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Mai 2019

Sport-Informations-Dienst (SID)

Potsdam (SID) Paulina Schulz ist zwölf Jahre alt, ein hoffnungsvolles Schwimmtalent – und die Tochter von Ex-Profiboxer Axel Schulz. Dieser Vergleich nervt die Sportschülerin, treibt sie aber auch an.

Frisch geduscht und ausgepowert sitzt Paulina Schulz im Aufenthaltsraum des Potsdamer Schwimmbads ihrem Vater gegenüber. Während sich beide tief in die Augen schauen, sticht die frappierende Ähnlichkeit heraus. Die gleichen Gesichtszüge, das gleiche schelmische Grinsen. Fehlt eigentlich nur noch ein Basecap auf dem Kopf der Zwölfjährigen.

Vergleiche mit ihrem Vater, dem früheren Profiboxer Axel Schulz (50), sind nicht neu für Paulina. Weil sie mittlerweile ein hoffnungsvolles Schwimm-Talent in Deutschland ist, wird sie nun aber noch öfter damit konfrontiert. „Das nervt schon sehr“, sagt die Schülerin dem Sport-Informations-Dienst (SID): „Ich glaube, manche mögen mich auch nur, weil ich die Tochter von Axel Schulz bin.“

Der berühmte Vater weiß, wie unangenehm das für seine Tochter ist. Deswegen hält er sich bei der jungen Sportkarriere seines Nachwuchses bewusst im Hintergrund. Auch bei Wettkämpfen. „Ich finde es ganz schrecklich reinzurufen, dafür ist eher meine Frau verantwortlich“, sagt der einstige Schwergewichtsboxer: „Aber es macht mich natürlich stolz, wenn sie reinspringt und vorne ankommt.“

Paulina zählt zu den besten Brustschwimmerinnen ihres Alters. Bei den deutschen Jahrgangsmeisterschaften im Mehrkampf gewann sie 2018 Bronze, seit September lernt, trainiert und lebt sie an der Sportschule Potsdam. 120 Kilometer von zu Hause entfernt, auf sich alleine gestellt. So wie einst ihr Vater, bevor er mit Kämpfen gegen George Foreman, Francois Botha und Wladimir Klitschko zum deutschen Boxstar aufstieg.

„Ich habe ihr gesagt: Du musst gucken, dass du mit den Größeren befreundet bist, denn bei uns Boxern gab es von den Größeren immer auf die Fresse“, sagt Schulz. Wirklich einmischen wolle er sich im neuen Lebensabschnitt seiner Tochter aber nicht: „Paulina brauche ich keinen Rat zu geben. Sie fummelt sich da alleine durch, und vom Schwimmen habe ich keine Ahnung.“ Und außerdem, sagt seine Tochter schelmisch, „habe ich schon mehr Siege als Papa“.

Ab und zu schaut sich Paulina auf YouTube alte Kämpfe ihres Vaters an, aber ihre sportlichen Vorbilder sind andere. Die einstigen Schwimmstars Franziska van Almsick und Britta Steffen zum Beispiel, „weil sie so sympathisch sind und so viel erreicht haben. Das würde ich auch gerne schaffen.“ Ihr großer Traum? „Einmal bei Olympia mitschwimmen.“

Dafür nimmt Paulina Schulz viel auf sich. Ein normaler Tag auf der Sportschule lässt kaum Zeit für Ablenkung: 5.20 Uhr Aufstehen, 5.40 Uhr Frühstück, 7.00 bis 9.00 Training, danach bis 14.00 Uhr Schule. Dann wieder Training, anschließend Hausaufgaben, um 21.00 ist Nachtruhe. Axel Schulz betont, dass er seine Tochter nicht dazu treibt: „Pauli will das! Wir machen keinen Druck.“

Ihr Trainer Toni Helbig sieht bei Paulina viel Potenzial. Sie habe „Ehrgeiz und Willen“, sagt Helbig. Und eine Zusatzmotivation: „Sie möchte sich durch ihre Leistungen profilieren und nicht darüber, was ihr Papa mal geleistet hat.“

Da Paulina in Florida geboren wurde und auch den amerikanischen Pass besitzt, könnte sie bei internationalen Wettkämpfen auch für die USA starten. Doch da würde sich ihr Vater dann doch einmischen: „Hallo?! Sie lebt und trainiert in Deutschland, also wird sie auch definitiv für Deutschland starten.“

Dann aber als Paulina Schulz – und nicht als Tochter von Axel Schulz.