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Juli 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

München – Mit seinen 22 Jahren steht der Deutsche Luca Engler noch am Anfang seiner Karriere in der Red Bull Ice Cross Weltmeisterschaft. Aber der Rosenheimer weiß schon jetzt, wo es einmal hingehen soll: „Natürlich will ich an die Spitze“, zeigt sich der gelernte Physiotherapeut selbstbewusst und weiß zugleich, woran es ihm aktuell noch fehlt: „Ich bestreite gerade erst meine dritte Saison. Mir fehlt es noch an Erfahrung. Nur durch den Wettkampf siehst du, wie die anderen ticken und findest deine Kopflinie. Und mit der Zeit und der wachsenden Erfahrung durch Wettkämpfe eignest du dir auch Augen im Hinterkopf an.“

Engler kommt wie viele Ice Crosser vom Eishockey, spielte zunächst bei den Starbulls Rosenheim, später dann beim Augsburger EV und DEC Inzell. Der Ice Cross Event in Wagrain 2017 war der Auftakt seiner neuen sportlichen Karriere. „Ein Kumpel von mir wohnte in Wagrain und meinte, dass wir da unbedingt hinmüssen. Dann ist das eine zum anderen gekommen“, erinnert sich Engler, der es auf Anhieb in die Top-64 schaffte und eine Wildcard für das Rennen in St. Paul in den USA erhielt. „Da hatte mich der Sport dann endgültig gepackt.“

Ein Sport, dessen Training sich nicht einfach gestaltet, musste auch Engler schnell feststellen. „Wir haben uns einen Trainingsplatz quasi selbst erstellt. Die Oberschenkelmuskulatur wird besonders beansprucht. Zudem ist eine gute Stabilität von enormer Bedeutung.“ Auch deshalb sieht man den 22-Jährigen oft mit Rollerblades in Pumptracks, die eigentlich dem BMX- und Mountainbikesport dienen. „Ein asphaltierter Pumptrack ist der ideale Trainingsplatz“, so Engler, der auch häufig in der Nähe von Graz auf der einzigen permanenten Strecke Trainingslager absolviert.

In dieser Saison bestritt Engler bis dato zwei Rennen, belegte beim Saisonauftakt Ende Dezember in Judenburg (Österreich), einem ATSX 500 Rennen, Platz 27 sowie zwei Wochen später in den südfranzösischen Alpen in Pra-Loup (ebenfalls ATSX 500) Platz 20. Nicht optimal lief es in Yokohama Mitte Februar: Der 22-Jährige, der sich für das Rennen in Japan eine Top-16-Platzierung als Ziel gesteckt hatte, musste als bester Deutscher mit Rang 35 vorliebnehmen. „Ich bin richtig sauer. Ich bin genau an derselben Stelle gestürzt wie im letzten Jahr. Ich war nach dem Start nah an Moriarity dran, habe mich dann nochmal zurückgekämpft und bin noch Dritter geworden. Aber leider hat‘s nicht gereicht“, so der ehemalige Eishockeyspieler. „Die Top-16 wäre möglich gewesen. Jetzt heißt es nach vorne schauen. Ich werde als nächstes Mitte März beim Rennen in Südtirol an den Start gehen.“

An der Spitze ist Luca Dallago aus Österreich bereits angekommen, ihn studiert der Deutsche immer wieder. „Seine Technik ist faszinierend. Ich weiß bis heute nicht, wie er das manchmal macht.“

Über das Ice Cross: Beim Ice Cross rasen Athleten auf Schlittschuhen Kurse mit einer Länge von bis zu 700 Metern hinab, die mit Hindernissen wie Sprüngen, Haarnadelkurven und Wellen gespickt sind. Das Eis entsteht entweder natürlich in Wintersportregionen oder wird mitten in Städten künstlich hergestellt. Vier Sportler starten gemeinsam mit Geschwindigkeiten von bis zu 80km/h. Die schnellsten beiden kommen in die nächste Runde, bis nur noch vier Fahrer in jeder Kategorie (Männer, Damen, Juniors) übrig sind, die dann jeweils das Finale bestreiten. Je nach Schwierigkeit der Strecke und in Abhängigkeit von den zu erzielenden Punkten werden die Rennen benannt: ATSX 250, 500 oder 1000. In den letzten zwei Jahrzehnten haben über 1.000 Sportler aus 51 Nationen und fünf Kontinenten an den Rennen teilgenommen.