Paris/Berlin (SID) Wasserspringer Moritz Wesemann krönte sich in Paris erneut zum Europameister – mit Hilfe von KI.
Vor seinem Goldtriumph hatte sich Moritz Wesemann an einen ganz speziellen Ratgeber gewandt. „Ich habe gestern ein bisschen mit ChatGPT diskutiert, was ich machen kann, mir ein paar Tipps geholt“, verriet der alte und neue Wassersprung-Europameister kurz vor Mitternacht im Centre Aquatique Olympique – und das Zwiegespräch mit der KI zeigte offenbar Wirkung.
Wie im vergangenen Jahr ließ Wesemann am Samstagabend vom 1-m-Brett die gesamte Konkurrenz hinter sich und sorgte nur einen Tag nach seinem verpatzten Auftakt im Teamwettbewerb für die erste deutsche Goldmedaille bei der Schwimm-EM in Paris. „Ich bin extrem happy“, sagte der 24-Jährige, der am vorletzten Tag der Sprungwettbewerbe auch Gold vom 3-m-Sprungbett gewann: „Vor allem, dass ich einfach den Mut, den ich gestern scheinbar nicht auf dem Brett hatte, heute umwandeln konnte.“
Der Start in die Titelkämpfe war für Wesemann und die ambitionierten deutschen Wasserspringer, die in jedem Wettkampf eine Medaille angepeilt hatten, alles andere als nach Plan verlaufen. Am Freitag hatten sich der Hallenser, Pauline Pfeif, Lena Hentschel und Jaden Eikermann nach einigen Wacklern im Mixed-Team-Wettbewerb mit dem siebten Platz zufriedengeben müssen. Auch Wesemann hatte vom 3-m-Brett Nerven gezeigt.

Einen Tag später erlöste erst Vizeweltmeisterin Pfeif an der Seite von Elena Wassen das DSV-Team mit Silber vom Turm, für Wesemann ging es zwei Stunden später noch weiter nach oben. Kein Zufall.
Er habe seine Herzfrequenz beobachtet, berichtete Wesemann. Während des Team-Events habe er einen Puls von fast 170 gehabt, also „ein bisschen zu hoch“. Im Vorkampf vom 1-m-Brett habe dieser am Samstagmittag bei 160 gelegen, im Finale „waren es wahrscheinlich nur 140 oder 150“.
Zu wissen, wie man die Herzfrequenz in den Griff bekommt, habe ihm geholfen – wie das gelingt? Atemübungen seien entscheidend gewesen, ebenso die Tipps der KI, erklärte Wesemann, der in diesem Jahr seinen Master-Studiengang in Computerwissenschaften in den USA abgeschlossen hat.
Während des Wettkampfes hatte sich Wesemann trotz eines engen Kampfes an der Spitze nicht aus der Ruhe bringen lassen und zog im letzten Durchgang seinen Joker: Mit einem eineinhalbfachen Auerbachsalto mit dreieinhalb Schrauben, der mit 3,6 den höchsten Schwierigkeitsgrad des Abends hatte, zog er mit insgesamt 431,45 Punkten an den Briten Jack Laugher (418,25) und Jordan Houlden (410,30) vorbei.
„Was für eine Nervenschlacht, der Junge hat Mumm bewiesen“, sagte Chef-Bundestrainer Christoph Bohm, bei dem Wesemann neuerdings trainiert. Der letzte deutsche Springer, der seinen Titel erfolgreich verteidigte, war Patrick Hausding im Jahr 2021.