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September 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Köln (SID) Der Hit der Stunde klingt etwas hölzern, dafür aber handgemacht und voller Pathos. „Wie ein Feuer“ heißt der ulkige Song zum DFB-Pokalspiel des kleinen FC Nöttingen gegen den großen FC Bayern, im Video spielt vom Nöttinger Bäcker bis zum Dorfpfarrer quasi die halbe Gemeinde mit. Kein Zweifel: Das 2500-Einwohner-Fleckchen, gelegen zwischen Pforzheim und Karlsruhe, steht vor dem Pokal-Kracher am 9. August Kopf.

„Eine Jahrtausendshow für uns, für die Bayern nur ein Pausenbrot. Na und?“, heißt es unter anderem in dem Song. Nach großen Hoffnungen klingt das freilich nicht. Andere Fußball-Zwerge geben sich da vor ihrem großen Auftritt mutiger. Immerhin fünf Fünftligisten haben sich für die erste Pokal-Runde qualifiziert, bei jedem der „fünf Zwerge“ herrscht derzeit Ausnahmezustand.

Beim SSV Reutlingen etwa ist das rote Fan-Shirt mit der ironischen Aufschrift „Noch sechs Spiele bis Europa“ zum Hit geworden. Gegen den großen Nachbarn Karlsruher SC rechnet sich der ehemalige Zweitligist zumindest eine Mini-Chance aus. „Wenn man nicht dran glaubt, dann sollte man lieber gar nicht spielen“, sagt Trainer Georgi Donkow bei DFB.de. Vor allem aber will der abgestürzte SSV gegen den Zweitligisten zeigen, dass er eigentlich ein bis zwei Etagen höher spielen müsste.

Rundum wohl als Fünftligist fühlt sich dagegen der Bremer SV. Die Norddeutschen werben seit jeher mit dem Spruch „Echter Fußball ohne Schickimicki“ um Fans, auf der Homepage steht selbstironisch: „Seit 1962 nicht in der Bundesliga“. Im Schatten des großen SV Werder hat der BSV so seine eigene Nische gefunden. Als Belohnung kommt nun Eintracht Frankfurt vorbei. „Mal schauen, was passiert“, sagt Mittelfeldspieler Florent Aziri in einem Video auf der Facebook-Seite des BSV – zur Sicherheit auch auf Englisch.

Ähnlich bodenständig gibt sich der HSV Barmbek-Uhlenhorst vor dem Duell mit Zweitligist SC Freiburg. Als „Kultverein – mitten inne Stadt, mitten in Barmbek“ bezeichnen sich die Hamburger, die eine emotionale Woche erleben. Am letzten Samstag nahm der Klub vor 3000 Zuschauern Abschied von seinem Wilhelm-Rupprecht-Platz, auch „Barmbeker Anfield“ genannt. Gegen Freiburg wird erst einmal in Norderstedt gekickt.

Und dann ist da noch der FSV Salmrohr, ähnlich wie Reutlingen ein „gefallener“ Ex-Zweitligist. Nun kommt der VfL Bochum, eine Ironie der Geschichte. 1992 war es, als Salmrohr völlig überraschend im DFB-Pokal gegen den Bochumer Stadtrivalen Wattenscheid 09 gewann, damals immerhin Bundesligist. FSV-Trainer damals wie heute: Paul Linz.

3000 Zuschauer werden erwartet, viel wichtiger aber ist die Live-Übertragung durch Sky. Rund 130.000 Euro erhält der Klub, für einen Fünftligisten eine enorme Summe. Das große Los hat auch hier der FC Nöttingen gezogen, nach Abzug aller Kosten für das Bayern-Spiel dürfte ein Gewinn von rund 400.000 Euro übrig bleiben.

In Nöttingen weiß man daher, bei wem man sich zu bedanken hat. „Alle feiern pausenlos seit dem Traumlos“, heißt es in dem Song „Wie ein Feuer“, dann folgt ein kleiner Gruß an Tennisspielerin Andrea Petkovic, die Losfee: „Macht für Andi Petko mal die Daumen hoch.“