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September 2020

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Rio de Janeiro (SID) Es begann mit düsteren Prognosen und endete mit einer bunten Party do Brasil. Zwar erlebten viele Athleten das prächtige Feuerwerk zum Abschluss der XV. Paralympics um 22.35 Uhr Ortszeit gar nicht mehr mit, weil sie vor dem strömenden Regen geflüchtet waren. Der ausgelassenen Stimmung im legendären Maracana tat dies aber keinen Abbruch. Rio de Janeiro feierte sich selbst. Die Cariocas waren nach einem gelungenen Behindertensportfest einfach nur stolz, es der (Sport-)Welt gezeigt zu haben.

Als die Flamme schon längst erloschen war, „feierte das Publikum weiter. Ein Anzeichen dafür, dass die Flamme in Rio eigentlich niemals erlischen wird“, schrieb O Globo mit Pathos. Die Schlussfeier sei laut Zero Hora ein „Wirbel an Gefühlen“ gewesen: „Ganz im Stile der Cariocas, die in der Stunde des Abschiednehmens keine Traurigkeit mögen.“

Nur kurz hatten Athleten, Verantwortliche und 45.000 Fans bei der rund zweieinhalbstündigen Zeremonie inne gehalten, als an den am Samstag beim Radrennen tödlich verunglückten Iraner Bahman Golbarnezhad mit einer Schweigeminute gedacht wurde.

Sir Philip Craven, Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), zog trotz des tragischen Unfalls, der einen „dunklen Schatten auf die Spiele“ werfe, ein positives Fazit: „Die Paralympics 2016 in Rio werden als erfolgreiche Spiele in Erinnerung bleiben, was viele Menschen überrascht. Sie werden als Spiele der Menschen in Erinnerung bleiben. Es war ein Karneval des Sports“, betonte der Engländer.

Symbolisch überreichte Craven den „fantastischen Cariocas“ unter donnerndem Applaus den Paralympischen Orden, die höchste Auszeichnung des IPC. „Für das angekratzte Selbstbewusstsein der Brasilianer in Zeiten einer schweren Wirtschaftskrise war die Ehrung wie Balsam für die Seele“, meinte O Globo.

Zuvor hatte Craven bei seinen letzten Paralympics die IPC-Flagge an Tokios Bürgermeisterin Yuriko Koike übergeben. In der japanischen Hauptstadt finden die Olympischen und Paralympischen Spiele in vier Jahren statt. Pyeongchang/Südkorea ist 2018 Ausrichter der Winterspiele. „Stimmungsmache und Gambiarra, die improvisierte Lösung für Alltagsprobleme verschwinden, High Tech kommt“, schrieb Estado.

Annika Zeyen vom Rollstuhl-Basketballteam trug die deutsche Fahne ins Maracana. Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), war der Schlussfeier wie den kompletten Paralympics fern geblieben. Für sein Verhalten hatte der Deutsche heftige Kritik einstecken müssen.

Dabei hätte sich das IOC durchaus Anschauungsunterricht nehmen können. „Wir haben die Mission erfüllt. Wir haben spektakuläre Spiele ausgetragen. Ihr seid Super-Helden“, sagte ein stolzer Carlos Arthur Nuzman, Präsident des Organisations-Komitees, bei der Feier zwischen Samba und Hardrock.

Das Behindertensportfest war allen Unkenrufen zum Trotz ein Erfolg, das erwartete Chaos war ausgeblieben. „Hervorragend. Alles, was wir als berechtigte Sorge mit auf den Weg genommen haben, hat sich nicht bewahrheitet“, bilanzierte auch Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS). Das deutsche Team trat mit 57 Medaillen (18 Gold) im Gepäck am Montagabend (Ortszeit) im Lufthansa-„Siegerflieger“ den Heimflug an.

Und mit der Gewissheit, ein buntes Fest erlebt zu haben, das auch in der Gunst der Fans ganz oben stand. „Das ist unglaublich. Vor vier Wochen hatten wir noch 200.000 Tickets verkauft und am Schluss waren es 2,1 Millionen. Dies ist der zweitbeste Wert nach London 2012 überhaupt“, sagte Craven.

In Bezug auf die sportlichen Leistungen „habe ich gesagt, dass es die besten Spiele werden. Und ich habe recht behalten.“ So hätten 82 Länder mindestens eine Medaille gewonnen, was für Craven ein „deutliches Zeichen ist, dass die paralympische Bewegung rund um die Welt immer mehr wächst“.

Dass Russland nicht dabei gewesen war, bedauerte er für die Athleten, machte aber noch einmal die knallharte Linie des IPC deutlich: „Staatsdoping werden wir nicht dulden. Es muss zu einem Wandel in Russland kommen, damit wir Russland künftig wieder dabei haben.“ Wenn dieser nicht stattfinden würde, so Craven, „dann wird das russische Team weiterhin große Probleme haben“.