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Aus der Achterbahn aufs Gaspedal: Die eilige To-Do-Liste für Olympia

September 2026

Auch nach der gemeinsamen Achterbahnfahrt bleibt das Tempo für Münchens Olympia-Lokomotiven Markus Söder und Dominik Krause hoch.

München/Köln (SID) Die Fliehkräfte wirkten unübersehbar bei Markus Söder. Trotz Höchstgeschwindigkeit in der Achterbahn „Olympia Looping“ war Bayerns Landesvater aber immer noch Medienprofi genug, um für die zahlreichen Fotografen bildstark den Daumen zu heben. Die Wettschuld mit Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause auf dem Oktoberfest ist eingelöst, doch Zeit zum Durchatmen bleibt nicht.

„Für Olympia tue ich alles“, sagte der CSU-Politiker am Montag nach der Entscheidung – und dachte laut über weitere Achterbahnfahrten oder „möglicherweise“ ein „Olympiatattoo“ nach, wenn es mit dem Zuschlag für Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 klappen sollte.

Vorher aber stellen sich für die Münchner Bewerbung, die seit dem Sieg im deutschen Vorentscheid am 26. September zu einer nationalen Aufgabe erhoben wurde, einige strategische Fragen. Allen voran: Wer gibt den Takt vor?

Für Thomas Weikert ist das schnell beantwortet. „Wir sind derjenige, der führt“, sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) der Süddeutschen Zeitung. Die bayerische Metropole sei zwar der Bewerberort, „aber den Hut werden wir im Ergebnis aufhaben“.

Dieses Führungsverständnis dürfte vor allem den Austausch mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) tangieren, welches die Zahl der globalen Bewerber um 2036 schon im kommenden Frühjahr auf etwa eine Handvoll reduzieren wird. Diese Vorauswahl zu überstehen, dürfte essenziell sein, um die auch von der Bundespolitik befeuerte Olympiastimmung aufrechtzuerhalten.

Hausaufgaben in erheblichem Umfang kommen aber auch auf die anderen deutschen Stakeholder zu. Ronald Rauhe, seit Anfang September Staatsminister für Sport und Ehrenamt, sieht auch Bundeskanzler Friedrich Merz in der Verantwortung, Bande zu knüpfen zu IOC-Präsidentin Kirsty Coventry. Es geht um internationale Vernetzung, vielleicht auch schon staatliche Zusagen.

Rauhe skizzierte weiter, es brauche eine langfristige Strategie, damit die Bundesrepublik als Ausrichter von Großevents im Gespräch bleibt und seine Eignung unterstreicht.

Immerhin: Im kommenden Jahr finden die Handball- und Eishockey-WM hierzulande statt, 2029 richtet Deutschland die Fußball-EM der Frauen aus, zwei Jahre später ist München Gastgeber der Leichtathletik-WM. Zudem erwägt der Deutsche Fußball-Bund eine neuerliche Bewerbung um eine WM der Männer.

Auch ein Botschafter als „Gesicht“ der Bewerbung könnte ein Faktor werden, so Rauhe. Er müsste internationale Strahlkraft besitzen, und am besten schnell gefunden werden.

Auf der anderen Seite, brachten Söder und Krause vor, sei München auf beschleunigte Verfahren und auch finanzielle Mittel angewiesen, um die Stadt für die Eventualität olympiareif zu machen. „Viele Großprojekte dauern sehr lange“, bemerkte Krause.

Besonders betroffen ist die Verkehrsinfrastruktur in München. Ein Thema, das unabhängig von einer Ausrichtung Olympischer Spiele – deren Gesamtpaket der Grünen-Politiker auf rund zehn Milliarden Euro taxiert – weit oben auf der Agenda steht. Hinzu kommen noch eventuell zu bauende Arenen. Selbst in einer DOSB-Bewertung ist hier von „zeitlichen Unsicherheiten“ die Rede.

Eine weitere Unbekannte ist das IOC. Brisbane, vor fünf Jahren zum Gastgeber 2032 gekürt, darf als mahnendes Beispiel dafür dienen, dass Konzepte auch nach dem Zuschlag keineswegs in Stein gemeißelt sind. Sollte ursprünglich der altehrwürdige Brisbane Cricket Ground, „The Gabba“, renoviert werden und zum zentralen Ort der Spiele werden, wird nun ein 63.000 Zuschauer fassendes Stadion für die Eröffnungs- und Schlussfeier sowie die Leichtathletik-Wettbewerbe gebaut.

Münchens Konzept sieht den Olympiapark von 1972 mit dem Olympiastadion als Herzstück vor. Das ikonische Zeltdach wird bis 2029 saniert. Angesichts des Klimawandels wurden aber bereits Bedenken geäußert, ob der Architekturentwurf aus den 1960er-Jahren noch mit dem Sommerklima der Gegenwart und Zukunft zu vereinbaren ist.