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November 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Köln (SID) Vom „Totengräber“ zum Präsidenten: Marco Troll ist an die Spitze des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) gewählt worden – zwei Jahre nachdem er zum Rücktritt seiner Vorgängerin maßgeblich beigetragen hatte. „Ich werde offensiv auf alle zugehen“, sagte der Freiburger, der am Samstag bei der digitalen Mitgliederversammlung mit 76 Prozent der Stimmen (309 von 409) gewählt worden war.

Troll, der seit acht Jahren den Badischen Schwimm-Verband als Vorsitzender führt, war als einziger Kandidat angetreten. Mit der Wahl des 58-Jährigen endete ein knapp zweijähriges Machtvakuum, in dem das höchste Amt im über 580.000 Mitglieder starken Dachverband unbesetzt geblieben war.

Im Dezember 2018 war Gabi Dörries als Präsidentin zurückgetreten, nachdem sie mit einer geplanten Beitragserhöhung bei der Mitgliederversammlung gescheitert war. Troll war einer der Wortführer, als die Landesverbände die Erhöhung ablehnten. Daraufhin war er von Kritikern als „Totengräber des Verbandes“ bezeichnet worden.

In der Zwischenzeit hatten die bisherigen Vizepräsidenten Uwe Brinkmann, Wolfgang Hein und Kai Morgenroth die Führung übernommen. Alle drei stellten sich nun nicht erneut zur Wahl. Zum Vorstand gehört weiterhin Sportdirektor Thomas Kurschilgen.

„Nach zweijähriger Vakanz ohne Präsidenten oder Präsidentin ist es für einen so bedeutenden Sportverband wie den DSV wichtig, dass diese Funktion wieder besetzt wird“, sagte Troll.

Der neue Präsident will sich vor allem für den Breitensport einsetzen. Dort seien 80 Prozent der Schwimmer und Schwimmerinnen aktiv. „Das sind Senioren, das ist Gesundheitssport, Schwimmen lernen. Und da tut sich nichts“, sagte Troll dem Deutschlandfunk: „Und da hat sich der DSV im Prinzip immer gesträubt, da was zu tun. Weil es mit Personal zu tun hat, es hat mit Geld zu tun. Und da hat sich leider nichts entwickelt.“

Für diese Aufgaben müssten auch die Einnahmen gesteigert werden. „Und da werden wir nicht drumherum kommen, auch mal eine Gebührenerhöhung durchzuführen“, prognostizierte er. Seine Ablehnung vor zwei Jahren begründete er damit, dass Zahlen geliefert worden seien, „die so von uns nicht anzunehmen waren“.

Ebenfalls neu im Vorstand sind Harald Walter (58) und Wolfgang Rupieper (73), die Präsidenten der Schwimmverbände Bayerns und Brandenburgs, sowie Claudia Boßmann (63), die unter anderem im Schwimmverband Nordrhein-Westfalen Mitglied der Arbeitsgruppe Finanzen ist.