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September 2020

Landessportbünde

Die Herbstsitzung des BSB-Hauptausschusses, die in den vergangenen Jahren entweder gar nicht oder „nach Bedarf“ stattgefunden hatte, stand in diesem Jahr unter dem zentralen Thema „Vereins- und Verbandsentwicklung“. Nach der Frühjahrssitzung, bei der ausführlich über die Ergebnisse des Sportentwicklungsberichts informiert und die Entwicklung der Mitliederzahlen in den Vereinen des BSB analysiert wurde, hat sich das Präsidium in einer Klausurtagung intensiv mit folgender Frage befasst: Wie und mit welchen Maßnahmen kann den Vereinen im BSB bzw. deren Abteilungen noch mehr als bisher geholfen werden, um zukunftsfähig zu bleiben zu können? Das danach erstellte Konzept wurde in der Versammlung zunächst vorgestellt und dann ausführlich diskutiert.

Zunächst begrüßte BSB-Präsident Heinz Janalik alle Vertreterinnen und Vertreter der Sportkreise und Fachverbände und informierte angesichts des umfangreichen Hauptthemas in Kurzfassung über Aktuelles aus dem BSB. Er begann mit der Unterzeichnung der Rahmenvereinbarung zwischen LSV und MKJS hinsichtlich der Ganztagsschule und der Vereinbarung mit dem RP über eine enge Zusammenarbeit, berichtete über die gelungene Umstellung zur jahrgangsweisen Bestandserhebung und landete bei einem der größten Probleme des Sports in Baden-Württemberg: dem Finanzierungsstau im Sportstättenbau. Hier sei man von Seiten des Sports gegenüber der Politik in der letzten Zeit mit seinem Anliegen wesentlich deutlicher geworden.

Weiter berichtete Janalik über den Entwurf einer neuen LSV-Satzung, die derzeit den zuständigen Gremien zur Diskussion vorliegt, den Innovationsfond für Fachverbände, bei dem die Qualität der Anträge bei gestiegener Anzahl leider abgenommen habe, über die drohende Spaltung im Kegelsport, die dem BSB Sorgen bereite sowie über die mit einer neuen Satzung angestrebte Strukturreform beim DOSB. Diese sieht Janalik recht kritisch, da sie zwar die Führungszentrale stärke, die demokratischen Rechte der Mitgliedsorganisationen aber abbaue.

„BSB-Nord-NAVI“

Im Anschluss an die Genehmigung des Protokolls der Frühjahrssitzung übergab der Präsident an Geschäftsführer Wolfgang Eitel, der das Konzept „BSB-Nord-NAVI – Nah am Verein im Badischen Sportbund Nord“ und dessen Vorgeschichte erläuterte. Nach der Auswertung des Sportentwicklungsberichts und der Auswertung der Mitgliederentwicklung in den Vereinen des BSB habe das Präsidium entschieden, der insgesamt bedenklichen Entwicklung nicht einfach zuzusehen, sondern etwas dagegen zu tun. Auf dieser Grundlage sei das vorliegende Konzept entstanden, das aufgrund einer Situationsanalyse des Sports in Nordbaden ein klares Fazit zieht und daraus Folgerungen ableitet, wie man der gegenwärtigen Situation wirksam begegnen könnte.

Viele Vereine mit Problemen

Zur Situation: Die Bestandsvereine des BSB, die schon lange Mitglied sind, entwickeln sich insgesamt negativ, Ausnahmen sind einige Großvereine. Darüber hat jeder dritte BSB-Verein mindestens ein existenzbedrohendes Problem. Trotz dieser Probleme, gibt es eine große Hemmschwelle seitens der Vereine, Kontakt mit dem Verband oder dem BSB aufzunehmen. Die Folgen dieser Konstellation werden, wenn nicht gegengesteuert wird, ein deutlicher Mitgliederrückgang sein – und damit verbunden eine Schwächung des Gesamtsystems „Sport“ sowie ein Rückgang an politischer Bedeutung.

Soziale, räumliche und mediale Nähe

Als Folgerungen und Gegenmaßnahmen schlägt das Konzept vor: Alle Unterstützungsmaßnahmen müssen den Verein als Ganzes im Blick haben und strikt nutzerorientiert sein. Die zentrale Frage heißt also: Was braucht der Verein? Damit sowohl die vorhandenen als auch die neuen Angebote besser angenommen werden, sind die Bekanntheit der Personen (= soziale Nähe), kurze Wege (= räumliche Nähe) sowie eine ständige Verfügbarkeit im Netz (= mediale Nähe) unbedingte Voraussetzung. Eitel betonte abschließend, dass das BSB-Präsidium der Ansicht sei, dass diese Maßnahmen Erfolg haben könnten. Es sei allerdings zwingend notwendig, dass alle Anstrengungen von den Sportverbänden gemeinsam und gesamtsolidarisch angegangen werden. „Der Verein muss uns selbst als Solidar-System erleben“, so Eitel zum Abschluss.

Aktivitäten im bfv, Sportkreis Sinsheim und BTB

Unter dem Motto „Aus der Praxis für die Praxis“ stellten anschließend zwei Fachverbände und ein Sportkreis ihre, im Sinne einer regionalisierten Verbandsarbeit entwickelten Aktivitäten, vor.

Beim Badischen Fußballverband habe man, so Geschäftsführer Uwe Ziegenhagen, Vereins- und Schulbesuche mit dem DFB-Mobil gemacht sowie dezentrale Kurzschulungen, Seminare und Grundlehrgänge durchgeführt. Alles wurde sehr gut angenommen. Darüber hinaus wurden der „Vereinsdialog“, bei dem bfv-Vertreter einen Verein besuchen, sowie der „Vorstandstreff“, bei dem sich Vorstände verschiedener Vereine austauschen können, ins Leben gerufen. Ziegenhagen fasste die gewonnen Erfahrungen so zusammen: „Bei allen Angeboten steht Dezentralität an erster Stelle.“

Ganz andere Ideen, aber mit ähnlicher Wirkung, hatte man im eher ländlich geprägten Sportkreis Sinsheim. Dem Vorsitzenden Josef Pitz war aufgefallen, dass erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler jedes Jahr geehrt werden, von den vielen Vereinsmitarbeitern aber kaum Notiz genommen wird. Seitdem lädt der Sportkreis bestimmte Personengruppen mit vergleichbaren Aufgaben im Verein (z.B. Sportabzeichenverantwortliche, Jugendleiter, Frauen) zu einem Info-Vormittag mit anschließendem Mittagessen ein – mit erfreulicher Resonanz! Ziel dieser Einladungen: persönlichen Kontakt herstellen. „Darüber hinaus wird durch solche Treffen der Wille zur Gemeinsamkeit gefördert“, ist sich Pitz sicher.

Vom Badischen Turnerbund berichtete Geschäftsführer Henning Paul, dass man durch die Organisation in Turngauen schon ausgiebig Erfahrung mit Dezentralität gesammelt habe, diese aber bei weiteren Aufgaben an ihre Grenzen stießen. Daher habe man für mehrere Turngaue zusammen einen Regionalreferenten eingestellt. Begonnen wurde im Breisgau und mit dem Rhein-Neckar-Kreis. Aufgaben sind die Schaffung einer dezentralen Aus- und Fortbildung, die Weiterentwicklung der unterschiedlichen Sportarten im BTB sowie die Vereinsentwicklung. Was man bisher schon beobachten könne, so Henning Paul, sei eine deutlich niedrigere Hemmschwelle zur Kontaktaufnahme: „Die Vereine fragen mehr, äußern deutlicher ihre Bedürfnisse“.

In der anschließenden Diskussion gab es keine prinzipiellen Einwände gegen die Konzeption. Im Gegenteil: Mehrfach wurde eine verbesserungswürdige Kommunikation angemahnt. BTB-Präsident Mengesdorf begrüßte schließlich ausdrücklich eine Kooperation zwischen BSB, Fachverbänden und Sportkreisen. Abschließend fasste Wolfgang Eitel Konzept und Diskussion in folgende Punkte zusammen:

  • Die Diskussion, was man tun kann, sowie die Umsetzung müssen gemeinsam erfolgen.
  • In der jeweiligen Region müssen als Ansprechpartner feste „wiedererkennbare“ Personen installiert werden.
  • Die Beschäftigung zusätzlichen Personals bedarf auch zusätzlicher Mittel.
  • Die Mitglieder des Hauptausschusses sind sich einig, dass regional abgestimmte Angebote Sinn machen.

Das weitere Vorgehen skizzierte Eitel dann so: Zunächst wird das BSB-Präsidium über die vorangegangene Diskussion beraten. Danach wäre die Einsetzung einer Steuerungsgruppe mit ausgewählten Personen aus BSB, Fachverbänden und Sportkreisen denkbar, die einen mit dem Präsidium abgestimmten Umsetzungsvorschlag erarbeitet. Dieser könnte dann zur nächsten Sitzung im Frühjahr 2015 vorliegen.

Janalik fordert Bewusstseinsänderung

Präsident Heinz Janalik brachte schließlich, nachdem er allen für die rege Diskussion gedankt hatte, noch einen weiteren, übergreifenden und vielleicht den wichtigsten Gedanken an. Für alle operativen Handlungen könne man Konzepte entwickeln, so Janalik, für ihr Gelingen allerdings sei eine Bewusstseinsänderung in den Köpfen aller nötig. „Wir brauchen in den Sportorganisationen solidarisches Denken“, forderte er zum Abschluss: „Alle Partikularinteressen müssten künftig zurückgestellt werden!“

Aus dem Landessportverband

Zum Abschluss der Veranstaltung gab BSB-Vizepräsident und LAL-Mitglied Claus-Peter Bach noch einen kurzen Überblick, was im LSV seit dem Frühjahr hinsichtlich des Leistungssports passiert ist. Das neue Leistungssportkonzept sei erstellt worden und befinde sich zurzeit in der Beratung. Nach Zustimmung des Präsidiums sollen alle Fachverbände darüber abstimmen. Ziele seien u.a. eine Stärkung der Trainer und eine bessere Betreuung der Athleten. Zudem solle der LAL neu aufgestellt werden, was allerdings noch einige Zeit dauern werde.

 

Quelle: www.badischer-sportbund.de