arag sid

September 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Mönchengladbach (SID) Joachim Löw hat das Wort nicht erfunden. Perspektivturniere gibt es beispielsweise im Badminton, auch im Südbadischen, wo der Bundestrainer sich heimisch fühlt. Der BC Lörrach-Brombach lässt dazu im Internet wissen: „Perspektivturniere sind insbesondere auch für Turniereinsteiger vorgesehen.“

Neu ist dieses Wort allerdings als Bezeichnung für ein Fußball-Turnier mit Weltgeltung. Joachim Löw ist da Vorreiter, er hat den Confed Cup 2017 in Russland zum „Perspektivturnier“ erklärt: „So werde ich den Confed Cup wahrscheinlich nutzen. Ich möchte vermehrt junge Spieler mit Perspektive heranführen. Die Tür steht ab jetzt wieder weit offen.“

Bei der Generalprobe für die WM 2018, die Deutschland als Titelverteidiger bestreitet, werden somit viele junge Spieler zu sehen sein. Altgediente Stützen bekommen eine Pause: „Drei Turniere in Folge wären für manche nicht ideal.“

Bundestrainer Joachim Löw arbeitet an der Mannschaft der Zukunft. Die Auswahl an Talenten ist groß.

Vielleicht steht 2017 also Niklas Süle von 1899 Hoffenheim in der Innenverteidigung, wirbelt der junge Schalker Max Meyer hinter den Spitzen, spielt Julian Brandt von Bayer Leverkusen auf dem linken Flügel. Ein Turnier, insbesondere auch für Turniereinsteiger. Alle drei hatte Löw schon für das Länderspiel gegen Finnland in Mönchengladbach eingeladen und dabei Einsatzzeiten in Aussicht gestellt.

Es sind jedoch bei Weitem nicht die einzigen Anwärter, die durch die weit offene Tür gehen können. Leon Goretzka zum Beispiel ist ja leider verletzt“, sagte Löw, den besonders das Auftreten der Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Spielen beeindruckt hat: „Die Spielweise und Entwicklung hat mir sehr gut gefallen.“ In diesem Zusammenhang nannte er explizit die beiden Olympia-Außenverteidiger Lukas Klostermann (RB Leipzig) und Jeremy Toljan (1899 Hoffenheim).

Nicht zu vergessen: Die deutsche EM-Entdeckung Joshua Kimmich (Bayern München), Debütant Nummer 79 von 82 in der Ära Löw, ist gerade erst so richtig in der A-Nationalmannschaft angekommen. Jonathan Tah, Leverkusen, auch erst 20, wurde für die EM nachnominiert, ohne dort zu spielen. Auf den Durchbruch in den Stamm der Nationalmannschaft warten auch Julian Weigl (Borussia Dortmund) und der Schalker Leroy Sané. Und selbst Antonio Rüdiger (AS Rom), für die EM mit einem Kreuzbandriss ausgefallen, ist erst 23.

„Es muss in einer Mannschaft immer mal einen Umbruch geben“, sagte Löw Ende August. Den gibt es durch die Rücktritte von Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger zumindest ansatzweise. Nach der WM 2014 hatten sich bereits Philipp Lahm, Miroslav Klose und Per Mertesacker verabschiedet.

Bei all den neuen Optionen will der Bundestrainer selbstverständlich nicht das große Ziel aus den Augen verlieren. „Wir wollen unseren WM-Titel verteidigen“, sagte er. „Klar ist aber, dass wir beim Confed Cup nicht alle dabei haben werden.“ Nicht alle gestandenen, turniererfahrenen Spieler, hieß das. Dafür junge Leute mit Perspektive.

Die soll künftig Stefan Kuntz aus der U21 „zuliefern“. Der neue Trainer stellte sich Ende August in Kassel mit „wahnsinniger Vorfreude“ vor, und er erkannte gleich das Potenzial seiner Mannschaft: „Ich habe zwischendurch beim Training zu meinen Kollegen gesagt: Lieber Scholli, was das für eine Qualität ist.“

Er sagte aber auch einen Satz, der dem Bundestrainer die Arbeit erschweren könnte. 2017 ist im Sommer auch die U21-EM, und Kuntz will dort „auch die entsprechende Rolle spielen“. Die Endrunde in Polen beginnt am 16. Juni, das „Perspektivturnier“ Confed Cup tags darauf.

Die beiden Trainer werden sich wohl einigen müssen.