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Oktober 2019

Sport-Informations-Dienst (SID)

Doha (SID) Es war der Abend der schnellen Mamas: Die Jamaikanerin Shelly-Ann Fraser-Pryce und Allyson Felix aus den USA haben in Katar Geschichte geschrieben.

Shelly-Ann Fraser-Pryce strahlte, voller Stolz hielt die Jamaikanerin den kleinen Zyon im Arm. Es war ein Moment des puren Glücks für die 32-Jährige, WM-Gold über 100 m mit ihrem zwei Jahre alten Sohn feiern zu können. Das Erlebnis werde sie für immer „in Ehren halten“, sagte Fraser-Pryce später. Und weil auch US-Sprintstar Allyson Felix ihren nächsten Titel holte, wurde in Doha am späten Sonntagabend des letzten September-Wochenendes kurzerhand Muttertag gefeiert.

„Es war eine lange Reise“, sagte Fraser-Pryce über die Zeit, um nach der Geburt körperlich und mental wieder in Form zu kommen: „Ich habe mir Sorgen gemacht, ob ich ein Comeback schaffe. Ich habe wirklich hart gearbeitet.“

Und was das dann für ein Comeback wurde. Im Finale ließ die nur 1,52 m große Fraser-Pryce der bis zu zehn Jahre jüngeren Konkurrenz vor bestenfalls 5000 Zuschauern keine Chance, mit ganz starken 10,71 Sekunden sicherte sich das Pocket-Rocket genannte Energiebündel nach 2009, 2013 und 2015 ihr viertes WM-Gold über die 100 m. Sie sei „wirklich stolz“, weil es für „Frauen in der Leichtathletik sehr schwierig ist, eine Pause einzulegen und wieder zum Sprinten zurückzukehren“, sagte Fraser-Pryce. Ein Viererpack über die gleiche Strecke gelang in der Leichtathletik-Geschichte noch keiner Läuferin, zudem kürte sie sich zur ältesten 100-m-Weltmeisterin. „Es hat viel Arbeit und viele Opfer gekostet“, sagte die Sprinterin mit den bunten Haaren.

Insgesamt hat Fraser-Pryce bei Weltmeisterschaften jetzt neun Medaillen gewonnen – eine mehr als stolze Bilanz. Aber nichts im Vergleich zu Felix. Für die 33-Jährige zählen die Statistiker jetzt allein ein Dutzend Goldmedaillen, nachdem sie in Katar mit den USA den Premieren-Titel in der Mixed-Staffel gewonnen hat. „Es ist eine große Sache für mich, es hierher geschafft zu haben“, sagte Felix, die ihr Kind wie Fraser-Pryce per Kaiserschnitt zur Welt gebracht hatte.

Doch bei Felix war die Geburt ihrer Tochter Camryn im Dezember 2018 deutlich dramatischer. Es gab Komplikationen – Not-Operation in der 32. Schwangerschaftswoche. „Das vergangene Jahr war eine große Herausforderung für mich“, sagte die erfolgreichste Athletin der WM-Geschichte: „Es ist immer schön, ein bisschen Geschichte zu schreiben.“

Schließlich brachte sich Felix nicht nur wieder in Form, sondern kämpfte auch öffentlichkeitswirksam für Rechte von Schwangeren und damit gegen ihren einstigen Ausrüster Nike. Der Sportartikelgigant hatte ihr nur einen um 70 Prozent geringeren Vertrag angeboten – trotz all ihrer Erfolge. Inzwischen hat Felix einen neuen Sponsor gewonnen – und Nike seine Vertragsklauseln angepasst.

Die schnellsten Mamas der Welt sehen sich auch als Vorbilder für alle Mütter oder Frauen, die es werden möchten. „Mit meinem Comeback hoffe ich, dass ich allen Frauen, die eine Familie gründen oder an eine Familiengründung denken, Inspiration schenken kann“, sagte Fraser-Pryce, auch als Mutter könne man „alles erreichen“.