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September 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Dresden/Kaarst (SID) Floorball fristet in Deutschland ein Nischendasein, die „schnellste Hockey-Sportart der Welt“ erfreut sich aber wachsender Beliebtheit. Am 7. Dezember nahm der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) auf seiner Mitgliederversammlung in Dresden den Floorball-Verband Deutschland einstimmig als 99. Mitgliedsverband auf. Mit knapp über 10.600 Mitgliedern und der Mitgliedschaft in acht der 16 Landessportbünde erfüllt der Verband die organisatorischen Mindestvoraussetzungen für die Aufnahme. „Es ist eine große Ehre. Wir freuen uns, Teil der großen deutschen Sportfamilie zu sein“, sagte Floorball-Präsidentin Elke Scholz: „Dieser Tag wird uns einen großen Motivationsschub geben.“

Kein Eis, keine Schlittschuhe, keine Schutzausrüstung: Die Unterschiede zum großen Bruder Eishockey stechen auch dem vollkommen Ahnungslosen beim ersten Besuch eines Floorballspiels sofort ins Auge. Und doch handelt es sich um einen Ableger des traditionsreichen Kufensports.

„Man kann sich das schon wie Eishockey vorstellen, der Sport ist extrem dynamisch und schnell, es gibt viele Seitenwechsel“, sagt Dennis Schiffer. Der frühere U19-Nationalspieler ist Kapitän beim Zweitligisten DJK Holzbüttgen. „Die Tore sind etwas kleiner, die Banden niedriger. Wir haben auch keinen Holzschläger oder einen Puck, sondern Carbonschläger und einen Ball“, erklärt der 23-Jährige.

Die tennisballgroße Kugel ist 21 Gramm leicht, erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 180 km/h, große Verletzungen entstehen bei einem Körpertreffer nicht. „Deswegen brauchen wir auch keine aufwendige Ausrüstung“, so Schiffer. Gespielt wird wie im Handball auf einem 20 mal 40 Meter großen Feld.

Im Kaarster Stadtteil Holzbüttgen arbeitet der Verein eng mit den ansässigen Schulen zusammen, die rasante und einfach zu erlernende Sportart erfreut sich ständig wachsender Beliebtheit. „Man kann einfach unheimlich schnell Erfolge erzielen, der Sport erfordert keine großen Mittel“, erklärt Schiffer die Faszination.

Wer der Sportart halbwegs professionell nachgehen will, muss trotzdem viele Opfer bringen. „Ich habe mein ganzes Leben nach dem Floorball ausgerichtet“, sagt Mike Dietz dem SID. Der Nationaltorhüter zog von Hamburg nach Schweden, wo „Innebandy“ einen ganz anderen Stellenwert hat. In der Superliga verdienen die Athleten sogar Geld. Dietz allerdings spielt in der zweithöchsten Spielklasse bei Djurgardens IBF. „Zumindest muss ich meine Ausrüstung nicht mehr selbst bezahlen“, sagt der 24-Jährige.

Dietz hat seine Leidenschaft mit dem Nützlichen verbunden und macht in Schweden seinen Master. Der Keeper hat das Glück, dass seine Eltern die Kosten für Studium und Sport übernehmen. Sonst könnte Deutschlands Nummer eins seinen Traum nicht leben. Ob sich an seiner Situation mit der Aufnahme von Floorball als 99. DOSB-Mitgliedsverband etwas ändert, kann der Student noch nicht absehen. In Holzbüttgen zumindest glaubt man an einen Schub durch die Aufnahme – nicht nur in finanzieller Hinsicht.

„Ich hoffe, dass wir dadurch vom Status Randsportart wegkommen“, sagt Philip Jesse, Verteidiger und Abteilungsleiter in Personalunion. Für eine Vergabe von Fördergeldern sei eine DOSB-Mitgliedschaft oft Voraussetzung, so Jesse. „Vielleicht kommen wir jetzt an ein paar mehr Töpfe ran.“

Am 7. Dezember begann in Schweden die Weltmeisterschaft – mit dem deutschen Nationalteam. Vor zwei Jahren wurde die Amateur-Auswahl überraschend Vierter – hinter den großen Floorball-Nationen Schweden, Finnland und der Schweiz. Der MDR übertrug erstmals live. Für die Randsportart ist dies neben der DOSB-Aufnahme ein weiterer kleiner Schritt aus der Nische.

Dietz träumt davon, irgendwann einmal ein deutsches Floorball-Team bei Olympia zu sehen – auch wenn es für ihn selbst wahrscheinlich zu spät sein wird. Die erste Hürde haben die deutschen Floorballer aber zumindest in Dresden schon einmal genommen…