Paris vor zwei Jahren triumphierte sie gar mit Weltrekord.

Angst, dass der Krebs zurückkommt, hat Semechin nicht. Auch die fehlenden Kontrolluntersuchungen, die während einer Schwangerschaft verboten sind, brachten die dreimalige Weltmeisterin nicht aus der Ruhe. Sorgen aber macht sich Semechin um ihre Sehkraft, die nur knapp zwei Prozent beträgt.

„Das kann theoretisch in jedem Moment vorbei sein“, weiß Semechin: „Da hatte ich schon extremen Druck und Sorge, dass das vor der Geburt noch passieren kann. So war es aber zum Glück nicht.“ 

Ihren Klaus kann Semechin „schemenhaft“ erkennen. „Ich kann ganz nah rangehen, ihn riechen, ihn anfassen“, sagt sie: „Das ist mein Baby.“