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Juli 2019

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Liverpool (SID) Von wegen Finalfluch! Jürgen Klopp hat mit dem Triumph in der Champions League auch seine letzten Kritiker verstummen lassen. Der deutsche Teammanager freute sich ungemein über seinen größten Triumph – und auf die Mega-Party in Liverpool.

Bei der triumphalen Rückkehr nach Liverpool mobilisierten Jürgen Klopp und seine Champions-League-Helden noch einmal alle Kräfte. Auf einem roten Doppeldecker-Bus mit dem Slogan „Champions of Europe“ präsentierte das Team um Superstar Mohamed Salah ihren euphorisierten Fans den so lange ersehnten Henkelpott – ihre Titelsause nach dem Sturm auf Europas Thron setzten Klopp und Co. bei der Siegesparade in ihrer Heimatstadt ungebremst fort.

„Es ist unglaublich emotional. Um ehrlich zu sein, kann man es nicht beschreiben. Ich habe ein bisschen geweint, weil es so überwältigend ist“, sagte Klopp mit rauer Stimme bei LFCTV: „Wenn man Augenkontakt mit den Menschen hat, sieht man, was es ihnen bedeutet. Das ist bewegend. Wir haben eine wundervolle Zeit, das war es wert. Es ist so intensiv.“

Rund 500.000 Fans tauchten Liverpool in die Vereinsfarben der Reds. Immer wieder stieg roter Rauch auf, als der Bus sich seinen Weg durch die Massen bahnte. Klopp reckte unter lautem Jubel den Pokal in die Höhe, zusammen mit den Fans sang die Mannschaft „You’ll never walk alone“.

Die wilden Feierlichkeiten waren bereits im Metropolitano von Madrid mit dem Abpfiff nach dem 2:0 (1:0) gegen Tottenham Hotspur in Schwung gekommen. Um fünf Uhr in der Früh grölte Klopp gemeinsam mit Edelfan Campino von den Toten Hosen: „We’re sending greetings from Madrid, tonight we made it number six.“

Mit dem Coup in der spanischen Hauptstadt stieg Klopp in den Olymp deutscher Sieger-Trainer in der Champions League zu Ottmar Hitzfeld und Jupp Heynckes auf. Hitzfeld hatte den Henkelpott mit Borussia Dortmund (1997) und Bayern München (2001) gewonnen, Heynckes holte ihn 2013 mit dem FC Bayern sowie als bisher einziger deutscher Trainer mit einer ausländischen Mannschaft: 1998 mit Real Madrid.

„Wir haben es lange genug versucht. Ich bin superglücklich und stolz, dass es heute geklappt hat“, schwärmte Klopp. Bei der TV-Station Viasat trällerte der 51-Jährige an der Seite von Jan Aage Fjörtoft in Anspielung auf den Hit von Salt’n’Pepa und den sechsten Gewinn des Henkelpokals durch den LFC: „Let’s talk about six, Baby!“

Klopp jubelte nach den Treffern von Mohamed Salah (2./Handelfmeter) und durch Divock Origi (87.) zunächst verhalten. Erst nach dem Schlusspfiff ging er aus sich heraus. Um 23.15 Uhr hatte der gebürtige Stuttgarter erstmals die Hände am Pott, stemmte ihn mit einem Schrei in den Nachthimmel und stimmte kurze Zeit später mit dem Anhang ohrenbetäubend die Vereinshymne „You’ll never walk alone“ an.

Die Spieler trugen ihren Lehrmeister auf Händen – und schmeichelten ihm auch mit Worten. „Er ist ein fantastischer Trainer und ein fantastischer Mensch“, sagte Star-Verteidiger Virgil van Dijk. Der ehemalige Schalker Joel Matip freute sich „riesig für Klopp. Die Leute haben viel über seine Finalserie geschrieben. Aber er hat sich diesen Erfolg mit uns hart erarbeitet.“

Spielerisch geht die „Erlösung der Reds“ („The Sun“) als eines der schwächeren Endspiele in die Cuphistorie ein. Am Ende gewannen die Reds nicht dank ihres gefürchteten Offensivfeuerwerks, sondern weil sie das reifere und abgeklärtere Team waren. „Meine Mannschaft hat schon bessere Finals gespielt, aber nicht gewonnen“, analysierte Klopp treffend und fügte an: „Ich weiß genau, wie Tottenham sich jetzt fühlt.“

Sechs große Endspiele in Serie hatte Klopp zuvor verloren, drei davon in seinen knapp vier Jahren bei den Reds. In der Königsklasse war Liverpool im vergangenen Jahr an Real Madrid (1:3) gescheitert, zudem hatte es 2016 gegen den FC Sevilla im Finale der Europa League (1:3) sowie im englischen Ligapokal gegen Manchester City (1:1 n.V., 1:3 i.E.) jeweils schmerzhafte Pleiten gesetzt. Ein Verlierer-Image haftete Klopp an, am Samstagabend hat er es mit einem Schlag abgelegt.

Die Erleichterung darüber stand ihm ins Gesicht geschrieben. „Das ist unendlich wichtig, für den Klub, für die Fans“, sagte Klopp, stellte seine eigene Person aber hinten an. „Ich freue mich für die anderen, für meine Familie“, sagte er, denn die „hat immer mehr gelitten als ich. Ich bin froh, dass ich meiner Frau die Goldmedaille schenken kann.“