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September 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Halle, Westfalen (pps) – Der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Elmar Wienecke und der Konstanzer Mediziner Dr. med. Kurt Mosetter haben sich für neue Ernährungskonzepte auch im Spitzensport ausgesprochen. Bei einer Pressekonferenz im Rahmen der 23. Gerry Weber Open sagte Wienecke, die hohe Verletzungsquote speziell in der Fußball-Bundesliga sei „alarmierend“, Deutschland hinke bei den medizinischen Investitionen und in Ernährungsfragen offenbar hinterher. Wienecke ist der Gründer von SALUTO, dem Kompetenzzentrum für Gesundheit und Fitness in Deutschland.

Über 70 Prozent von Verletzungen ohne gegnerischen Einfluss

Bei einer Untersuchung von 11.500 Spitzensportlern hätten sich massive Probleme offenbart, so Wienecke. Allein 71 Prozent der Verletzungen hätten sich ohne gegnerischen Einfluss abgespielt. Viele Profis klagten nach Wieneckes Angaben auch über „fehlende mentale Frische“ oder Schlafstörungen und hätten Schwierigkeiten, eine „gesunde Balance“ zwischen Berufs- und Privatleben zu realisieren: „Diese biochemischen Störungen, diese Energiedefizite lassen sich durch gezieltere Ernährung deutlich reduzieren. Es braucht aber eine größere Aufmerksamkeit bei Verantwortlichen in den Vereinen oder Verbänden dafür. Wichtig ist auch, die Athleten selbst mitzunehmen und zu sensibilisieren.“

Dr. Mosetter warb ebenfalls für einen interdisziplinären Ansatz: „Wir werden nur zu Verbesserungen kommen, wenn sich alle an einen Tisch setzen und solche Probleme beraten“, sagte der Arzt, der unter anderem auch die US-Fußballnationalmannschaft betreut, „richtige Ernährung ist die Grundlage für die Gesundheit des Menschen.“

Wichtig sei, dass die Hierarchien im deutschen Gesundheitssystem flacher würden: „Ein Physiotherapeut ist genauso relevant wie ein Arzt, ganz einfach. Ohnehin muss viel mehr Geld in die Ausbildung aller Beteiligten gesteckt werden.“ Auf die Frage, wie er zu vegetarischen oder veganen Ernährungsmodellen stehe, sagte Mosetter: „Das verlangt eine unglaubliche Ausbalancierung. Man muss aufpassen, dass alle wichtigen Ernährungsstoffe auch zugeführt werden. Grundsätzlich sage ich, dass jeder ideologische Ansatz in der Ernährung schadet. Man darf vieles essen – nur nicht immer.“

„In Deutschland muss es mehr interdisziplinäres Handeln geben“

Fußballprofi Andreas Beck berichtete, für ihn seien eine gesunde Ernährung und die Zuführung von sogenannten Mikronährstoffen „genau der richtige Weg“ gewesen: „Ich merke einfach, dass ich so über eine größere Leistungsfähigkeit verfüge. Und dass ich von Verletzungen verschont bleibe. Ich gebe inzwischen auch anderen Spielern immer wieder Tipps.“ Auch der Kapitän des VfL Bochum, Patrick Fabian, berichtete von einer drastischen Karrierewende nach der Ernährungsumstellung und dem Kontakt zum Team um Prof. Wienecke: „Nach drei Kreuzbandrissen war ich mental und körperlich am Boden. Seitdem ich mich nach der Beratung anders ernähre, bin ich von schweren Verletzungen verschont geblieben. Entscheidend ist, diese andere Ernährungsform auch konsequent umzusetzen und nicht nachlässig zu werden.“