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September 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Köln (SID) Uwe Krupp verabschiedete sich in den Urlaub nach Amerika, hinter den Kulissen wird derweil an seiner Rückkehr an die Bande der Eishockey-Nationalmannschaft gebastelt. Der frühere NHL-Star ist nach der Trennung von Bundestrainer Pat Cortina der Wunschkandidat und durchaus gewillt, nach vier Jahren wieder die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) zu übernehmen. Es geht vor allem noch um das Wie.

Fest steht: Als Bundestrainer wird der 49-Jährige wohl nicht zurückkehren. Diese Funktion, in der er das DEB-Team bei der Heim-WM 2010 sensationell ins Halbfinale führt hatte, ist tabu, weil Krupp Coach der Eisbären Berlin ist. „Die DEL ist in ihrer Gesamtheit gegen eine klassische Doppelfunktion“, sagte Gernot Tripcke, Geschäftsführer der Deutschen Eishockey Liga (DEL), dem SID, „aus logistischen, zeitlichen und Neutralitätsgründen.“

Wahrscheinlicher ist, dass Krupp Teil einer Teamlösung nach nordamerikanischem Vorbild wird. Starker Mann soll ein Teamchef oder General Manager sein, der „die Personalhoheit über Kader und Trainerstab hat“, so Tripcke. „Dafür brauchen wir einen neutralen Mann“, betonte auch DEB-Präsident Franz Reindl im Gespräch mit dem SID. Krupp, von 2005 bis 2011 Chefcoach beim DEB, wäre dann unter diesem Teamchef einer von mehreren Trainern, die die Nationalmannschaft bei den diversen Turnieren und Maßnahmen betreuen.

„Wenn Verband und Liga sich auf ein Konzept einigen und alle 14 DEL-Klubs dahinter stehen, könnte ich mir vorstellen, in einem Team mitzuarbeiten“, sagte Krupp, der Mitte Mai zu einem USA-Urlaub aufbrach. Der Mannheimer Meistertrainer Geoff Ward, bei der WM in Tschechien bereits Assistent von Cortina, der Münchner Don Jackson, der Düsseldorfer Christof Kreutzer, aber auch im Ausland tätige Ex-Nationalspieler wie Harold Kreis (Schweiz) oder Peter Draisaitl (Tschechien) kämen dafür infrage.

Bliebe noch die Frage, ob der erste deutsche Stanley-Cup-Sieger einer von mehreren gleichberechtigten Trainern oder bei den wichtigen Turnieren wie den Weltmeisterschaften oder der Olympia-Qualifikation 2016 Chefcoach wäre. Die DEL fürchtet eine Doppellösung durch die Hintertür, Reindl hätte Krupp offenbar gerne als Motivator in gehobener Position.

„In den nächsten 14 Tagen“ will Reindl zu einem Ergebnis kommen, „die Vergangenheit mit Uwe war sehr, sehr gut“, erklärte der DEB-Chef, „aber die Zukunft ist offen. Es gibt mehrere Varianten mit mehreren Personen.“ Der DEB ist formell für die Benennung des Bundestrainers zuständig. Der Kooperationsvertrag mit der DEL sieht aber vor, dass die Entscheidung in Abstimmung mit der Liga getroffen wird.

Laut Reindl soll die Nachfolgeregelung für Cortina, von dem sich der DEB nach drei enttäuschenden Jahren am 19. Mai trennte, zumindest bis 2017 gelten. „Wenn die Olympia-Qualifikation geschafft wird, wäre es nicht gut, wenn man für 2018 wieder alles ändert“, sagte der DEB-Präsident. Nach der WM im kommenden Jahr in Russland geht es vom 1. bis 4. September 2016 in Riga um die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2018, ehe 2017 der DEB zusammen mit Frankreich WM-Gastgeber ist.