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Juli 2021

Sport-Informations-Dienst (SID)

Melbourne/Köln (SID) WhatsApp-Chat mit den Kollegen, Vorfreude auf das erste Kind und kein Gedanke an einen Friseurbesuch: Alexander Zverev geht das Tennisjahr 2021 mit großer Gelassenheit an.

Der Tagesablauf ist überschaubar. „Viel kann ich nicht machen“, sagt Alexander Zverev über die zweiwöchige Quarantäne im Vorfeld der Australian Open in Melbourne. Zwei Hometrainer im Hotelzimmer, eine PlayStation und eine Whats-App-Gruppe mit den anderen deutschen Tennisprofis, das war es auch schon mit der Freizeitgestaltung. Immerhin: „Meinen Bruder Mischa kann ich immer sehen, zwischen unseren Zimmern gibt es eine Verbindungstür“, erzählte Zverev im Interview mit der Bild am Sonntag.

Und das ist ja nicht ganz unwichtig, denn der zehn Jahre ältere Mischa Zverev ist seit der kürzlich erfolgten Trennung von Roger Federers Agentur „Team8“ zuständig für das Management des Weltranglistensiebten. Der Chef im Hause Zverev sei Mischa damit aber keinesfalls. „Mein Boss? Da lachen wir uns, glaube ich, alle schlapp“, sagte Alexander: „Wir nehmen einfach das Geschäft mehr in unsere Hände, und Mischa hilft mir dabei.“ Auch Sergej Bubka junior, Sohn der gleichnamigen Stabhochsprung-Legende, ist in den Inner Circle eingebunden: „Sie sind die passenden Personen, sie handeln in meinem Interesse.“

Und weil im täglichen Training nun wieder Vater Alexander Zverev senior das alleinige Sagen hat, ist zumindest im Moment auch der von DTB-Vizepräsident Dirk Hordorff immer wieder ins Spiel gebrachte Boris Becker keine Option im Team Zverev. „Wir reden seit Jahren mit Boris“, sagte Alexander der BamS: „Wir haben einen sehr guten Kontakt. Aber die nächsten Monate ist das kein Thema.“

Dass die Trainerfrage bei Zverev überhaupt wieder aktuell wurde, war eine Folge der überraschenden Trennung vom Spanier David Ferrer. „Ich habe David als Trainer geliebt“, sagte der Weltranglistensiebte: „Abgesehen von meinem Vater war er der beste Trainer, den ich je hatte. Wir haben von der Persönlichkeit sehr gut zusammengepasst.“ Corona sei dann das Problem gewesen: „Er wollte mehr bei seiner Familie sein. Das kann ich verstehen, aber wir haben für die Zukunft alles offen gelassen.“

Der Begriff „Familie“ wird vielleicht auch für Alexander Zverev in diesem Jahr eine ganz neue Bedeutung bekommen, denn seine ehemalige Lebensgefährtin Brenda Patea erwartet im Februar das erste gemeinsame Kind. Ein Meilenstein, auf den sich Zverev nach eigener Aussage mehr freut als auf den so sehr ersehnten ersten Grand-Slam-Sieg: „Das ist ein ganz besonderes Gefühl für jeden Menschen auf der Welt. Das wird das Highlight meines Lebens.“ Er kenne auch schon das Geschlecht des Kindes, aber „wir haben uns entschieden, es noch nicht zu sagen“.

Eine andere Ex-Freundin beschuldigt Zverev der körperlichen Gewalt, ein Vorwurf, den der 23-Jährige vehement bestreitet. Nichts sei daran war, aber man könne leider „heutzutage mit der Wucht von Social Media jedem alles unterstellen“. Er habe sich dennoch entschieden, zu schweigen, denn „je mehr ich rede, desto größer und länger würde sich die Geschichte hinziehen“

Und deshalb widmet sich Zverev viel lieber den Gedanken an die Geburt seines Kindes und an seine sportliche Zukunft. Dass derweil in Corona-Zeiten sein ohnehin üppiges Haupthaar ohne den in der Quarantäne nicht möglichen Friseurbesuch in alle Himmelsrichtungen wuchert, sieht Zverev ganz und gar uneitel: „Wer mich kennt, der weiß, dass mir meine Haare ziemlich egal sind. Ich lasse sie einfach wachsen, und so, wie sie aussehen, sehen sie dann aus.“