Landessportbünde

LSB Berlin: „Gelernt, gut mit Kindern zu kommunizieren“

August 2026

LSB bildet Schwimmtrainer*innen aus und schafft eine Jobperspektive für Menschen mit Migrationsgeschichte

Ein Tag in der Schwimmhalle an der Landsberger Allee: Alle Bahnen sind voll besetzt. Schwimmkurse für Kinder. Einige bewegen sich mit Poolnudel, andere ohne. Unter den Augen ihrer Trainerinnen und Trainer. Sahar Zamani Tehrani (47) aus dem Iran und Nadezhda Gopp (24) aus Kasachstan beobachten das Geschehen. Auch sie wollen Kindern das Schwimmen beibringen. Es ist ihr großer Wunsch. Deshalb absolvieren sie zurzeit die Schwimmtrainer*innen-Ausbildung, die das LSB-Projekt „SPORTBUNT – Vereine leben Vielfalt!“ zum fünften Mal für Menschen mit Migrationsgeschichte anbietet – gemeinsam mit dem Berliner Schwimm-Verband (BSV), finanziert von den Senatsverwaltungen für Bildung, Jugend und Familie sowie Inneres und Sport.

Sahar hat über SPORTBUNT die C-Lizenz als Übungsleiterin im Breitensport erworben und dabei von der Ausbildung gehört. Nadja, wie sie sich selbst nennt, informierte sich über eine KI und bei einem befreundeten Schwimmtrainer. Beide Frauen schwimmen von klein auf. Sahar hat zu Hause Sportmanagement studiert, als Rettungsschwimmerin und Schwimmtrainerin gearbeitet. Nadja war Leistungsschwimmerin und schlug aber beruflich mit Lebensmitteltechnologie zunächst eine andere Richtung ein.

Im März lernten sie sich im Sport- und Bildungszentrum in Lindow/Brandenburg kennen. Dort begann der neue Ausbildungskurs für Schwimmtrainer*innen mit einem Kompaktlehrgang. Eine ganze Woche Theorie und Praxis für die 20 Teilnehmenden – 13 Frauen und sieben Männer zwischen 19 und 55 Jahren. Sie kommen aus der Ukraine, aus dem Iran, aus Afghanistan, Tunesien, Syrien, Kasachstan, China und Deutschland. „Wir haben diesmal darauf geachtet, möglichst viele Frauen auszubilden“, sagt BSV-Trainer Jan-Tobias Lorenz, „wir brauchen Frauen als Trainerinnen und Ansprechpartnerinnen.“

Sahar Zamani Tehrani (li.) und Nadezhda Gopp (re.) wollen unbedingt im Sport arbeiten. – Quelle: LSB Berlin

Obwohl Sahar und Nadja schon Erfahrungen im Schwimmen haben, konnten sie in Lindow Neues lernen. „Ich habe gelernt, wie ich besser mit Kindern kommunizieren kann“, berichtet Nadja. „Manchmal kommt es darauf an, einfache Dinge, die nicht funktionieren, noch einmal anders zu erklären – dafür habe ich viele neue Übungen gelernt“, sagt sie. Sie hat auch Besonderheiten festgestellt: „In Kasachstan lernen die Kinder immer zuerst Kraulschwimmen, in Deutschland beginnen sie mit Brustschwimmen. Aber vielleicht muss das gar nicht immer so sein. Vielleicht kann man einfach beobachten, was kann das Kind am besten und dann fängt es damit an.“ Besonders interessant findet sie die Ausbildung immer dann, wenn es um Psychologie geht: Wie kann Kindern geholfen werden, ihre Angst vor Wasser zu überwinden? Wie beeinflusst Sport die neuronalen Netze im Gehirn? „Ich möchte den Kindern nicht nur schwimmen beibringen. Ich möchte ihnen auch sagen, warum machen sie diese oder jene Übung. Dann verstehen sie es besser und sind motivierter“, ist Nadja überzeugt. Auch Sahar hat Neues gelernt, „vor allem über die Technik beim Rücken-, Brust- und Kraulschwimmen“.

Im zweiten Teil des Lehrgangs geht es in der Schwimmhalle an der Landsberger Allee vor allem um Didaktik beim Schwimmunterricht, darum, wie Schwimmhilfen im Unterricht eingesetzt werden können, welche Spiele den Kindern Spaß machen und das Lernen unterstützen. Am Ende müssen alle Teilnehmenden die Rettungsschwimmabzeichen-Prüfung und eine Lehrprobe bestehen. Dann können sie in den Schulschwimmzentren, in Schulen und Vereinen arbeiten. Nadja und Sahar wollen sich auf jeden Fall weiter qualifizieren, die DOSB-B-Lizenz für Übungsleitende machen. „Mal sehen, was dann kommt“, so Nadja. „Sport ist nicht nur mein Beruf, Sport ist meine Leidenschaft“, sagt Sahar.

Quelle: www.lsb-berlin.de