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September 2021

Sport-Informations-Dienst (SID)

Frankfurt/Main (SID) Mit großem Ehrgeiz und einem Dank an Vorgänger Joachim Löw hat sich Hansi Flick als neuer Bundestrainer vorgestellt. Für den Weg zurück in die Weltspitze setzt Flick auf Mentalität, Teamgeist und seine Erfolgstaktik bei den Bayern.

Zwischen blanken Stahlpfeilern, unverputzten Wänden und freiliegenden Kabeln krempelte Hansi Flick die Ärmel seines weißen Hemdes hoch. Dann präsentierte der Architekt der Nationalmannschaft seinen Bauplan für das Projekt „Neustart“. Mit Stolz, unbändiger Vorfreude, einem „hoch kompetenten Team“ in seinem Rücken und einer „All-in-Mentalität“ will der neue Bundestrainer die Tristesse der letzten Jahre in der Löw-Ära verjagen und für eine neue Aufbruchsstimmung sorgen.

„Ich bin total happy und stolz, als Bundestrainer hier zu sitzen. Ich bin wirklich heiß, mich hier einzubringen“, sagte der 56-Jährige bei seiner Vorstellung am Dienstag auf der Großbaustelle DFB-Campus mit Blick auf die Frankfurter Skyline. Das Ambiente stand symbolisch für Flicks vielfältige Herausforderungen, die 42 Tage nach dem frühen EM-Aus nicht kleiner geworden sind.

Der Nachfolger von Joachim Löw versprach mit fester Stimme, „attraktiven, begeisternden und erfolgreichen Fußball“ spielen lassen und Deutschland wieder zurück in die Weltspitze führen zu wollen. „Das wird nicht von heute auf morgen gehen“, betonte der frühere Erfolgstrainer von Bayern München, „aber wir werden alles tun, um dieses Ziel zu erreichen“.

Dafür werde er „nur die besten Spieler Deutschlands“ nominieren, Mats Hummels und Thomas Müller werden also kein zweites Mal einem Umbruch zum Opfer fallen. „Wenn sie Topleistungen abrufen – ich gehe mal davon aus, dass sie das noch können – dann sind sie Teil dieser Mannschaft“, sagte Flick, der am 26. August den Kader für die drei WM-Qualifikationsspiele im September gegen Liechtenstein, Armenien und Island nominiert. Die Ziele Gruppensieg und direktes WM-Ticket sind trotz aktuell Platz drei realistisch.

Hoffnungen auf eine Rückkehr dürfen sich die zuletzt nicht berücksichtigten Marco Reus und Mario Götze machen. Rio-Held Götze sei „bei Eindhoven wieder in die Spur gekommen“, lobte der Bundestrainer, und der Dortmunder Reus sei für ihn „einer der besten Spieler im letzten Drittel“.

Generell sei es sein Anspruch, „die besten Spieler für Deutschland nochmal einen Tick besser“ machen zu wollen. Dafür forderte er von den Profis, sich selbst und dem gesamten Trainer- und Betreuerteam „eine All-in-Mentalität“.

Aus solchen Sätzen könnte man leise Kritik an der Arbeit seines einstigen Chefs Löw, mit dem er als Co-Trainer den WM-Titel 2014 in Brasilien gefeiert hatte, herauslesen. Doch Flick verbat sich diese Interpretation, Löw habe „herausragende Arbeit“ geleistet und er habe ihm „sehr viel zu verdanken“.

Ein ausführlicher Austausch zwischen den beiden steht noch aus: „Er will erstmal durchatmen, die Zeit hat er auch verdient. Dann werden wir wieder Kontakt haben und schön essen gehen.“

Während es personell keine gravierenden Veränderungen geben dürfte, wird die Spieltaktik eine andere sein. Der von Löw so geliebte Ballbesitzfußball wird modifiziert, Flick will wie beim Triple-Gewinn mit den Bayern 2020 „früh attackieren“ und „schnelle Tore nach Ballgewinnen“ erzielen. Auch die EURO habe gezeigt, dass die besten Teams vor allem mit „hohen Ballgewinnen“ und „über Standardsituationen“ zum Erfolg gekommen seien.

Bei Überraschungs-Mannschaft Dänemark war Mads Buttgereit der „Mastermind“ für ruhende Bälle, nun verstärkt er das DFB-Trainerteam. Er habe bei Flicks Anruf „zuerst gedacht, da verarscht mich jemand“, verriet der 36-Jährige, für den die neue Aufgabe „eine Riesenehre“ sei.

Als Co-Trainer unterstützen zudem Danny Röhl und Marcus Sorg den Bundestrainer, Andreas Kronenberg (SC Freiburg) wird Nachfolger von Andreas Köpke als Torwarttrainer.

Rio-Weltmeister Benedikt Höwedes verstärkt das Teammanagement. Seinen langjährigen Wegbegleiter Hermann Gerland würde Flick „gerne als Scout dabei haben“, Details müssten noch geklärt werden.

Das sei ein „hoch kompetentes Team“, schwärmte DFB-Direktor Oliver Bierhoff, „ich bin von der Atmosphäre und Energie begeistert“. Jetzt müssen Taten folgen.