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Dezember 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Iserlohn (SID) Die Bürger in Nordrhein-Westfalen sollen bereits 2021 oder spätestens Anfang 2022 über eine Olympiabewerbung der „Rhein-Ruhr-City“ abstimmen. Die Verantwortung dafür übernimmt überraschend die private Initiative und nicht der DOSB.

Der DOSB hält sich erstmal zurück, dafür macht die Rhein-Ruhr-Initiative ernst: Mit einem „Paradigmenwechsel“ soll der erste große Schritt auf dem Weg zu Olympischen Spielen in Deutschland erfolgreich vollzogen werden. Eine mögliche Bewerbung für die Olympischen Spiele 2032 läuft zunächst weiter unter der Federführung der privaten Initiative Rhein-Ruhr-City. Bis zu einem erfolgreichen Bürgerreferendum bleibt der Deutsche Olympische Sportbund – anders als bei den zuletzt gescheiterten Anläufen von Hamburg und München – komplett außen vor.

„Wir haben uns in enger Abstimmung mit dem DOSB bewusst für einen Paradigmenwechsel entschieden“, sagte Michael Mronz, Gründer der Initiative, in einer Presserunde in Iserlohn. Das habe den großen Vorteil, betonte der 53-Jährige, dass bei der Entscheidung der Bürger im Unterbewusstsein keine Ablehnung einer gewissen Sport- oder allgemeinen Politikrichtung mitschwinge. „So liegt den Bürgern nur die reine Konzeption der Spiele vor“, sagte Mronz. Ursprünglich wollte der DOSB noch in diesem Jahr über eine deutsche Olympiabewerbung entscheiden, im Zuge der Coronakrise wurde dieser Plan verworfen.

Das entsprechende Bürger-Referendum soll bereits zeitnah stattfinden, da Mronz davon ausgeht, dass die Spiele gemäß der IOC Agenda 2020 deutlich vor 2025 vergeben werden. Vor diesem Hintergrund „wäre es sinnvoll, wenn wir die Bürgerbefragung 2021 oder spätestens Anfang 2022 durchführen“, erklärte der Unternehmer: „Wir werden in den nächsten Wochen mit der Landespolitik ein Verfahren abstimmen, wie wir das angehen werden.“

Bezüglich der Unterstützung der Bürger ist Mronz optimistisch, eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Infratest dimap habe in den eingeplanten Kommunen Zustimmungswerte zwischen 76 und 88 Prozent ergeben. Von den Gegnern änderten zudem zwischen 70 bis 80 Prozent ihre Meinung, als sie darüber informiert worden seien, dass nur rund zehn Prozent der Sportstätten neu gebaut werden müssten. Angesichts der sich veränderten Lage aufgrund von Corona will die Initiative sich 2021 ein neues Stimmungsbild einholen.

Mronz betonte nochmals, dass die Initiative „Dinge nicht für, sondern durch Olympia nach vorne bringen“ wolle. Die Spiele sollen durch Nachhaltigkeit und geringe Kosten glänzen. „Wir sind nicht Champagner und Kaviar, sondern Bier und Metthäppchen“, betonte der Gründer der Initiative und bezeichnete dies als Alleinstellungsmerkmal gegenüber den gehandelten Mitbewerbern Neu-Delhi/Indien, Queensland/Australien, Doha/Katar, Shanghai/China sowie einer gemeinsamen Bewerbung von Süd- und Nordkorea.

Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses, hat im Bundestag bezüglich einer Bewerbung ebenfalls breite Unterstützung ausgemacht. „Die Stimmung ist aufgeschlossen“, sagte die SPD-Politikerin in ihrer Heimatstadt Iserlohn: „Ich habe bislang nirgends eine grundlegende Ablehnung erfahren.“ Staatliche Unterstützung wäre für eine Bewerbung allerdings unabdingbar. „Das es ohne finanzielle Unterstützung auf Bundesebene schwierig wird, liegt auf der Hand“, sagte Freitag.

Das Olympia-Konzept Rhein Ruhr schließt 14 Städte in NRW ein, soll aber deshalb kein Olympia der langen Wege werden. Der um alle Sportstätten gezogene Radius beträgt 63 Kilometer und entspricht der Ausdehnung von Los Angeles 2028. Eine Entscheidung über den Standort des olympischen Dorfs fällt erst nach dem Bürgerreferendum, eine erste Budgetplanung soll dagegen noch Ende des Jahres veröffentlicht werden.