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März 2020

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Hamburg (SID) Der Coronavirus-Ausbruch in China beeinflusst zunehmend auch den internationalen Sport, unter anderem wurde die für März geplante Hallen-WM der Leichtathleten in Nanjing abgesagt. Das IOC beobachtet die Situation wegen der Olympischen Spiele in Tokio genau.

Die Hallen-WM der Leichtathleten in Nanjing? Abgesagt. Der Start der chinesischen Fußball-Liga? Bis auf Weiteres verschoben. Das Formel-1-Rennen in Shanghai? Wackelt. Und die Olympischen Spiele in Tokio? Ein knappes halbes Jahr vor dem Megaevent in Japan nehmen die Sorgen zu. Der grassierende Coronavirus mit jetzt schon mehr als 400 Toten hält zunehmend den Sport in Atem.

„Maßnahmen gegen ansteckende Krankheiten sind ein wichtiger Bestandteil der Pläne“ des Organisationskomitees „Tokyo 2020“ in Japan, „um sichere Spiele auszurichten“, teilte das IOC auf SID-Anfrage mit. Das OK werde „weiterhin mit allen relevanten Organisationen zusammenarbeiten, die das Auftreten von Infektionskrankheiten sorgfältig überwachen, und alle erforderlichen Gegenmaßnahmen mit allen relevanten Organisationen prüfen.“ Zudem stehe das IOC mit der Weltgesundheitsorganisation WHO sowie eigenen medizinischen Experten in Kontakt.

Trotz der beispiellosen Sicherheitsmaßnahmen der chinesischen Behörden breitet sich die Lungenkrankheit weiter aus. Laut einer neuen offiziellen Zwischenbilanz vom Donnerstag stieg die Zahl der Todesfälle in China um weitere 38 an, die Zahl der bestätigten Infektionen in der Volksrepublik wuchs um rund 1700 auf gut 7700.

Aus Angst vor weiteren Ansteckungen hat der chinesische Fußballverband CFA erst einmal alle Spiele im Land ausgesetzt, der eigentlich für den 22. Februar geplante Saisonstart verzögert sich.

Auch das Formel-1-Rennen in China ist in Gefahr. Eigentlich sollen Ferrari-Star Sebastian Vettel und Co. am 19. April in Shanghai ihre Runden drehen. Doch im  Weltverband FIA werde man, wenn notwendig, „alle Schritte einleiten, um die globale Motorsport-Gemeinschaft und die Öffentlichkeit zu schützen“, wie es in einer Mitteilung hieß. Die Situation werde genau beobachtet.

Mit der Formel 1 würde sich die Liste der Sportarten verlängern, die sich wegen der Epidemie zum Handeln gezwungen sehen. Der Leichtathletik-Weltverband World Athletics hatte die für den 13. bis 15. März in Nanjing geplante Hallen-WM abgesagt. „Diese Entscheidung ist hinsichtlich der Gesundheit der Athleten und Betreuer die richtige“, sagte Idriss Gonschinska, Generaldirektor Sport im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV).

Auch der Ski-Weltverband FIS hatte die alpinen Weltcups auf den Olympia-Pisten von Yanqing gestrichen, zudem wurden unter anderem in China geplante Olympia-Qualifikationen im Boxen und Basketball verlegt.

Und während Fluglinien wie die Lufthansa oder British Airways ihre Flüge nach China aussetzten, schloss Russland seine 4250 Kilometer lange Grenze zu China. Es sind verzweifelte Versuche, das Coronavirus einzudämmen. Wie vor vier Jahren, als Zika vor den Spielen in Rio grassierte, werden die Olympiamacher erneut vor große Herausforderungen gestellt.

In Japan ist man jedenfalls alarmiert. Man müsse „sehr vorsichtig sein“, sagte Kazuhiro Tateda, Präsident der japanischen Vereinigung für Infektionskrankheiten. Bei Megaevents wie den Olympischen Spielen „steigt das Risiko, dass Infektionskrankheiten und resistente Bakterien eingeschleppt werden.“

Der SID hat eine Liste der Sportarten und Auswirkungen zusammengestellt:

FUSSBALL: Der chinesische Fußballverband CFA hat alle Spiele im Land ausgesetzt, der für den 22. Februar geplante Saisonstart der Super League wurde bis auf Weiteres verschoben. Zudem kündigte der asiatische Kontinentalverband AFC an, dass alle vier chinesischen Klubs in den ersten Partien der asiatischen Champions League auswärts antreten müssen.

Das für Anfang Februar geplante Olympia-Qualifikationsturniers im Frauenfußball findet nicht in Nanjing sondern in Sydney statt. Der chinesische Fußballverband CFA zog sich als Ausrichter zurück. Zuvor war das Turnier, an dem Australien, China, Taiwan und Thailand teilnehmen, bereits von Wuhan nach Nanjing verlegt worden. Bei der Ankunft in Brisbane wurde die chinesischen Frauen-Nationalmannschaft vorsorglich unter Quarantäne gestellt.

Ob die WM-Qualifikationsspiele der chinesischen Männer-Nationalmannschaft gegen die Malediven am 26. März sowie in Guam am 31. März wie geplant stattfinden, soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.

BADMINTON: Das China Masters findet nicht wie geplant ab dem 25. Februar in Lingshui statt. Zahlreiche Spieler hatten ihre Teilnahme ohnehin bereits abgesagt.

BASKETBALL: Der Basketball-Weltverband FIBA gab bekannt, dass das im chinesischen Foshan geplante Olympia-Qualifikationsturnier der Frauen nun in Belgrad stattfinden wird. In Belgrad finden vom 6. bis zum 9. Februar nun zwei von insgesamt vier Turnieren statt, die anderen beiden werden in Bourges (Frankreich) und Ostende (Belgien) ausgetragen.

BOXEN: Das Olympia-Qualifikationsturnier der Boxer ist von Wuhan nach Jordanien verlegt worden. Nach Angaben des Internationalen Olympische Komitees (IOC) werde der Wettbewerb vom 3. bis 11. März in der jordanischen Hauptstadt Amman stattfinden.

FORMEL 1/FORMEL E: Das für den 21. März in Sanya geplante Formel-E-Rennen wurde abgesagt, ein neuer Termin ist noch nicht gefunden. Der Automobil-Weltverband FIA beobachtet die Situation in China weiterhin genau. Das Formel-1-Rennen in Shanghai soll am 19. April stattfinden. Allerdings steht auch hinter dem vierten WM-Lauf der Saison ein Fragezeichen.

LEICHTATHLETIK: Der Leichtathletik-Weltverband World Athletics sagte die für den 13. bis 15. März in Nanjing geplante Hallen-WM wegen der Epidemie ab. Die Titelkämpfe sollen erst im März 2021 nachgeholt werden.

SCHWIMMEN: Die chinesische Station der Wasserspringen World Series (7. bis 9. März) fällt aus. Ob der Synchronschwimm-Wettbewerb der World Series (23. bis 25. April) in Suzhou normal über die Bühne gehen kann, ist noch offen.

SKI ALPIN: Der Internationale Skiverband FIS sagte die für den 15. und 16. Februar geplanten alpinen Weltcup-Rennen der Männer in Yanqing ab. Die Rennen waren als Testevents für die Olympischen Spiele in Peking 2022 geplant.